ZeckenTipps zum Schutz vor den fiesen Blutsaugern

Sie lauern monatelang im Gras, bis ein Wirt vorbeikommt. Dann saugen sie sich binnen Stunden mit einem Vielfachen ihres Körpergewichts an Blut voll – und übertragen leider auch tückische Krankheiten. KidsAway räumt mit Ammenmärchen auf und zeigt, wie Ihr Euch schützen könnt.

von KidsAway-Redaktion

Zeckenalarm!

Zeckenalarm!

© m.prinke/FlickR

Zecken sind mit bloßem Auge kaum sichtbar. Als Parasiten benutzen sie Tiere oder Menschen als Wirte und ernähren sich von ihrem Blut. Das brauchen sie außerdem, um ihre Eier produzieren zu können. Während Männchen daher nach wenigen Stunden „satt“ sind und abfallen, können Weibchen monatelang an ihrem Wirt hängenbleiben – brr! Eine vollgesaugte Zecke schwillt bis auf Erbsengröße an.

Die meisten Zeckenarten warten in Büschen oder auf Gräsern auf ihren Wirt. Bevor sich eine Zecke zum Essen niederlässt, sucht sie oft mehrere Stunden nach einem geeigneten Platz auf ihrem Wirt. Ist die Zecke fertig mit ihrer Mahlzeit, lässt sie sich fallen und geht ihrer Wege.

Obwohl sie auf kurzen Strecken recht schnell laufen kann, reist die Zecke lieber auf ihren Wirten: Füchse, Mäuse, Eichhörnchen und Igel haben sie schon bis in die Städte getragen, so dass man auch hier inzwischen gebissen werden kann.

 

Wo sind die Zecken?

Kleine Zecke

Kleine Zecke

© Wikipedia

Zecken gibt es auf der ganzen Welt. In Europa ist vor allem der Gemeine Holzbock anzutreffen. In Deutschland lebt er vor allem in Süddeutschland, hat sich aber – eventuell durch die Klimaerwärmung – bis nach Norddeutschland ausgebreitet. Als ausgemachte „Zeckengebiete“ gelten Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und der Bodenseekreis. In südlicheren Ländern um das Mittelmeer sticht vor allem die auffallend bunte Schafzecke zu.

Die Zecke mag es feucht und warm. Besonders oft sitzt sie an Bächen und an Waldrändern, in Gebüschen und im dichten Unterholz, aber genauso in Gärten und Parkanlagen! Dort lauert sie aber nicht, wie der Volksmund glauben machen will, auf Bäumen und lässt sich wie ein Ninja-Kämpfer auf ihr Opfer fallen. Viel häufiger wartet sie auf Grashalmen oder anderen bodenständigen Pflanzen, bis ein Wirt sie „abstreift“.

Normalerweise ist es der Zecke bei Temperaturen unter 7 °C zu kalt, aber die Winter in Europa waren in den letzten Jahren eben mitunter nicht allzu kalt…

 

Der Zeckenbiss

Der Zeckenbiss ist eigentlich ein Stich. Dabei gräbt die Zecke mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen eine Grube in die Haut des Wirtes, verankert dann ihren Stachel in der Wunde und injiziert einen Gerinnungshemmer, der das Blut des Wirtes dünnflüssig macht. Ein Klebstoff hält den Stachel fest in der Wunde und ein Betäubungsmittel sorgt dafür, dass der Wirt nichts von der Attacke bemerkt.

Die Lieblings-Bissstellen der Zecke sind warme und versteckte Körperregionen mit gut durchbluteter Haut, wo sie in Ruhe essen kann: die Kniekehlen, der Nacken, der Haaransatz, die Achseln, der Bauchnabel und der Genitalbereich. Während die Zecke dort in Ruhe speist, spuckt sie immer wieder Reste ihrer Mahlzeit in den Wirt zurück, um nicht zu platzen.

Genau das ist das Problem, denn dabei kann sie Krankheitserreger von früheren Wirten auf ihren neuen Wirt übertragen. Dazu gehört die allseits bekannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), aber auch Borrelien und andere Krankheitserreger. Mit einem Zeckenbiss solltet Ihr daher nicht leichtfertig umgehen!

