Sicher im Urlaub mit KindernMit oder ohne Autokindersitz auf Reisen? Ein internationaler Überblick für Eltern

Ihr wollt euch im Ausland auf vier Rädern fortbewegen – klar. Erwachsene verschwenden meist keinen Gedanken daran, wie sie sich beim Fahren sichern; mit Kindern taucht jedoch spätestens beim Mieten eines Autos die Frage nach dem passenden Autokindersitz auf.

von KidsAway-Redaktion

Im Mietwagen unterwegs mit Kindern - hoffentlich richtig angeschnallt!? © Creativa - Fotolia.com

Im Mietwagen unterwegs mit Kindern - hoffentlich richtig angeschnallt!?

© Creativa - Fotolia.com

Immer mehr Eltern reisen mit ihren Kindern um die Welt. Spätestens, wenn sie am Flughafen in ein Taxi zum Hotel steigen oder eine Exkursion mit einem Mietwagen planen, stehen Eltern jedoch vor einer wichtigen Frage: Wie können sie ihre Kinder im Auto sichern? Eine Antwort auf diese Frage ist gar nicht so einfach, denn nicht nur die Regelungen zum Gebrauch von Kindersitzen sind in jedem Land der Welt verschieden.

Euer erster Schritt sollte ein Blick in die lokalen Verkehrsregeln sein: Ist das Sichern von mitfahrenden Kindern in einem speziellen Kindersitz überhaupt vorgeschrieben?

Die Überlegung, ob ihr einen eigenen Kindersitz mit auf Reisen nehmen solltet, hängt außerdem vom Alter eurer Kinder und  den genauen Umständen eurer Reise ab. Erkundigt euch sicherheitshalber immer vorher, bis zu welchem Alter und welcher Körpergröße eure Kinder verpflichtet sind, einen Kindersitz zu benutzen – und auch, welchen ihr dabei verwenden dürft.

WebAuf der englischen Website Childcarsafety könnt ihr nachschauen, welche Regelungen an eurem Reiseziel gelten; die Liste der Länder wird angeblich stetig erweitert.

 

TippEnglische Bezeichnungen für Kindersitze:

Infant Seat/Rearward-facing Baby Seat = Babyschale für Kinder ab Geburt bis etwa 9 Monate oder 13 kg, wird rückwärts angeschnallt

Convertible Seat = Autokindersitz der Gruppe 0/1, der in beiden Fahrtrichtungen verwendet werden kann; die rückwärts gerichtete Position ist dabei meist für kleinere Kinder bis etwa 10 kg Körpergewicht geeignet.

Forward Facing Child Seat = Kindersitz der Gruppe 0/1 ab Babyalter oder der Gruppe I für Kinder bis etwa 18 kg, der vorwärts befestigt wird

Combination Seat/Five Point Booster = vorwärtsgerichteter Autokindersitz der Gruppe 1/2, 2/3 oder 1/2/3 mit Fünfpunktgurt, der von Kindern ab etwa 18 kg bis zum zwölften Lebensjahr auch mit dem Dreipunktgurt des Autos benutzt werden kann. Diese Sitze werden nur vorwärts gerichtet montiert!

Booster Seat = Autokindersitz der Gruppe 3 (auch: High Back Belt Positioning Booster) oder Sitzerhöhung ohne Lehne (auch: Booster Cushion)

Reboarder = rückwärts gerichteter Kindersitz für Kinder bis vier Jahre

 

Einen Kindersitz leihen – was ihr beachten müsst

Kindersitze sind auch für die "Großen" noch wichtig © Gina Sanders - Fotolia.com

Kindersitze sind auch für die "Großen" noch wichtig

© Gina Sanders - Fotolia.com

In aller Regel wird der Kindersitz, den euch ein Autovermieter zur Verfügung stellt, nicht fabrikneu sein. Je länger ein solcher Sitz in Gebrauch ist, desto mehr lässt seine Schutzwirkung nach: Auch wenn er an keinem Unfall beteiligt war,  ermüden die Kunststoffe, aus denen Sitzschalen, Gurte und Gurtanker bestehen, im Laufe der Jahre, durch UV-Einstrahlung und Temperaturschwankungen und auch durch korrekte Benutzung. Wie der Vermieter seine Kindersitze lagert und pflegt, wisst ihr als Kunden ja nicht.

