Mit Kindern reisenLangeweile im Urlaub muss nicht sein! Wie Kinder auf Reisen Freunde finden

Während Mama und Papa froh sind, dass sie im Urlaub endlich mal Zeit für sich haben, sind die Kinder mitunter schon vor der Abreise traurig – weil sie ihre besten Freunde zu Hause lassen und im Urlaub ohne Spielkameraden dastehen. Wir haben Tipps, wie ihr ihnen helfen könnt.

von KidsAway-Redaktion

Freunde im Urlaub finden ist gar nicht schwer © yanlev - Fotolia.com

Freunde im Urlaub finden ist gar nicht schwer

© yanlev - Fotolia.com

Bis zum Alter von etwa drei Jahren sind Eltern die wichtigsten sozialen Partner ihrer Kinder. Danach gewinnen Gleichaltrige eine wachsende Bedeutung für die soziale Entwicklung. Freunde sind für Kinder – je nach Alter und persönlicher Entwicklung – enorm wichtig: Sie teilen mit ihnen Freude und Leid, kleine Geheimnisse und viel albernes Gekicher. Mit Freunden kann man Spiele spielen, für die sich Eltern schwer begeistern lassen: stundenlang „Mutter, Vater, Kind“ oder wildes Ritterturnier mit Stöcken.

Viele Kinder würden ihren festen „besten Freund“ oder ihre Spiel-Gang daher am liebsten täglich sehen.  Im Urlaub müssen sie mehrere Wochen lang auf diese vertraute Gruppe von Gleichaltrigen verzichten – das schmerzt vor allem Heranwachsende, für die ihre „Peer group“ zunehmend wichtiger wird. Eltern sollten daher nicht beleidigt oder traurig sein, wenn ihre Kinder dem gemeinsamen Familienurlaub vor allem nörgelnd entgegensehen oder gar Heimweh nach ihren Freunden haben.

So schön die Zeit „in Familie“ ist – den Wunsch und das Bedürfnis nach gleichaltrigen Spielkameraden solltet ihr euren Kindern auch im Urlaub zugestehen. Dafür bieten sich verschiedene Strategien an, je nachdem, welche Bedürfnisse euer Kind hat.

 

Das Eis brechen

Tun sich eure Kinder schwer, von sich aus auf fremde Kinder zuzugehen? Dann helft ihnen: Setzt euch gemeinsam zu den anderen Kindern, fragt gemeinsam nach einem begehrten Spielzeug oder ladet den auserwählten Spielpartner (und eventuell auch seine Eltern) zu einer Kugel Eis ein.

Was eher „abschreckend“ auf andere Kinder wirkt, sind – sorry – Eltern, die mit einem Kind spielen. Kein fremdes Kind mischt sich da ungefragt ein. So gut gemeint euer Mitspielen also ist: Anschluss an andere Kinder findet euer Kleines so nicht. Tauchen potenzielle Spielkameraden auf, haltet euch besser ein wenig zurück und wartet ab, ob die Kinder selbst aufeinander zugehen.

Ausnahme: Kleckerburgen und Ballspiele. Es gibt keinen größeren Magneten als einen hin- und hergekickten Ball.

 

Freunde vor Ort suchen – wie das geht

Viele Spiele kennt man in allen Kulturen © diego cervo - Fotolia.com

Viele Spiele kennt man in allen Kulturen

© diego cervo - Fotolia.com

Offene, aufgeschlossene Kinder ab dem Vorschulalter suchen generell nach Spielpartnern im ungefähr gleichen Alter und finden schnell Anschluss. Bietet ihnen diese Möglichkeit, indem ihr euer Urlaubsziel entsprechend auswählt – Ferien auf dem Campingplatz sind hierfür genauso ideal wie im Familienhotel. Plant eure gemeinsamen Familienaktivitäten so, dass die Kinder danach noch genug Zeit für freies Spielen mit ihren neuen „Freunden“ haben.

Wahrscheinlich werdet ihr öfters allein auf der Terrasse sitzen – seid nicht enttäuscht darüber, sondern freut euch, dass euer Nachwuchs eine schöne Zeit hat und macht euch auch eine.

Eher ungeeignet für offene Kinder mit viel Spielbedarf sind Ferien auf einsamen Berghütten oder Wohnmobil-Reisen, bei denen ihr jeden Tag an einem anderen Platz verbringt – so finden Kinder keinen Anschluss und werden schnell frustriert, wenn sie ihre neuen „Freunde“ schon nach einem Tag zurücklassen müssen.

 

Anschluss für schüchterne Kinder: Animation!

Kinderbetreuung mit Spielkameraden-Garantie © Anatoliy Samara - Fotolia.com

Kinderbetreuung mit Spielkameraden-Garantie

© Anatoliy Samara - Fotolia.com

Ideal für eher zurückhaltende Kinder, die sich Anschluss wünschen, ist ein Animationsprogramm. Die pädagogisch geschulten Betreuer sind darauf spezialisiert, eine Gruppe von Unbekannten „aufzuwärmen“ und erste Kontakte einzuleiten – mit lustigen Kennenlernspielen, bei denen jeder drankommt, und einer breiten Palette von Angeboten, bei denen für jeden Spieltyp etwas dabei ist.

