Ohne Mama auf großer ReiseWie ich mit meinem 2,5jährigen Sohn allein nach Brasilien flog – Reisebericht eines Vaters

Allein verreisen mit kleinem Kind? Ein Vater fliegt mit seinem 2jährigen Sohn für zwei Wochen ohne Mama nach Brasilien. Ein Erfahrungsbericht.

von KidsAway-Redaktion

Auf großer Reise: Vater und Sohn auf dem Weg zum Bahnhof

Auf großer Reise: Vater und Sohn auf dem Weg zum Bahnhof

© KidsAway

von Carsten Möller-Führer

Vater und Sohn allein auf Reisen

Meine Sehnsucht nach Rio de Janeiro habe ich immer wieder. Nur setzt sich bei Reiseplanungen meist die Neugier auf uns unbekannte Destinationen durch. Seit der Geburt unseres Sohnes Paul vor zwei Jahren hält uns aber auch die Angst vor dem Denguefieber, das sich in Brasilien wie auch in anderen Teilen der tropischen Welt stark ausgebreitet hat, von der Reise in die Stadt am Zuckerhut ab.

Aber nun will ich unbedingt mal wieder dorthin, wo ich viele Jahre lang meine Großeltern und meine Tante in den Ferien besucht habe.

Für meine hochschwangere Frau ist ein solcher Flug nichts mehr. Das ist schnell klar. Ich überlege, sie zu fragen, ob sie für eine Woche allein auf Paul aufpassen würde, während ich einen Kurztrip an die Copacabana mache. Aber plötzlich fragte ich mich: “Warum?” Und der Gedanke “Ich gehe mit Paul auf Reisen!” ist auf einmal so reizvoll wie selbstverständlich.

Meine Frau findet meine Reispläne prima. Und Paul ist kaum davon abzuhalten, gleich zum Flughafen zu fahren. Er fliegt für sein Leben gern. Paul muss sich aber noch etwas gedulden. Aber nur eine Woche später sitzen wir bereits im Flugzeug.

 

Unsere Bedenken

Vorher müssen wir neben der Angst vor dem Denguefieber noch einige weitere Bedenken aus dem Weg räumen: Würde Paul zwei Wochen ohne seine Mama können? Hat er alle notwendigen Impfungen? Brauche ich eine amtlich beglaubigte Genehmigung von Kerstin, wenn ich Paul allein mit über Grenzen nehme – zumal ich nicht exakt den selben Nachnamen trage? Würde ich es schaffen, Paul die eine Woche bis zum Elfstundenflug frei von Erkältungen zu halten? Aber auch die Frage, ob ich meine schwangere Frau allein lassen kann, geht mir durch den Kopf.

 

Reisen ohne Mama?

Es wäre das erste Mal, dass Paul für eine so lange Zeit von seiner Mama getrennt wäre. Meine Frau und ich glauben aber, dass Paul die Trennung von seiner Mama für zwei Wochen ohne Probleme ertragen wird. Schließlich haben wir das Glück, uns täglich beide um Paul kümmern zu können. Paul würde seine Mama beispielsweise nicht unbedingt beim Schlafengehens-Ritual vermissen. Das Reisen an wechselnde Orte ist er ja gewohnt. Aber ob die ferne Mama nicht doch Heimweh erzeugen würde, ist eben nicht sicher.

 

Allein mit Kind über die Grenzen?

Meine Frau findet heraus, dass Deutschland allein reisenden Elternteilen das Leben nicht schwer macht. Da haben es brasilianische Eltern offenbar erheblich schwerer. Für alle Fälle gibt uns meine Frau aber eine Reisevollmacht mit. Bei den für Bürokratie bekannten Südamerikanern kann man nie wissen.

 

Und bleiben wir gesund?

Ich greife zum Telefonhörer und befrage alle Brasilianer, die ich kenne, ob das Denguefieber tatsächlich das große Schreckgespenst sei. Ich werde überall beruhigt.

Ein Blick in den Impfpass bestätigt, dass Paul gegen alle gängigen Bösewichte des Immunsystems gefeit sein müsste. Bis auf die für die Tropen üblichen Empfehlungen wie lange Kleidung gegen Mosquitos gibt es zumindest für den mittleren und südlichen Teil Brasiliens keine besonderen Gesundheitswarnungen.