Wenn ihr keine andere Möglichkeit habt, als einen Sitz vom Vermieter zu leihen, dann prüft ihn vor der Benutzung genauestens auf Beschädigungen. Tests der ICBC (eine kanadische Versicherungsgesellschaft) zeigten, dass Autokindersitze bei kleineren Unfällen in der Regel nicht beschädigt werden und auch nicht ersetzt werden müssen.

 

Checkliste für gebrauchte Kindersitze:

  • Sind Beschädigungen, Verfärbungen oder Abnutzungen mit bloßem Auge erkennbar?
  • Schließen die Gurtschnallen fest und verklemmen nicht?
  • Sind die Gurte unbeschädigt und an allen Stellen gleich gut erhalten?
  • Ist eine Gebrauchsanweisung für den Sitz vorhanden?
  • Ist der Sitz für Kinder von der Größe und vom Gewicht eures Kindes zugelassen?
  • Passt der Sitz in das Auto?
  • Sind die EU-Prüfzeichen CE und ECE-R-44/04 (oder auch 03) an dem Sitz angebracht? Die achtstellige Zulassungsnummer auf dem orangefarbenen ECE-Prüfsiegel muss mit 03 oder 04 beginnen, sonst ist der Sitz veraltet.
  • In Ländern außerhalb Europas gelten auch andere Normen: für Australien und Neuseeland etwa der Standard AS/NZS 1754, für die USA gilt FMVSS 213.
  • Sind der Hersteller, das Herstellungsdatum und die Seriennummer des Sitzes am Sitz vermerkt?
  • Wenn ihr eine Sitzerhöhung leiht, muss diese „Hörnchen“ an der Seite haben, durch die der Beckengurt geführt wird.

 

Einige Autovermieter bieten Leihwagen mit integrierten Autokindersitzen an. Das ist sehr praktisch, aber immer noch nicht ideal: Der Sitz könnte eurem Kind nicht perfekt passen, besonders wenn es noch klein ist. Neben der mangelnden Einstellmöglichkeit fehlt es integrierten Kindersitzen oft an Seitenaufprallschutz.

Rettungskräfte bevorzugen es außerdem, wenn sie Kinder nach einem Autounfall mitsamt ihrem Kindersitz aus dem Unfallwagen heben können – so ist bei Verletzungen an Kopf oder Wirbelsäule ein sicherer Transport ins Krankenhaus möglich.

 

Eigene Kindersitze – nicht unbedingt die beste Lösung

Taxi! Und wie sichert ihr das Baby? © wesleyguijt - Fotolia.com

Taxi! Und wie sichert ihr das Baby?

© wesleyguijt - Fotolia.com

Die häufigsten Fehler bei der Benutzung von Kindersitzen sind ganz simpel: falsche Anbringung, zu lockere Anbringung oder zu lockeres Anschnallen des Kindes im Sitz. Diese Fehler vermeidet ihr weitgehend, wenn ihr auf Reisen euren eigenen Kindersitz verwendet: Ihr wisst (hoffentlich …), wie man ihn richtig anbringt und könnt sicher sein, dass er perfekt auf die Größe eures Kindes eingestellt ist. Da ihr sicherlich beim Kauf darauf geachtet habt, ein von Stiftung Warentest oder ADAC „gut“ oder „sehr gut“ getestetes Modell zu nehmen, geht ihr auch in dieser Beziehung auf „Nummer sicher“.

Weitere Vorteile dieser Alternative: Ist euer Kindersitz für die Benutzung im Flugzeug zugelassen, erhöht ihr die Flugsicherheit eures Kindes auf seinem eigenen Sitzplatz erheblich. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, das ist doch praktisch! Und schließlich spart ihr bares Geld, wenn ihr keinen Sitz leiht (denn das lassen sich die Vermieter natürlich bezahlen) und auch keinen am Urlaubsort kaufen müsst.

Aber ein eigener Kindersitz hat auf Reisen auch seine Nachteile: Es ist nicht immer praktikabel, den eigenen Sitz auf langen Reisen mit häufigem Wechsel der Verkehrsmittel herumzuschleppen; die in Europa hergestellten vorwärtsgerichteten Kindersitze sind außerdem selten für die Benutzung im Flugzeug zugelassen. Reboardsitze sind oft so schwer und groß, dass man es sich dreimal überlegt, sie mitzunehmen.