Achtung: Macht ihr Urlaub in der Nebensaison, solltet ihr euch vorher erkundigen, ob überhaupt andere Kinder (im passenden Alter!) im Hotel sein werden – sitzt das Kind allein im Bällebad, ist das Animationsprogramm nämlich für die Katz.

Auch wenn ihr unsicher seid, ob „das was für euer Kind ist“: Ihr solltet nicht zu lange beim Kinderprogramm dabeibleiben; die Kinder spüren eure Unsicherheit und trauen sich dann nicht, offen auf die anderen Kinder zuzugehen. Ist euer Kind noch ängstlich oder vorsichtig, geht lieber mehrmals kurz in den Betreuungsbereich und dann gemeinsam wieder hinaus. Irgendwann wird das Eis gebrochen sein.

Seid ihr ohne Animation unterwegs, könnt ihr schüchternen Kindern vor allem helfen, indem ihr sie nicht drängt: „Nun geh schon zu den anderen Kindern!“ setzt sie zu sehr unter Druck. Kommen andere Kinder auf euch zu, dann helft bei der ersten Kontaktaufnahme: „Hallo! Das hier ist Leon, und wie heißt du?“ Danach heißt es abwarten, zurückhalten und vertrauen.

Große Kindergruppen überfordern viele Kinder; die tobende Meute auf der Kletterspinne ist vielleicht nicht die richtige Umgebung für den ersten Kontakt. Ladet lieber einzelne Kinder (vielleicht auch mit ihren Eltern) zum Spielen auf eure Terrasse oder auf die Decke vor eurer Strandmuschel ein; dann hat euer Kind einen Heimvorteil und weiß euch sicher im Hintergrund.

 

Wenn man kein Wort versteht – die Sprachbarriere überwinden

Für gemeinsame Projekte braucht man keine Worte © photophonie - Fotolia.com

Für gemeinsame Projekte braucht man keine Worte

© photophonie - Fotolia.com

Bis zum Alter von ungefähr sechs Jahren eignen sich Kinder Fremdsprachen rein intuitiv und über Imitation an – die natürliche Motivation zum Erlernen anderer Sprachen ist sehr hoch. Schon nach wenigen Wochen verstehen junge Kinder die Grundzüge einer fremden Sprache; bis sie sich selbst darin ausdrücken können, vergeht etwas mehr Zeit. Auch, wenn euer Kind mit dem kleinen Franzosen von nebenan ausschließlich deutsch spricht, heißt das also nicht, dass die beiden sich nicht verstehen!

Sprecht ihr selbst die Fremdsprache, könnt ihr geduldig übersetzen, und auch wenn nicht, ist das kein Problem: einfach lächeln und Spiele vorschlagen, für die es nicht viele Worte braucht. Fußball spielen, Sandkuchen backen oder auch Mensch-ärgere-dich-nicht funktioniert prima ohne Worte. Auch Bilderbücher kann man hervorragend gemeinsam anschauen.

Ältere Kinder tun sich oft schwerer mit der Verständigung, weil ihr Spiel schon stark auf sprachlichem Austausch beruht. Hier hilft nur, so lange zur Verfügung zu stehen, wie ihr als sichere Basis gebraucht werdet. Bei gemeinsamen Aktivitäten, die allen Spaß machen, muss man nicht viel reden: Schlagt Mannschaftsspiele wie Volleyball oder ein Fußballmatch vor oder schickt die Kinder gemeinsam aufs Trampolin oder in den Pool, dann legt sich die Scheu von ganz allein.

 

Den Freund einfach mitnehmen

Teenager schließen im Urlaub schnell Freundschaften © shootingankauf - Fotolia.com

Teenager schließen im Urlaub schnell Freundschaften

© shootingankauf - Fotolia.com

Habt ihr ältere Kinder, die ihren besten Freund oder ihre beste Freundin während einer Reise sehr vermissen würden? Dann könnt ihr vielleicht beiden einen Gefallen tun und diesen Herzenspartner in euren Urlaub mitnehmen. Darüber freuen sich bestimmt auch die anderen Eltern – und vielleicht könnt ihr sogar Kinder tauschen und so beiden Kindern schöne, lange Ferien sichern.

Gerade Kinder ohne Geschwister oder mit sehr viel jüngeren (oder älteren) Geschwistern profitieren enorm von so einer familienexternen Begleitperson – und ihr Eltern tut das auch, denn ein zufriedenes Kind (oder dann halt zwei) ist die Voraussetzung für einen gelungenen Urlaub.

Der plötzliche Familienzuwachs ist euch zu anstrengend? Dann denkt doch mal über einen Urlaub mit Freunden nach – wenn die gleichaltrige Kinder dabei haben, ist das perfekt.