Vor Reisen habe ich immer besonders viel Angst, dass Paul sich in der Kinderkrippe noch mit einer Erkältung oder einer anderen Krankheit ansteckt und uns so die Reisepläne vereitelt. Das Risiko, unsere Reise kurzfristig stornieren zu müssen, dämme ich dieses Mal ein, indem ich Paul einige Tage vor Abflug aus der Kinderkrippe nehme. Und unsere Freunde müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie wirklich topgesund sind – sonst würden wir ein Treffen lieber auf die Zeit nach unserer Reise verschieben.

Was meine Frau betrifft ist schnell klar, dass sie uns zwar vermissen wird, die Ruhe vor uns und Pauls Kinderkrippenschnupfnase aber durchaus reizvoll findet. Und da eine Schwangerschaft keine Krankheit darstellt, spricht auch nichts dagegen, sie allein zu Hause zu lassen.

 

Auf nach Brasilien!

Ich muss also nur einen Flug buchen, Koffer packen und ab.

Ich gebe zu, dass die Reise nur halb so viel Organisation für mich bedeutet wie es zunächst scheinen mag. Meine Tante lebt noch immer in Copacabana. Und überdies ist Pauls Oma derzeit dort zu Besuch. Die beiden freuen sich riesig auf Paul. Für mich bedeutet das: Nur Hinkommen und um nichts weiter kümmern – Animationsprogramm für Paul eingeschlossen.

 

Frage Sind auch Sie schon allein mit Baby oder Kleinkind verreist? Was sind Ihre Ängste gewesen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Berichten Sie von Ihren Erfahrungen: Einfach einen Kommentare unter diesem Artikel verfassen.

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (5)

  • Sil

    Wie hat sich Paul ohne seine Mama gefühlt?

    Wir stehen gerade auch vor der Frage ob unser zweijähriger mit seinem Vater nach Südafrika fahren sollte während ich mit unserem Neugeborenen zu Haus bleibe.

    Antworten | 11. November 2016
    • Hallo Sil! Für Paul war das damals kein Thema, weil wir uns gleichberechtigt und mit gleichem Zeiteinsatz um ihn kümmern konnten. Außerdem war es für ihn sehr schön, mit seiner Oma (und Großtante) Zeit in der Sonne verbringen zu können. Was aber gar nicht ging, war, mit ihm zu skypen. Dafür war er noch zu klein und er fand das wahrscheinlich recht spooky, seine Mama auf dem Bildschirm zu sehen.
      Frag doch noch mal andere in unserer Facebook-Reisegruppe: https//www.facebook.com/groups/reisenmitbabyundkind/

      Antworten | 14. November 2016
  • alemaodobrasil

    Hallo,

    hat das geklappt, ohne schriftliche Vollmacht der Mutter zu reisen? Fliege in zwei Wochen auch das erste Mal alleine mit meinem großen Sohn (vier Jahre) nach Brasilien. Er hat allerdings meinen Nachnamen usw.

    Was denkst du?

    Antworten | 27. November 2012
    • Hallo alemaodobrasil,
      wenn du aufmerksam liest, findest du im Text den Hinweis, dass Carsten eine Reisevollmacht seiner Frau dabei hatte. Und genauso eine solltest du definitiv auch dabei haben – just in case. Strenggenommen brauchst du eine, wenn du Glück hast und der Grenzbeamte nachlässig ist, musst du sie nicht vorzeigen. Aber warum solltest du dieses Risiko eingehen – wenn die Mutter des Kindes einverstanden ist, wovon ich mal ausgehe?

      Antworten | 27. November 2012
  • Tom

    Hey,
    ist ja echt cool.
    Endlich mal ne Seite, die Kinder und Urlaub verbindet …
    Das hätten wir schon viel früher haben müssen.
    Mit unseren Kleinen war gerade der Urlaub immer mit viel Kraft und Zeitaufwand verbunden. So eine Austauschplattform und Ideen- bzw. LINK-Geber habe ich mir schon immer gewünscht.
    Hoffentlich wird diese Seite auch häufig genutzt ….
    vlg
    Tom

    Antworten | 18. Februar 2011

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