Einige Länder verlangen von Kindersitzen aber auch ganz spezielle Standards und verbieten die Benutzung aller anderen Sitze – egal, ob sie in eurem Heimatland vollkommen legal sind. Australien stellt diesbezüglich weltweit die höchsten Ansprüche an die Sicherheit von Kindersitzen; jeder verwendete Kindersitz muss zumindest über einen Fangriemen verfügen, den sogenannten „Top Tether“. Entspricht euer Sitz nicht dem australischen Standard AS 1754, dürft ihr ihn nicht verwenden und riskiert sogar eine Strafe von mehreren hundert Dollar.

Schließlich wisst ihr nicht, ob der von euch mitgebrachte Kindersitz überhaupt in das Fahrzeug passt, mit dem ihr unterwegs seid. Das beginnt bei zu kurzen Sicherheitsgurten und endet bei fehlenden Gurten auf der Rückbank.  Gerade in Wohnmobilen gibt es hier oft enge Beschränkungen – bevor ihr eines mietet, erkundigt euch genauestens, ob genug Sitze mit Anschnallmöglichkeiten für eure Kindersitze vorhanden sind!

In vielen Ländern haben Autos auf der Rückbank nur Beckengurte. Damit könnt ihr viele Autokindersitze der Gruppen 0/I/II befestigen, die auch „for use in aircraft“ zugelassen sind, aber keine Booster Seats! Verboten (und extrem gefährlich) ist es auch, einen Booster Seat ohne Lehne und Kopfteil auf Rückbänken ohne Kopfstützen zu verwenden.

Gibt es hinten nur unzureichende Möglichkeiten zum Sichern eures Kindes, könnt ihr unter Umständen den Beifahrersitz verwenden. Dies wird allerdings nur dann empfohlen, wenn sich der Beifahrer-Airbag abschalten lässt; sitzt euer Kind noch in einer rückwärtsgerichteten Babyschale oder in einem Reboarder, darf es unter keinen Umständen mit aktiviertem Beifahrer-Airbag fahren!

 

Alternativen

... und wie schnallt man sich hier an?? © Natasha Owen - Fotolia.com

... und wie schnallt man sich hier an??

© Natasha Owen - Fotolia.com

In großen Teilen der Welt ist die Mehrheit der Menschen zu Fuß, per Fahrrad oder auf Mopeds unterwegs – im Auto fühlt man sich dort generell schon als sicherer als die meisten anderen Verkehrsteilnehmer. Wozu dann noch extra anschnallen? In Ländern wie Indien, Indonesien oder Vietnam (wo Ausländer gar nicht selbst Auto fahren dürfen) werdet ihr kaum eine Chance haben, einen Autositz zu bekommen. Darüber hinaus ist es sogar möglich, dass euer Mietwagen oder das Taxi überhaupt keine Gurte auf der Rückbank hat.

Anstatt einen schweren und sperrigen Kindersitz mitzuschleppen, der dann doch nicht ins Mietauto passt, könnt ihr eventuell einen passenden Kindersitz am Reiseziel kaufen (und dann wieder verkaufen oder spenden) oder einen ausleihen. In zahlreichen Großstädten in Europa, den USA und Australien gibt es Kindergeschäfte, die Autokindersitze, aber auch Buggys, Kindertragen oder Reisebetten zu günstigen Konditionen verleihen.

In Ländern, in denen keine Pflicht für die Verwendung von Kindersitzen oder nicht einmal eine Anschnallpflicht für Autopassagiere gilt, werdet ihr dagegen nur schwer einen Kindersitz kaufen können – und wenn, wird er wahrscheinlich teurer als zu Hause sein.

In diesem Fall ist vielleicht ein Notfall-Reisekindersitz eine Möglichkeit: Der BubbleBum v2 ist zum Beispiel eine aufblasbare Sitzerhöhung, die nach der Autofahrt in einer kleinen Tasche verschwindet; der Ride Safer ist eine „tragbare“ Alternative zum Autositz in Form einer Weste.