 

Trennungen aushalten

Ist es nicht möglich, die beste Freundin in den Urlaub mitzunehmen, oder wollt ihr das nicht, dann respektiert trotzdem die Sehnsucht eures Kindes. Heimweh nach den Freunden kann für Kinder genauso stark sein wie nach Oma und Opa – und genauso solltet ihr das auch behandeln. Für den daheim gebliebenen Kumpel ein Souvenir kaufen, der Herzensfreundin eine selbst gemalte Ansichtskarte schicken oder ein Foto per E-Mail an die Eltern senden – es gibt viele Möglichkeiten, wie ihr eurem Kind helfen könnt, den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Auf längeren Reisen kann es gerade für jüngere Kinder schwierig werden, die Freundschaften zu Hause zu pflegen. Während Schulkinder schon Briefe und Mails schreiben können, brauchen kleinere Kinder den direkten Austausch und das gemeinsame Spiel. Auch wenn der Kontakt zu den Freunden daheim eine Weile ruht, muss man aber nicht allzu besorgt sein: Kinderfreundschaften brauchen keine Aufwärmphasen; oft spielen Kinder auch nach längerer Trennung sofort wieder miteinander, als wären nur ein paar Stunden vergangen.

 

Was tun nach dem Urlaub?

Irgendwann heißt es Abschied nehmen ... © aotearoa - Fotolia.com

Irgendwann heißt es Abschied nehmen ...

© aotearoa - Fotolia.com

Auch der längste Urlaub geht einmal zu Ende und es heißt Abschied nehmen von den neuen Freunden. Selbst wenn sie sich erst eine Woche kannten, ist diese Trennung für viele Kinder hart und nicht selten gibt es Tränen und Kummer bei der Abfahrt. Kein Wunder – die Urlaubsfreunde stehen als direktes Symbol für die schöne Zeit, die man am Urlaubsort verbracht hat.

Das bedeutet aber auch: Die Sehnsucht nach dem Urlaubsfreund verblasst meist genauso schnell wie die Erinnerungen an den Urlaub. Die Alltagsfreunde und -pflichten rücken wieder in den Vordergrund und besonders für Vorschulkinder bedeutet das meist „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Ob eine Urlaubsfreundschaft das Potenzial zur „echten“ Freundschaft hat, merkt ihr in den ersten Wochen nach eurer Rückkehr: Taucht der Freund oder die Freundin immer wieder im Gespräch auf? Fragt das Kind nach, ob schon eine Ansichtskarte von ihm oder ihr angekommen ist und möchte es unbedingt selbst eine schreiben?

Auch Urlaubsfreundschaften beruhen auf Gegenseitigkeit; kommt auch auf die dritte Postkarte oder SMS keine Reaktion, solltet ihr das akzeptieren. Meist spielen dabei praktische Hindernisse die größte Rolle: Wenn die Familie des Freundes vom Campingplatz am anderen Ende des Landes wohnt, bedeuten gegenseitige Besuche einen größeren organisatorischen Aufwand – und werden von den Eltern vielleicht auch gar nicht gewünscht. So tauscht man allenfalls noch ein paar E-Mails und Urlaubsfotos aus und lässt den Kontakt dann einschlafen.

Bevor ihr wisst, wie sich die Freundschaft entwickeln wird, solltet ihr euer Kind dabei unterstützen, den Kontakt nach der Reise zu halten. Dafür müsst ihr als erstes die Adressen und Telefonnummern mit den anderen Eltern austauschen, bevor ihr abreist. Hastig vollgekritzelte Servietten sind schnell verschwunden; im elektronischen Zeitalter sollte es kein Problem sein, den Kontakt einfach schnell ins Handy einzuspeichern.

Jüngere Kinder brauchen eure Hilfe, wenn sie ihre Urlaubsfreundschaft pflegen wollen. Viele malen gern Bilder oder schreiben Briefe an Urlaubsfreunde; wenn das Schreiben im Grundschulalter noch zu mühsam läuft, ist Skype eine super Möglichkeit für Kinder, sich „ungehemmt“ auszutauschen. Freundschaftsbänder oder selbst gebastelte Kettchen kann man im Briefumschlag verschicken; sie erinnern dann an die gemeinsame Zeit, auch wenn man sich lange nicht sehen kann.

Auch wenn der Alltag euch voll in Beschlag nimmt, solltet ihr den Urlaubsfreunden hin und wieder ein Lebenszeichen geben; besonders zu Anlässen wie dem Geburtstag (Datum erfragen!), Ostern oder Weihnachten ist eine Karte oder wenigstens eine SMS angebracht. Wird der Kontakt auf diese Weise am Leben erhalten – wenn auch auf Sparflamme –, steht einer Wiederaufnahme nichts im Weg. Vielleicht schon im nächsten Urlaub?

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (2)

  • Cornelia

    Wir sind die letzten Jahre immer mit Freunden in den Urlaub gefahren, die selbst Kinder haben. Das war natürlich optimal. Dieses Jahr verreisen wir alleine, sodass ich mir auch schon ein paar Gedanken gemacht habe, ob unsere Kleine dann auch direkt Anschluss findet. Da kommen die Tipps in diesem Artikel wie gerufen! Vielen Dank!

    Antworten | 17. Juli 2013
  • Schöner Artikel. Immer wieder eine neue Herausforderung die Kinder im Urlaub zu unterhalten. :)

    Antworten | 17. Juni 2013

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