 

Kinder sind gefährdeter als Erwachsene

Zecke

Zecke

© silvmedia/FlickR

Hundertprozentig ungefährdet ist niemand. Auch wer Wälder meidet und keinen Garten hat, kann beim Spazierengehen mit dem Bein einen Grashalm streifen, auf dem Spielplatz neben einem Busch sitzen oder im Café zu nah an einem Hund vorbeigehen. Klar ist aber auch: Wer sich viel im Wald aufhält oder generell draußen aktiv ist, wird wahrscheinlich eher von einer Zecke gebissen als ein Stubenhocker. Kinder sind also prinzipiell eher gefährdet.

Wir können aber gleich beruhigen: Weil Zecken sich meist nicht sofort festbeißen, sondern erst einmal nach der perfekten Bissstelle suchen, werden sie oft unbemerkt gleich wieder abgestreift.

 

Erfahrungsbericht

Zeckenbiss-Vorbeugung

Zur Vorbeugung eines Zeckenbisses kann man viel tun:

  • Aufenthalte in hohem Gras und im Unterholz vermeiden
  • draußen immer wieder den Körper und vor allem die Beine auf Zecken absuchen
  • nie direkt im hohen Gras sitzen; kurz gemähter Rasen ist recht sicher, da die Zecken hier schnell von Vögeln entdeckt werden
  • Kleidung und Unterwäsche nach jedem Rausgehen ausschütteln, auch wenn man sie zum Beispiel ins Gras gelegt hatte
  • helle Kleidung tragen, auf der die schwarzen Zecken schneller entdeckt werden
  • geschlossene Schuhe, Strümpfe, lange Hosen und möglichst langärmelige Oberteile tragen
  • beim Laufen durch hohes Gras die Hosenbeine in die Strümpfe stecken
  • abends nackig machen und beim Waschen den Körper auf Zecken absuchen (das geht am besten gegenseitig!)

 

Natürlich bietet der Handel auch zahlreiche „superwirksame“ Zeckenschutz-Präparate an, idealerweise in Kombination mit Mückenschutz. Leider schützen diese Repellents in der Regel nur kurz vor Zecken. Wer auf Nummer sicher gehen will, trägt nicht nur Repellents auf die Haut auf, sondern imprägniert auch die Kleidung mit Insektenschutzmittel.

 

Wenn es passiert ist – Zecken richtig entfernen

Gefangen in der Zeckenschlinge

Gefangen in der Zeckenschlinge

© Wikipedia

Egal, wie sehr man aufgepasst hat, irgendwann passiert es jedem: Eine Zecke hat sich eingenistet. Jetzt ist Tempo angesagt: Je eher die Zecke entfernt wird, desto kleiner ist die Gefahr, dass sie bereits Krankheitserreger in die Wunde übertragen hat.

Die oft empfohlenen Hausmittel wie Öl, Backpulver oder Leim solltet Ihr stehenlassen – sie führen nur dazu, dass die sterbende Zecke noch mehr ihres gefährlichen Darminhalts in die Bissstelle erbricht. Die einzige sichere Art der Entfernung ist schlichtes Herausziehen.

Das geht am besten mit einer Zeckenzange, einem Zeckenhaken oder einer Zeckenkarte – alles für wenig Geld in jeder Apotheke erhältlich. Eine ganz normale Pinzette reicht auch, und wenn nichts davon zur Hand ist, könnt Ihr mit einem Kreuzknoten in einem Zwirnsfaden eine Schlinge um die Zecke legen. Egal, was Ihr verwendet: Packt die Zecke möglichst nahe an der Haut und zieht sie unter leichtem Rütteln heraus.

Da sich die Zecke mit einem Spezialklebstoff in der Bissstelle verankert hat und ihre Beißwerkzeuge Widerhaken haben, reißt dabei trotzdem oft ein Teil der Zecke ab. Achtet also darauf, dass Ihr möglichst das ganze Tier entfernt. Sind größere Teile des Kopfes in der Wunde geblieben, sucht einen Arzt auf! Der kann übrigens auch die ganze Zecke entfernen, wenn Ihr unsicher seid oder es nicht klappt. Aber nicht vergessen: Es muss möglichst schnell gehen!

