GastbeitragVier Wochen Familienurlaub mit einem Rucksack (Packtipps)

„Was, das ist alles?“, wurde immer wieder verblüfft gefragt, wenn wir auf unserer Reise durch Vietnam und Kambodscha das Gepäck ein- und ausluden. Ein 20-Kilo-Rucksack, von Papa getragen, genügt für unsere Familie vollkommen. Clever packen heißt die Devise!

von Gastautor

Drei Weltwunderer, leicht bepackt in Hanoi

Drei Weltwunderer, leicht bepackt in Hanoi

© Weltwunderer

Wer mit dem Flugzeug reist und im Urlaubsland kein Mietauto nehmen will (oder kann – in Vietnam ist das nämlich schlicht nicht möglich), der muss sein Gepäck auf dem Rücken tragen. Bei unserer familienweit recht geringen Tragekapazität hieß das: Papa (fast 2 Meter groß) würde die Hauptlast schultern müssen, wir anderen (maximal 1,60 Meter groß) konnten nur ergänzend beitragen.

Lektion 1: Hochwertiges Material

Unser Hauptgepäckstück ist ein 80-Liter-Trekkingrucksack der Firma Bach, der inzwischen über zehn Jahre auf dem Buckel hat. Ja, er war damals recht teuer, aber die Investition haben wir noch nie bereut. Wichtig ist nicht nur die Haltbarkeit, sondern auch der Tragekomfort bei voller Last (die eine oder andere Strecke muss man auch als Nicht-Trekkingwanderer mit dem vollen Rucksack auch mal laufen). Hier überzeugen ausgereifte Tragesysteme namhafter Hersteller einfach.

Lektion 2: Weniger ist mehr

Die goldene Pack-Regel: alles, was man einpacken will, hinlegen und dann die Stapel halbieren. Hilfreich war hier natürlich unser Reiseziel: In Südostasien ist es grundsätzlich immer warm. Wir haben uns daher auf Badesachen mit UV-Schutz (die sind ja sowieso leicht), vier Sets Unterwäsche, fünf T-Shirts und zwei kurze Hosen pro Person beschränkt und dafür dann fast jeden Abend im Hotel eine kleine Handwäsche gemacht. Am nächsten Morgen war alles wieder trocken; theoretisch hätten wir also noch weniger Kleidung gebraucht. Wichtig: auf schnell trocknende Stoffe achten!

TippRespektvoll kleiden

In Tempeln und ähnlich bedeutsamen Stätten sollte man (nicht nur in Südostasien) respektvoll gekleidet sein, eine längere Hose oder ein langer Rock sind also Pflicht im Gepäck, im Notfall geht aber auch ein dünner, schnell umgelegter Sarong.

Lektion 3: Mut zur Lücke!

Vorbildlich gepackt

Vorbildlich gepackt

© Weltwunderer

So ganz ohne Jacke zu reisen, brachte ich als sorgende Mutter nicht übers Herz. Im klimatisierten Flugzeug trug jeder von uns eine Fleecejacke, die wir dann vier Wochen lang herumschleppten, ohne sie je zu benötigen; auch im kühleren Bergland und in den klimatisierten Zonen genügte ein langärmeliges T-Shirt unter der Regenjacke. Beim nächsten Mal bleiben die Fleecejacken zu Hause!

Unsere dünnen Regenjacken mit winzigem Packmaß haben wir nur im Bergland von Sapa gebraucht – die waren also strenggenommen auch nicht unbedingt nötig.

Was gar nicht im Rucksack war: Schuhe. Die hatten wir an; mehr als ein Paar trittsichere, wasserfeste Sandalen (und für ganz kühle Nächte ein Notfall-Sockenpaar) sind in Südostasien nicht nötig, auch nicht beim Wandern. Dass die Dame in Trekkingsandalen nicht immer die eleganteste Figur macht, war mir herzlich egal.

Was auch nicht in den Rucksack musste, weil wir es im Flugzeug, im Bus oder im Zug am Leib trugen: lange Hosen (wegen der Klimatisierung) und Sonnenhüte.

Lektion 4: Dichte schlägt Volumen

Unser Geheimtipp: Sämtliche Kleidung packten wir in zwei große, verschiedenfarbige, wasserdichte Packsäcke, aus denen man außerdem mit Hilfe eines Ventils die Luft herauspressen kann. Es ist unglaublich, wie klein so ein Packsack voller Kleidung wird, wenn keine Luft mehr drin ist! Beim Blitz-Auspacken im Hotel halfen die Farben beim schnellen Zuordnen  und die Sachen waren vor der hohen Luftfeuchtigkeit geschützt.