Verwendet ihr eine Babyschale oder einen Autokindersitz, dann nehmt ihn mit, wenn ihr ihn im Flugzeug benutzen könnt und sicher seid, dass er in das gemietete Fahrzeug passt und an eurem Reiseziel zugelassen ist.

Nehmt keinen Autokindersitz mit, wenn er nicht im Flugzeug verwendet werden kann und ihr am Reiseziel einen passenden Sitz leihen oder kaufen könnt. Booster Seats sind leicht und nehmen beim Transport weniger Platz weg; sie können jedoch auch für wenig Geld am Reiseziel nachgekauft oder geliehen werden.

Nehmt eventuell einen Notfall-Autokindersitz mit, wenn ihr nur selten Auto fahren werdet, wenn am Reiseziel keine Kindersitzpflicht oder keine Gurtpflicht für Autos gilt oder Autos voraussichtlich gar keine Gurte auf der Rückbank haben.

 

Ganz ohne Kindersitz unterwegs?

Ohne Sitz anschnallen - aber nicht so! © Lucky Dragon - Fotolia.com

Ohne Sitz anschnallen - aber nicht so!

© Lucky Dragon - Fotolia.com

Erfahrene Expat-Eltern kennen ein paar hilfreiche Tricks, wenn man mit Kindern in Südostasien oder afrikanischen Staaten unterwegs ist:

  • Den Taxifahrer bitten, langsamer zu fahren, bringt meistens nichts. Wesentlich hilfreicher ist es, ihn zu warnen, dass das Kind bei schnellem Fahren „carsick“ werde und sich wahrscheinlich übergeben müsse.
  • Stößt man auf einen tollen, umsichtigen und vorsichtigen Fahrer, sollte man sich seine Visitenkarte geben lassen oder wenigstens seinen Namen notieren und ihn in Zukunft direkt anfordern.
  • Taxis nicht auf der Straße heranwinken, sondern telefonisch bestellen (lassen) und spezifisch um ein Auto mit Sitzgurten bitten
  • Mietwagen bei internationalen Firmen buchen, auch wenn es teurer ist; diese haben vielleicht Kindersitze und wenn nicht, dann wenigstens Sitzgurte auf der Rückbank
  • Neuere Automodelle haben meist Gurte, nur sind die Gurtschnallen oft unter die Sitzbank geklemmt worden. Bittet den Fahrer, die Gurte herauszuholen!
  • Angegurtet auf dem Beifahrersitz ist immer noch sicherer als Rückbank ohne Gurt: Schiebt den Beifahrersitz so weit wie möglich nach hinten und lasst den Fahrer den Airbag ausschalten (wenn es überhaupt einen gibt – die Plakette dafür befindet sich am Armaturenbrett oder in der Beifahrertür). Auch mit aktiviertem Airbag ist der Beifahrersitz sicherer als völlig ungesichertes Mitfahren auf der Rückbank!
  • Der Dreipunktgurt für Erwachsene ist sicherer als gar kein Gurt: Erhöht die Sitzposition eures Kindes mit einem Kissen oder einer Decke; ist der Brustgurt dann immer noch zu weit oben, schiebt ihn hinter das Kind und nutzt wenigstens den Beckengurt.
  • Der mittlere Sitzplatz auf der Rückbank ist bei einem Unfall der sicherste.
  • Wenn ihr in einem Reisebus oder einem Minibus unterwegs seid, der über Beckengurte verfügt, könnt ihr versuchen, den CARES-Gurt aus dem Flugzeug über die Rückenlehne des Sitzes zu schieben und euer Kind damit zu sichern.

 

Übrigens: Auch in den meisten europäischen Ländern gelten für Taxifahrten oder kurze Notfallfahrten (wie auch immer die im Einzelfall definiert werden) Ausnahmeregelungen; wollt ihr also nur vom Flughafen zum Hotel fahren, ist ein extra Autokindersitz vielleicht nicht unbedingt nötig. Das Unfallrisiko existiert natürlich auch auf diesen kurzen Strecken; ob ihr es für euch und euer Kind eingehen wollt, müsst ihr – wie so oft – abwägen.

Wie sichert ihr eure Kinder im Ausland im Auto? Wir sind gespannt auf eure Berichte!

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