Pflicht nach jedem Zeckenbiss ist ein Foto und eine Notiz, wann Ihr oder Euer Kind gebissen wurde. Falls die Zecke nämlich tatsächlich eine Krankheit übertragen hat, kennt Ihr den Infektionszeitpunkt. Wenn sich um einen Zeckenbiss ein rötlicher Ring (die sogenannte Wanderröte) bildet oder Symptome  einer Grippe auftreten, solltet Ihr auf jeden Fall zum Arzt gehen!

Der Arzt kann auch die Zecke auf Krankheitserreger untersuchen, wenn ihr sie aufgehoben habt. Dieser Test kostet zwischen 10 und 100 Euro, muss aber kein Beweis sein, dass die Zecke die Krankheitserreger auch übertragen hat!

 

Impfung gegen Zeckenbisse?

Karte der FSME-Gebiete in Deutschland

Karte der FSME-Gebiete in Deutschland

© Robert-Koch-Institut

Die Gefahr einer FSME-Infektion durch Zecken ist gering: Generell trägt jede 20.000ste Zecke das Virus in sich, in den Epidemiegebieten (Süddeutschland, Österreich und  die Schweiz, aber auch Tschechien, Teile Ungarns, Südostschweden und das gesamte Baltikum) sollen es dagegen 0,1 Prozent bis fünf Prozent der Zecken sein. Parallel zur Ausbreitung der Zecken nach Norden wird auch die Zahl der FSME-Virusträger steigen.

Die Gefahr einer FSME-Infektion kennen alle Eltern: eine Hirnhautentzündung mit schweren dauerhaften Schäden. Viele Ärzte raten daher zu einer vorbeugenden Impfung. Die Impfung besteht aus zwei Sitzungen im Abstand von ein bis drei Monaten. Nach einem Booster fünf bis zwölf Monate später hält der Impfschutz ca. drei Jahre. Die Schnellimmunisierung binnen zwei Monaten schützt ebenfalls, hat jedoch keine Langzeitwirkung. Die Impfung wird von nahezu jeder Krankenkasse bezahlt.

Während viele Mediziner allen Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren eine FSME-Impfung empfehlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort im Urlaub aufhalten, sind andere zurückhaltender: Die Gefahr einer tatsächlichen FSME-Übertragung ist auch in den Risikogebieten geringer, als man glaubt. Nur ein kleiner Teil der Zecken trägt das Virus und selbst wenn man von einer infizierten Zecke gebissen wurde, wird das FSME-Virus nur in 30 Prozent der Fälle übertragen. 60 bis 90 Prozent der Infizierten entwickeln außerdem kaum Krankheitssymptome, weil ihr Immunsystem das Virus abtötet. Selbst schwere Krankheitsverläufe heilen meist vollständig aus. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Gefahr einer Erkrankung noch geringer, selbst im Krankheitsfall gibt es hier sehr selten Komplikationen.

Im Jahr 2007 wurden in Deutschland nur 238 Fälle von FSME gemeldet (wobei sicherlich einige leichte Krankheitsverläufe nicht erkannt wurden). Nicht zu vergessen ist schließlich, dass auch die Impfung gegen FSME Nebenwirkungen haben kann, die bei Kindern verstärkt auftreten können. Abwägen ist also wie immer die Pflicht der Eltern.

 

Borreliose – die größere Gefahr

Wanderröte um einen Zeckenbiss

Wanderröte um einen Zeckenbiss

© monkeypuzzle/FlickR

Eine Infektion mit Lyme-Borrelien ist wesentlich häufiger und wahrscheinlicher, weil wesentlich mehr Zecken mit diesen Bakterien infiziert sind. Eine Borreliose kann man auch abseits der FSME-Risikogebiete bekommen – und es gibt keine Impfung, die davor Schutz bietet. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung liegt in Deutschland bei 1 zu 300 und damit 500- bis 1.000-mal höher als für eine FSME-Infektion. In den Neuen Bundesländern, wo eine gesetzliche Meldepflicht für Borreliose besteht, werden dem Robert-Koch-Institut jedes Jahr über 5.000 Erkrankungen gemeldet.

