Email aus Tibet„Einmal rundherum“

Die Zeit war knapp, um über die höchsten Straßen dieser Erde in die Hauptstadt der Autonomen Region Tibet zu gelangen. Doch nun, zehn Tage nachdem wir die ersten schneebedeckten Spitzen des Himalaya-Gebirges vor Augen hatten und wissen, wie die „dünne“ Luft in 5000 Metern Höhe schmeckt, haben wir sie endlich erreicht: Lhasa, die heilige Stadt der Tibeter.

von KidsAway-Redaktion

Im Gespräch mit tibetanischer Familie © Morpheus

Im Gespräch mit tibetanischer Familie

© Morpheus

Über die Autorin

Weltreise mit KindDie zweijährige Gaia bereist mit ihrer Familie seit knapp zwei Jahren mit einem umgebauten Oldtimer-LKW die Welt. Für KidsAway berichtet ihre Mutter Diana ab sofort regelmäßig von ihren Abenteuern auf der Reise.

Es ist eng im Bus Nummer 8, der vom Parkplatz aus ins Zentrum, der auf den ersten Blick eher schmucklosen Stadt, fährt. Irgendwie gelingt es Wolfgang nach einigem Hin und Her mit der „Fahrkartendame“ schließlich doch noch, den Namen des von uns angesteuerten Platzes so zu artikulieren, dass er verstanden wird und inzwischen auch der halbe Bus weiß, wo wir aussteigen müssen.

Und es bleibt weiterhin eng. Durch die Gassen der Altstadt, die gesäumt sind von kleinen Läden, in denen man so ziemlich alles von Plastik- und Blechschüsseln, über Gebetszubehör, bis hin zu frischer Yakbutter, oder traditionellen, mit Schafswolle gefütterten Jacken erstehen kann. Wir lassen uns treiben und folgen dem Strom der Einheimischen. Zahlreiche lächelnde Gesichter und Gesten der Entzückung beim Anblick unserer hübschen kleinen Tochter mit den „goldenen“ Haaren weiter, geht es abrupt nur noch links herum. Wir haben den Barkhor Platz erreicht. Hier liegt das spirituelle Herz Lhasas, der Jokhang-Tempel.

Manche der versammelten, tief gläubigen Pilger nehmen einen Marsch von über eintausend Kilometern auf sich, um aus allen Ecken der Region über Wochen und Monate durch Kälte und unwegsames Gelände hierher zu gelangen. Aber nicht einfach nur zu Fuß. Auf jeden einzelnen Schritt folgt das Hinwerfen auf den Bauch und die Berührung des Bodens mit der Stirn! Die Straße hierher war von Hunderten gesäumt.

Erneut reihen wir uns ein, um für diesen Moment voll und ganz die friedliche Atmosphäre in uns  aufzunehmen und ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Dreimal würde ein Buddhist das Heiligtum von links nach rechts umrunden, dabei die Gebetstrommel in der Hand von links nach rechts schwingen lassen, leise Mantras vor sich hin rezitierend. „Om Mani Padme Hum“.

Zugegeben, wir sorgen für allgemeine Ablenkung… Keiner der Passanten kommt, ohne einmal Gaias Wange oder Hand berührt zu haben, an uns vorbei. Junge Frauen mit langen schwarzen Zöpfen, die reich mit Silber, Türkisen und Korallen geschmückt sind, Mönche in langen orange- und bordeauxfarbenen Roben, alte Menschen mit sonnengegerbten Gesichtern und tiefen Falten, aus denen man lesen könnte, dick eingemummelte Kinder mit verfilzten Haaren, wir können uns nicht satt sehen. An diesem besonderen Ort, genießen wir die Enge, das Interesse, die Einfachheit und vor allem die unsagbare Freundlichkeit dieser besonderen Menschen. Und weil wir heute genügend Zeit haben und selbst Gaia die Aufmerksamkeit nicht so schnell zuviel wird, lassen wir uns keinen Annäherungsversuch entgehen und schaffen es nur einmal rundherum.

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Kommentar als Gast schreibenKommentar (1)

  • Liebe Diana,
    vielen Dank für die regelmäßigen “Briefe” aus der Ferne und eurer ganz eigenen Lebenswelt – sie ist zwar schon extrem anders als die von uns “Normaldeutschen”, aber gerade deshalb erfrischend. Den einen regt sie zum Tagträumen an, den anderen vielleicht zum Losfahren…?

    Antworten | 21. März 2012

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