E-Mail aus KambodschaEnglischstunde

Auf der Fahrt entlang des kambodschanischen Kardamomgebirges in Richtung Osten wundern wir uns seit Grenzübertritt über die Gelassenheit der Menschen im Bezug auf die momentan herrschenden Lebensbedingungen hier. Das ganze Gebiet wird bereits mehrere Wochen von stetigen, heftigen Niederschlägen heimgesucht, was zur „Regenzeit“ eigentlich nicht weiter verwunderlich wäre, aber in diesem Ausmaß laut Aussagen der Einheimischen das letzte Mal vor rund zehn Jahren der Fall war.

von KidsAway-Redaktion

Spielende Kinder in Kambodscha - und Gaia mittendrin

Spielende Kinder in Kambodscha - und Gaia mittendrin

© Morpheus Reisen

Über die Autorin

Weltreise mit KindDie zweijährige Gaia bereist mit ihrer Familie seit knapp zwei Jahren mit einem umgebauten Oldtimer-LKW die Welt. Für KidsAway berichtet ihre Mutter Diana ab sofort regelmäßig von ihren Abenteuern auf der Reise.


Links und rechts der Straße liegen Männer und Frauen in Hängematten unter ihren Pfahlhütten und schaukeln gemütlich vor sich hin. Um sie herum, in den Gärten, auf den Schulhöfen, den Marktplätzen und irgendwie überall steht rötlich-braunes Schlammwasser.

Kinder in zerrissener, schmutziger Kleidung toben in schmalen Wassergräben zwischen den nicht endend wollenden Reisfeldern umher, rollen völlig durchnässt alte Fahrradreifen mit Stöcken über den Teer und sehen unserem Gefährt aus großen, verwunderten Augen hinterher.

Außerhalb einer Hafenstadt machen wir Halt und sind sofort umzingelt. So an die fünfzehn Kinder tummeln sich vor der Türe. Gaia ist begeistert! Die Mädchen und Jungen zwischen eins und zwölf scheinen ihrem Verhalten nach nur einander als „Spielzeuge“ zu haben. Da wird eifrig geschubst, gekniffen, an den Haaren gezogen, lauthals herum gegrölt und Fangen gespielt.

Als Beobachterin findet Gaia auch das noch ziemlich toll und hält sich den Bauch vor Lachen. Für die Kinder ein klares Signal, sie an die Hand zu nehmen, was dann doch etwas zu viel des Guten ist. Ein kurzer Aufschrei, erschrockene Gesichter, sie bleibt an meiner Seite und es kann weiter gehen. Die Kinder wirken, sieht man von dem ein oder anderen kariösen Zahn und diversen Narben an den Beinen mal ab, gesund. Keine laufenden Nasen, keine aufgedunsenen Bäuche, keine Müdigkeit, kein Husten.

Neugierig werden zuerst Morpheus’ Reifen und dann wir in Augenschein genommen. Und weil wie so oft eine gemeinsame Sprache fehlt, greife ich heute mal in die Trickkiste, zaubere ein paar Kreiden hervor und lege sie in die Runde.

Es dauert nicht lange und dem Beton zu unseren Füßen entwachsen rote, gelbe und blaue Blüten. Auch Gaia greift zu und zeigt, was sie kann. Ich male ein Mädchen und ernte glatt ein „a girl“ – aha, irgendwann müssen also auch diese Wildfänge die Schulbank drücken. Es folgt ein Strichmännchen, worauf aus sämtlichen Mündern „a boy“ schallt. Nur schreiben kann „girl“ keiner, aber dafür „boy“.

Eines der Mädchen ist mutig, nimmt ein Stück Kreide und meint: „Spell it!“ Als sie „girl“ schließlich richtig geschrieben hat, gibt es ein großes Hurra und auch andere wiederholen die Worte. Wir malen noch ein „house“, unser „home“ und zum Abschluss unserer Englischstunde bekommt Gaia als Tausch gegen die Kreidestücke aus einem geheimnisvollen Schatzsäckchen einen gelben „butterfly“, einen blauen „dog“ und ein rotes „chicken“ ehrfürchtig in die Hand gedrückt.

Als Wolfgang kurz vor Sonnenuntergang ein Stück die Promenade entlang spaziert, sieht er alle unsere heutigen Besucher in einer Reihe auf dem Boden vor einem Häuschen sitzen. Sie haben Unterricht. Vielleicht gerade Englisch?

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