Dazu kommt, dass eine Borreliose oft schwer verläuft und langwierige Spätfolgen hat. Wenn binnen vier bis sechs Wochen nach einem Zeckenbiss Fieber auftritt oder sich die Haut um den Biss ringförmig rötet, deutet das stark auf eine Borreliose hin. Die sogenannte Wanderröte ist ein roter Fleck oder Ring von der Größe eines 2-Euro-Stücks, der kaum juckt und zur Körpermitte wandert. Oft spürt man aber wochenlang kaum Symptome bis auf leichtes Fieber, allgemeines Unwohlsein und Kopfschmerzen, was meist auf eine Grippe geschoben wird.

Es ist sehr wichtig, beim geringsten Verdacht auf eine Borreliose zum Arzt zu gehen! Die Erkennung und die Behandlung dieser Krankheit sind schwierig und langwierig. Notiert Euch jeden Zeckenbiss, um die Möglichkeit einer Borreliose-Infektion nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Homöopathie

Statt einer Impfung gegen FSME schwören viele Eltern auf die Zeckenbissfieber-Nosode. Einmal pro Saison in der Potenz C 200 genommen (als Doppelgabe – je 3 Globuli im Abstand von ca. 15 Minuten), soll sie die Tendenz senken, von Zecken gebissen zu werden und sich dabei mit FSME zu infizieren. Achtung, dies ist kein hundertprozentiger Schutz! Die Nosode soll den Körper vielmehr auf diese Erkrankung vorbereiten, so dass er besser selbst damit fertig werden kann.

Globuli kann man auch nach einem Zeckenbiss geben: etwa wenn Teile der Zecke nach dem Entfernen noch in der Wunde stecken (dann hilft Silicea C 200) oder generell nach dem Biss (dann lindert Ledum C 200 den Juckreiz). Nach dem ersten Zeckenbiss einer Saison könnt Ihr außerdem die Borrelien-Nosode (ebenfalls in C 200) geben, um den Körper auf eine Borrelien-Infektion vorzubereiten.

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (5)

  • Albert

    Ich habe gerade gelesen, dass Koksöl wohl auch sehr gut vorbeugend wirken soll und die Zecken dann nicht zu beißen. Dies wäre natürlich besser als irgendwelche Chemikalien und das Koksöl kann auch schon bei Kindern angewendet werden.
    Zum nachlesen: http://www.wir-lieben-hun.de/hundehaltung/pflege/kokosoel-gegen-zecken/

    Antworten | 28. Juli 2015
  • Danke für den informativen Artikel. Das mit der Zeckenschlinge aus Garn klingt kompliziert, gibt es dazu eine Anleitung?
    lg Anja

    Antworten | 8. Januar 2014
    • Ich hab das selbst noch nicht probiert, aber im Prinzip legt man einfach eine Schlinge um die Zecke und zieht sie vorsichtig zu. Dabei wird die Zecke angeblich weder zerquetscht noch abgerissen und kann sich durch das “Abwürgen” auch nicht in die Bissstelle erbrechen.

      Antworten | 8. Januar 2014
  • Soweit ich weiß, können die Nosoden wie alle anderen homöopathischen Mittel vom ersten Lebenstag an gegeben werden. Wir geben sie jedenfalls, seit unsere Kinder 1 Jahr alt sind, und hatten seitdem keine Zecke. Aber ob das nun der Zufall war oder die Globuli …? Beweisen kann man das ja nicht.

    Antworten | 23. Mai 2012
  • Verena

    Kann ich die Zeckenbiss-Nosode denn auch problemlos bei Kleinkindern anwenden? Ich finde den Artikel grundsätzlich gut, aber auch die Homöopathische Variante des Schutzes wird eindeutig zu wenig eingegangen.

    Antworten | 23. Mai 2012

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