GastbeitragAngedockt mit Kind – Stangen, Anhänger und Tandems

Rad fahren macht auch den kleinsten Spaß. Doch ihr Aktionsradius ist recht klein, so dass größere Touren schwierig werden könnten. Welche interessanten Alternativen es zu Laufrad, Kindersitz und Anhänger gibt, verrät Fahrradexperte und Vater Waldemar Piontek.

von Gastautor

Jetzt aber ist selbst Fahren angesagt, einfach nur Sitzen ist zu langweilig. Doch was tun, wenn die Kids nicht mehr passiv mitfahren wollen, ihnen aber für größere Touren noch die Kraft und Ausdauer fehlen? Wir haben uns hier einige Gedanken dazu gemacht und Alternativen gefunden.

 

Die Tandemstange für die Kleinsten

So wird die Tandemstange zwischen Kinderrad und Elternrad montiert © Followme

So wird die Tandemstange zwischen Kinderrad und Elternrad montiert

© Followme

Für enorme Erleichterung auf dem Sonntagsausflug oder einer kleinen Familienradtour sorgt eine Tandemstange. Sie kann einfach an die Sattelstütze des Elternrades und an fast jedes kleine Kinderrad gekoppelt werden. Das Vorderrad wird angehoben und schon können die müden Kinderfüße sich etwas erholen. Mama oder Papa übernehmen dann den Vorschub. Das Kinderrad kann jederzeit wieder abgekoppelt werden und das Kind mit den Eltern mitradeln. Das ist der größte Vorteil dieses Systems, das einige Hersteller schon ab ca. 50 € anbieten. Doch Vorsicht: Tandemstange ist nicht gleich Tandemstange. Über die Funktionalität und Sicherheit sollte man sich schon selbst überzeugen und am besten auch Probe Fahren. Achten sollte man auf die Steifigkeit und die Möglichkeit der Lenkerfixierung. Bei Geradeausfahren, muss das Kinderrad senkrecht stehen und bei Ausweichmanövern folgen, ohne hin und her zu wackeln. Leider ist das oft nicht der Fall und Gleichgewicht halten fällt den Kleinen schwer. Auf längeren Touren zeigen diese Systeme ihre großen Schwächen, denn sie sind nicht sehr bequem und der Gepäckträger kann wegen der Stange, die an der Sattelstütze befestigt wird, nicht genutzt werden. Ein Kindersitz, für ein zweites Kind kann hinten ebenfalls nicht angebracht werden.

Besser dran ist man mit dem Schweizer Trailersystem „Follow me“. Die Funktion ist ähnlich wie bei der Tandemstange. Das Kinderrad wird an das Rad der Eltern angehängt. Angekoppelt wird es aber nicht an der Sattelstütze, sondern an der Hinterradachse des Zugfahrrades. Somit ist es viel steifer und stabiler. Die Fahreigenschaften bei Kurvenfahrten sind hervorragend, da die Hebelwirkung geringer ist. Der Gepäckträger bleibt für den Einkauf oder für den Kindersitz frei.

 

Trailer Bike für Touren

So macht Fahrradfahren Kindern Spaß!

So macht Fahrradfahren Kindern Spaß!

Das Trailer Bike ist kein eigenständiges Kinderbike. Es ist eine Mischung aus einem Fahrrad und einem Anhänger: Das Vorderrad und die Lenkung fehlen. Es wird über eine Stange an der Sattelstütze oder noch besser: Bei manchen Modellen an einem speziell dafür vorgesehenem Gepäckträger montiert. In diesem Fall bleibt die Nutzung für eine Ladung oder Kindersitz erhalten und die für die Fahreigenschaften nachteilige Hebelwirkung wird geringer. Es ist mit einer Bremse und bei einigen Modellen mit einer Gangschaltung ausgestattet, so dass richtige aktive Touren möglich werden. Die Sicherheit ist höher als bei Tandemstangen, denn das Trailer Bike ist fester mit dem Zugfahrrad verbunden und geht bei plötzlichen Manövern besser mit. Doch auch hier gibt es Qualitätsunterschiede. Schwachpunkte bildet oft die Ankopplung an das Zugfahrrad.

 

Trets und Trets Trike

Auf dem Tret Bike kann das Kind eifrig mittreten © Hase Bikes

Auf dem Tret Bike kann das Kind eifrig mittreten

© Hase Bikes

Noch mehr Sicherheit und viel Komfort, denn auf zwei Rädern nebeneinander und somit sehr kippsicher, bietet der Anhänger zum Mittreten Trets von Hase Spezialräder. Verbunden mit der bei guten Anhängern üblichen Weberkupplung, folgt es bedingungslos bei fast jeder Geschwindigkeit in den engsten Kurven dem Zugfahrrad. Die siebenfach Schaltung mit Freilauf, der in der Neigung verstellbare Sitz, Sicherheitsgurt, Regenverdeck und ein eigener Gepäckträger machen das Trets zu einem ausdauernden Langstrecken Tourer. Die Füße können an den Pedalen fixiert werden, so dass auch bei einem Nickerchen während der Fahrt nichts passieren kann. Zudem wird es besser gesehen als ein einspuriges Fahrzeug. Und wenn mal kein Kind mitfährt, lässt es sich im nu zum Lastenanhänger wandeln. Der Bruder des Trets: das Trets Trike ist ein vollständiges Liegedreirad. Dessen niedriger Schwerpunkt, wendige Lenkung und zwei Scheibenbremsen ermöglichen eine hervoragende Straßenlage und hohe Sicherheit. Und wenn das Kind erschöpft ist, wird das Vorderrad schnell ausgebaut und das Trike mittels einer optionalen Deichsel an das Zugfahrrad angehängt.

Für Kinder: von 1,1-1,5 m Größe

 

Das Tandem Pino

Im Liegen Fahrrad fahren © Hase Bikes

Im Liegen Fahrrad fahren

© Hase Bikes

Ebenso von Hase Spezialräder ist das einzigartige Stufentandem Pino: Hinten ein normales Fahrrad, vorne ein Liegerad auf dem schon die Kleinsten, dank einer verschiebbaren Kindertretkurbel mitradeln oder auch pausieren können. Auf dem komfortablen Sitz kann auch geschlummert werden, während Mama oder Papa in die Pedale treten. Durch die räumliche Nähe ist sogar Unterhaltung während der Fahrt möglich und der Nachwuchs bleibt immer im Blick.

Auf dem Gepäckträger ist Platz für einen Kindersitz, für Gepäck oder den Einkauf. Mit einem zusätzlichen Lowrider können bis zu sechs Fahrradtaschen angehängt werden. Soll das Pino in den Zug oder ins Auto, dann ist das auch kein Problem. Es ist kürzer als ein normales Tandem und der Rahmen lässt sich sogar in der Mitte trennen. Also, anschnallen und schon geht es auf eine große Reise oder auch nur zum Kindergarten.

Für Kinder: ab 1 m Größe

 

 

Über den Autor:
Waldemar Piontek ist ein Fachmann auf dem Gebiet Fahrrad. Als technischer Redakteur bei www.technik-transparent.de schreibt er Gebrauchsanleitungen und dringt somit in die kleinsten Details eines Bikes vor. So bleiben keine Schwachpunkte oder Vorzüge unentdeckt. Seinen Beruf verknüpft er mit der Passion: den Radreisen. Mit seiner Familie und zwei kleinen Kindern radelte er unter anderem ein Jahr lang durch Südostasien und Neuseeland. Seine Website: www.39grad.de

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