Unterwegs mit Kindern im WinterErste Hilfe bei Unterkühlung und Erfrierung

Beim Spielen im Schnee, auf dem kalten Spielplatz oder auch im Schwimmbad unterkühlen sich Kinder schnell. Aus blauen Lippen und Zähneklappern kann schnell tödlicher Ernst werden. Wir sagen euch, was ihr gegen Unterkühlung und Erfrierungen tun könnt - nicht nur im Winter.

von KidsAway-Redaktion

Schnee ist toll, aber auch kalt © Pixabay

Schnee ist toll, aber auch kalt

© Pixabay

Der Winter ist endlich da, also raus in den Schnee! Viele Familien verbringen die Wochenenden draußen in der herrlich kalten Winterluft, und spätestens in den Ferien heißt es dann endlich: Ab auf die Skipiste oder den Rodelhang!

Bei Winterspaziergängen im verschneiten Wald, Schlittschuhfahrten auf den Dorfteich oder beim gemeinsamen Skifahren haben Eltern und Kids viel Spaß – irgendwann aber fangen wir alle an zu frieren.

Kinder, vor allem wenn sie noch klein sind, haben hier gleich mehrere Probleme: Sie werden oft viel zu dick eingepackt und können sich dann kaum noch bewegen, vielleicht stecken sie auch noch in einer Tragekraxe oder werden auf dem Schlitten gezogen, ohne einen Finger rühren zu müssen.

Und da Babys und kleine Kinder ihre Körpertemperatur noch nicht so gut selbst regeln und auch nicht selbst wahrnehmen können, wenn es ihnen zu kalt wird, melden sie sich viel zu spät, um zu meckern: Meine Hände sind eiskalt! Ich spüre meine Füße nicht mehr! Oder: Ich zittere am ganzen Körper!

 

So erkennt ihr eine Unterkühlung bei Babys und Kindern

Bei einem unterkühlten Kind sinkt die Kerntemperatur des Körpers unter 35 °C. Im ersten Stadium zittert es stark, hat Gänsehaut und bekommt blaue Lippen. Dadurch beginnt es auch, undeutlich zu sprechen. Kleinere Kinder weinen vielleicht, weil sie sich nicht wohl fühlen.

 

ErfahrungsberichtUnterkühlung bei Babys erkennen

Säuglinge zittern nicht, wenn sie unterkühlt sind; ihr Körper schafft diese Selbsthilfemaßnahme noch nicht, mit der er sich selbst aufwärmen kann.

Ihr müsst also regelmäßig mit einem tiefen Griff in den Nacken „nachfühlen“, ob es eurem Baby im Kinderwagen oder auf dem Schlitten zu kalt wird. Prüft am besten direkt vor dem Verlassen des Hauses, wie warm sich euer Baby „normal“ anfühlt, um später einen Vergleich zu haben.

 

Im zweiten Stadium der Unterkühlung wird das Kind schläfrig und teilnahmslos – das Zittern hört auf, stattdessen werden die Muskeln starr und die Haut wird leichenblass. Sinkt die Körpertemperatur unter 30 °C, kann es sogar zu Atem- und Herzstillstand kommen – Phase drei. Jetzt besteht Lebensgefahr!

Was ihr mit einem unterkühlten Kind nicht tun solltet, obwohl ihr es instinktiv tun wollt: Steckt es nicht sofort in die heiße Badewanne, unter eine Heizdecke oder direkt vor den böllernden Ofen. Der plötzliche Temperaturwechsel kann das Herz überlasten.

 

TippErste Hilfe bei Unterkühlung

Im ersten Stadium:

  • Kind in einen zimmerwarmen Raum bringen
  • nasse Kleidung ausziehen, das Kind in warme Decke packen (Rettungsdecke!)
  • warme, gesüßte Getränke geben
  • Kind zum Bewegen anregen, aber nicht massieren!

Seid ihr draußen unterwegs, könnt ihr Babys und Kleinkinder als Notfallmaßnahme mit in eure eigene Jacke oder unter euren Pullover nehmen und sie mit eurer Körpertemperatur wärmen.

Im zweiten und dritten Stadium:

  • Kind flach hinlegen, warm einpacken (Rettungsdecke!)
  • Notarzt rufen!
  • Arme und Beine möglichst nicht bewegen, um Herzrhythmusstörungen zu vermeiden
  • Kind nicht massieren, damit das kältere Blut von außen die Kerntemperatur nicht noch weiter absenkt
  • ist das Kind bewusstlos, mit Beatmung und/oder Herzdruckmassage anfangen

 

So erkennt ihr Erfrierungen bei Kindern

Rote Nase? Das ist in Ordnung © Pixabay

Rote Nase? Das ist in Ordnung

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Anders als die Unterkühlung, die den ganzen Körper erfasst, erfrieren bei großer Kälte oder ungeeigneter Kleidung einzelne Körperteile. Meistens sind das die Finger und Zehen, die nun mal ganz außen am Körper sind; oft werden auch die Nasenspitze oder die Ohrmuscheln in Mitleidenschaft gezogen.

Isolierte Erfrierungen passieren, wenn einzelne Stellen des Körpers sehr kaltem Wind ausgesetzt sind, zum Beispiel bei Winterwanderungen oder beim Skifahren; der Rest kann dann noch so warm eingepackt sein. Erfrierungen können aber auch als Folgeschäden einer Unterkühlung auftreten.

Erfrierende Körperteile werden zuerst weiß, kalt und gummiartig weich (weil der Körper die Blutzufuhr nach außen reduziert, um den Rest wärmen zu können). In diesem Stadium klagen Kinder zum Glück oft schon laut über Kribbeln, Brennen oder Schmerzen. Nehmt ihr Weinen unbedingt ernst und schaut euch Finger, Zehen und Ohren genau an!

Das zweite Stadium der Erfrierung erkennt man erst, wenn sich die Haut wieder aufgewärmt hat. Während Erfrierungen ersten Grades keine Spuren hinterlassen, bilden sich im zweiten Stadium an den betroffenen Stellen rote Blasen, in der Folge sogar Frostbeulen – ja, die gibt es wirklich! Eine solche tiefe Erfrierung tut nicht mehr weh, sie fühlt sich nur seltsam an.

Erfrierungen dritten Grades zeigen sich oft erst nach mehreren Tagen. Das hart gefrorene Gewebe sieht dann blauschwarz aus und ist auch nach dem Auftauen gefühllos. Retten kann man solche richtig erfrorenen Finger oder Zehen nicht mehr, sie müssen chirurgisch entfernt werden.

 

TippErste Hilfe bei Erfrierungen

  • Kind in einen zimmerwarmen Raum bringen
  • nasse Sachen ausziehen, Kind warm einpacken (Rettungsdecke!) und mit warmen, gesüßten Getränken versorgen
  • bei Erfrierungen ersten Grades die Durchblutung anregen, indem man die Körperteile bewegt, erfrorene Finger in die eigene Achselhöhle klemmt oder in warme Umschläge packt
  • Erfrierungen zweiten Grades nicht wärmen oder massieren, sondern Blasen steril abdecken und schleunigst einem Arzt vorstellen

 

Kompletter Blödsinn ist es übrigens, erfrorene Körperteile mit Schnee abzureiben. Damit macht ihr es nur noch schlimmer! Auch das Aufwärmen durch Anhauchen funktioniert nicht, denn die Verdunstung eurer Atemluft senkt die Temperatur noch weiter.

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