Was gern viel Platz wegnimmt, sind Handtücher – für die tägliche Wäsche, für den Strand … Hier reduzierten wir radikal und nahmen nur zwei große Mikrofaserhandtücher mit. Deren Packmaß entspricht einem großen Apfel und sie trocknen extrem schnell. Da wir nur in Hotels unterwegs waren, konnten wir uns dort immer ausreichend bedienen (und auch mal ein Hotelhandtuch mit zum Strand schmuggeln…).

Der Rest ist schnell aufgezählt: ein dünnes Bettlaken, das wir am Strand, aber auch im Nachtzug gebraucht haben; eine Tupper-Box mit Taschenmesser, Nähzeug, Reisewaschmittel etc.; die Reiseapotheke; zwei (nicht gebrauchte…) Moskitonetze; Taucherbrillen und Schwimmärmel und natürlich die Kulturtasche.

Auch hier haben wir Volumen gespart und nur ein Duschbad und ein Shampoo in Probiergröße für alle sowie Zahnpasta in kleinen Tuben dabeigehabt. Dass der Kosmetikkram sowieso nicht so wichtig ist, lernten wir spätestens, als die Kulturtasche nach einer Nachtbusfahrt verschwunden war und wir uns neu ausstatten mussten. Das Bündel aus Zahnbürsten, Zahnpasta, Wegwerfrasierer und einer Flasche vietnamesischem 3-in-1-Duschbad war höchstens ein Drittel so groß wie die verschwundene Kulturtasche…

Alles, was uns lieb und teuer war, packten wir in einen kleineren Trekkingrucksack, der im Urlaub als Tagesgepäck fungierte. Hier hinein kamen die Dokumentation – also Netbook, Reisedokumente, der Reiseführer und das Tagebuch – sowie ein Set Wechselsachen pro Person (im Flugzeug gibt es bei uns gern mal „Zwischenfälle“…), die allerwichtigsten Medikamente, ein paar Snacks und die elterliche Urlaubslektüre. Mehr als ein Buch pro Elternteil wäre utopisch gewesen, und im Notfall kann man in vielen Hotels und Hostels auch gebrauchte Bücher ausleihen oder tauschen. Noch mehr Platz hätten wir mit E-Books gespart; das testen wir beim nächsten Mal.

iPhone, Fotoapparat und Camcorder landeten in einer eigenen Tasche, die der Vater als Handgepäck trug – mit dem schmalen, unauffälligen Kamerarucksack, in dessen vielen Fächern sich außerdem Kreditkarten und Bargeld sicher aufbewahren ließen, sind wir hochzufrieden. Das Allerwichtigste: Geld, Pässe und Flugtickets trug ich in einer Hüfttasche herum.

Lektion 5: Kinderarbeit!

Wo ist unser Rucksack?

Wo ist unser Rucksack?

© Mikekoeln - Fotolia.com

Die Weltwunderkinder tragen das, was sie mitnehmen wollen, bitteschön selbst. Das wurde natürlich vorher gewogen – mehr als zehn Prozent des Körpergewichts waren nicht erlaubt, schließlich mussten wir uns darauf verlassen können, dass die Rucksäcke auch wirklich getragen wurden. Es reichte für ein paar Spielzeugautos und Figuren, zwei bis drei Bücher, Buntstifte und Malblock und das Kuscheltier. Elektronische Beschäftigung in Form von Hörspielen, Computerspielen und Filmen befand sich reichlich auf dem Netbook und dem iPhone und den Großteil ihrer Freizeit verbrachten die Kinder sowieso im Pool oder im Meer.

Ach ja – auf Trinkflaschen haben wir verzichtet, da man Trinkwasser sowieso immer in Flaschen kaufen musste. Das jedes Mal umzufüllen, fanden wir überflüssig und den anfallenden Plastikmüll konnten wir damit auch nicht reduzieren.

Voilà – so einfach reist es sich auch für längere Zeit mit wenig Gepäck. Wir hatten sogar noch genügend Platz für umfangreiche Souvenirkäufe. (Den vietnamesischen Strohhut haben wir aber lieber in einer Tüte getragen…)

 

Was sind eure Tipps und Tricks zum Packen?

 

Über www.weltwunderer.de

Jenny schreibt seit langem im Weltwunderer-Blog über das Reisen mit zwei kleinen Kindern. Der Schwerpunkt des Blogs ist das Reisen in Neuseeland. Ihre letzte Reise ging mit der Familie aber nach Vietnam.

 

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