"Notfälle" unterwegsDas Pinkel-Einmaleins für reisende Familien

"Mama, Papa, ich muss maaaal!" Wenn Eltern auf Reisen diesen Satz hören, bricht ihnen der kalte Schweiß aus. Wir sagen euch, wie ihr eure Windelfrei-Anfänger gut vorbereitet und wo sie ihr Geschäft am besten verrichten können - in Deutschland an der Raststätte oder auch in Japan auf dem Spielplatz!

von KidsAway-Redaktion

Kinder und Toiletten unterwegs, das ist ein heikles Thema für viele Eltern © Pixabay

Kinder und Toiletten unterwegs, das ist ein heikles Thema für viele Eltern

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Irgendwann zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr sind die meisten Eltern gaaanz stolz auf ihre Kleinen, denn sie sind nun schon groß und brauchen keine Windel mehr.

Wenigstens am Beginn dieser glorreichen Zeit steht aber eine Phase, in der zwischen „Ich muss mal“ und „Ich kann es nicht mehr halten!!“ nur Minuten liegen. Minuten, in denen ihr zu Hause husch, husch zur Toilette eilt – aber was, wenn ihr gerade im Auto unterwegs seid, am Strand liegt oder durch eine fremde Stadt spaziert?

Auf die Möglichkeit eines solchen „dringenden Geschäfts“ solltet ihr euch unbedingt vorbereiten, wenn ihr mit Kindern im magischen Alter in den Urlaub fahrt (oder auch nur in die nächste Stadt).

 

Anhalten und warten – ab wann klappt das?

Viele Kinder überraschen ihre Eltern schon früh mit der Ansage „Ich muss mal!“, aber wenn dann nicht äußerst schnell abgehalten wird, geht das Geschäftchen in die Hose. Aber erst mit vier bis fünf Jahren sind die meisten Kinder in der Lage, ihre Beckenbodenmuskulatur so zu kontrollieren, dass die Blase auch „unter Druck“ geschlossen bleibt. (Beim Darm klappt das zum Glück schon eher…)

Bei Kindern, die von Anfang an abgehalten wurden und ihren Bedarf dazu signalisierten, klappt es wesentlich früher – über die „Windelfrei“-Erziehung könnt ihr euch in zahlreichen Büchern und Elternforen informieren. (Übrigens: Der größte Teil der Weltbevölkerung praktiziert diese Art der Sauberkeitserziehung, totaler Quatsch kann das also nicht sein…)

So, wie der Zeitpunkt des Trockenwerdens, ist auch die Zahl der Toilettengänge je nach Kind sehr unterschiedlich. Während Neugeborene bis zu 12-mal am Tag in die Windel pieseln, brauchen Kinder nur noch drei- bis siebenmal täglich den Gang zur Toilette.

Gerade bei größeren Kindergartenkindern steckt hinter dem „Ich kann nicht mehr warten!“ viel Psychologie. Natürlich solltet ihr solche Ansagen ernst nehmen und unverzüglich beginnen, gemeinsam nach einer Toilette suchen. Aber ihr müsst nicht panisch eine Vollbremsung machen und auf den Standstreifen der Autobahn fahren. Zum Training der Blase kann es sogar hilfreich sein, wenn ihr das Kind zuerst fragt, wie dringend es denn ist – und ob es noch bis zu dem Schild da vorn warten kann – oder sogar noch bis zu dem nächsten da hinten…

 

Wie kann man sich auf Reisen mit Windelfrei-Anfängern vorbereiten?

Gute Vorbereitung ist bei kleinen Anfängern das A und O, gerade auf längeren Autofahrten. Dazu gehört vor allem, so erstaunlich das klingt, eine ausreichende, regelmäßige Flüssigkeitszufuhr. Bitte setzt eure Kinder nicht auf Trink-Diät, wenn ihr Sorge habt, dass es zu dringenden Situationen kommen wird! Genauso schlecht ist es, wenn ihr eure Kinder nach dem Ende der Fahrt mit extra viel Trinken „belohnen“ wollt.

Die Folgen eines unausgeglichenen Flüssigkeitshaushalts können Verstopfungen und Reizblasen sein – sehr lästig und schmerzhaft und nicht geeignet, um das Sauberkeitstraining voranzubringen.

Dr. Uwe Heemann, Professor für Nephrologie, rät dazu, vor längeren Autofahrten salzige Snacks zu essen: Das Salz bindet nämlich das Wasser im Körper. Auf die Dauer ist das aber nicht gesund, also seid vorsichtig damit!

Sprecht mit euren Kindern immer wieder über ihre Körperwahrnehmungen und helft ihnen, sich selbst zu „spüren“. Das heißt: auch im Reisestress immer mal wieder innehalten und in Ruhe überlegen, ob man jetzt muss. Die volle Blase (und der volle Enddarm) zeigen über Entleerungsreflexe an, wenn sie voll sind – das Trockenwerden besteht darin, diese Signale rechtzeitig zu erkennen und zu verarbeiten.

Weniger hilfreich ist es – und das können viele Eltern sicher leidvoll bestätigen –, das Kind zu beliebigen Zeitpunkten (etwa vor der Abfahrt in den Urlaub) zum Pipi machen zu zwingen. Da nützt auch gutgemeintes „Mitdrücken“ nichts.

Wie oft verkünden eure Kinder vor dem Losfahren im Brustton der Überzeugung, sie müssten üüüberhaupt nicht? Und wie oft müssen sie dann doch ganz dringend, sobald ihr auf die Autobahn aufgefahren seid? Eben.

Da es gerade bei Windelfrei-Anfängern oft sehr schnell gehen muss, hat sich praktische Kleidung bewährt. Bei Mädchen sind lange Tunikas oder Kleidchen optimal, Jungs sollten locker sitzende Hosen mit Gummizug tragen, die ihr schnell herunterziehen könnt. Ganz schlecht sind Latzhosen mit komplizierten Trägerverschlüssen, enge Leggings mit modischen Shorts drüber oder gar Jumpsuits oder Overalls, die man erst komplett ausziehen muss.

Die Eltern in asiatischen Ländern, die ihre Babys und Kleinkinder abhalten, anstatt sie zu wickeln, machen es vor: Sie ziehen ihren Kindern sogenannte Schlitz-Hosen an. Das sind weite Hosen aus zwei Beinteilen, die im Schritt einfach nicht zusammengenäht sind (und sich großzügig überlappen, damit es nicht bei jeder Bewegung hineinzieht). Wird das Kind für kleine oder große Geschäft abgehalten, müssen die Hosenbeine nur über dem Po auseinandergezogen werden, und nichts geht daneben.

Und: Packt für Windelfrei-Anfänger immer einen Satz Wechselkleidung ein, egal wohin ihr geht!

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Kommentar als Gast schreibenKommentar (1)

  • Wir standen mal ewig in der Schlange um in Siena auf den Turm irgendeiner Kirche zu kommen. Mein Sohn, damals 4, musste nach etwa 20 Minuten Schlange stehen dringend Pipi. Was tun? Neu anstellen? Quengeln lassen? Oder eine nasse Hose riskieren? Mein Mann hatte zufällig eine leere PET-Flasche dabei – den Rest könnt ihr euch denken. Wir fanden das alle lustig. Das ging sogar relativ dezent vonstatten, allerdings funktioniert das nur bei Jungs.

    Antworten | 17. Dezember 2015

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