Gesund im Urlaub mit KindMalaria-Risiko bei KindernTropenreisen mit Kindern und Malaria – was ihr beachten müsst

Sie ist der Hauptgrund, warum Eltern mit Kindern sich vor Fernreisen scheuen: In vielen tropischen Ländern besteht die Gefahr einer Malaria-Infektion. Warum ihr mit der richtigen Vorbereitung trotzdem ohne Bedenken nach Südostasien reisen könnt.

Teil 11 von 15 der Serie Gesund im Urlaub mit Kind

von KidsAway-Redaktion

Reisen in die Tropen mit Kindern trotz Malaria-Risiko - klar!

Reisen in die Tropen mit Kindern trotz Malaria-Risiko - klar!

© Ramona Heim - Fotolia.com

Der Feind ist winzig – gerade einmal sechs Millimeter groß, aber Überträger einer heimtückischen Krankheit, die jedes Jahr über eine Million Tote fordert: die weibliche Anopheles-Mücke. Sie lebt in tropischen und subtropischen Gebieten rund um den Globus und breitet sich trotz umfassender Bekämpfungsmaßnahmen mit der Erwärmung des Klimas auch langsam wieder nach Europa aus. Mit einsetzender Dämmerung macht sie sich auf die Jagd nach Blut und überträgt dabei die Erreger der Malaria.

Diese sogenannten Plasmodien gelangen zuerst über das Blut in die Leber, wo sie sich eine Weile einnisten und in dieser Zeit auch durch Bluttests nicht entdeckt werden können. Nach mindestens fünf Tagen, manchmal aber auch Wochen und Monaten, machen sie sich wieder auf ins Blut und zerstören dort die roten Blutkörperchen. Jetzt erst bekommt der Patient Fieber und jetzt erst lassen sich die Erreger im Blut nachweisen.

Der Krankheitsverlauf kann bei den drei Malaria-Typen P. vivax, P. ovale und P. malariae sehr unangenehm sein, ist aber nicht lebensgefährlich. Anders die Malaria tropica (P. falciparum): Hier kann es zu hohen, wiederkehrenden Fieberschüben mit Schüttelfrost und Durchfall kommen, die den Organismus so belasten, dass es zu Krämpfen und Hirnschäden kommt und der Patient ins Koma fällt. Besonders Kinder und alte Menschen sterben daher an Malaria – die Hälfte aller Malariatoten ist unter fünf Jahre alt.

Eltern, die eine Tropenreise nach Südostasien planen, nehmen die Malaria-Problematik daher besser nicht auf die leichte Schulter. Der erste Gang sollte euch immer ins Reisemedizinische Zentrum führen (wenn keines in eurer Nähe ist, gibt es vielleicht einen Reisemediziner in eurer Stadt?).

 

Malaria-Risiko – keine Panik!

 

Der Feind: die Anopheles-Mücke

Der Feind: die Anopheles-Mücke

© Henrik Larsson - Fotolia.com

Die hohen Erkrankungszahlen (immerhin 500 Millionen Menschen weltweit leiden an Malaria) und das lokal hohe Erkrankungsrisiko beziehen sich, und das darf nicht vergessen werden, auf die Bevölkerung vor Ort. Viele Menschen in tropischen und subtropischen Ländern leben unter mangelhaften hygienischen Bedingungen, mit schlechter Gesundheitsversorgung und unter schlechten Wohnbedingungen. Die Chance, sich mit Malaria anzustecken und einen komplizierten Krankheitsverlauf zu erleiden, ist für sie ungleich höher als für einen Touristen mit gutem Gesundheitszustand, der nur für wenige Wochen im Land ist.

Schaut man sich die Statistiken des Robert Koch Instituts an, kann man aufatmen: Im Jahr 2010 gab es in ganz Deutschland zwar ungefähr 600 Fälle von Malaria (davon zwei Todesfälle), aber nur sechs Prozent von diesen hatten sich auf einer Asien-Reise infiziert.

Am häufigsten erkrankten Afrika-Reisende; die meisten waren über längere Zeit beruflich dort oder hatten Familienbesuche gemacht; dabei ist man der Anopheles-Mücke ungleich stärker ausgesetzt als in einem Hotel mit Klimaanlage oder Moskitonetzen.

Das „Malaria Journal“ beruhigt ebenfalls: In den Jahren von 2003 bis 2008 haben sich demnach 80 deutsche Touristen in Südostasien mit Malaria infiziert; insgesamt! In derselben Zeit waren 8,3 Millionen Deutsche in Südostasien auf Reisen.

Für viele touristisch erschlossene Regionen, vor allem Großstädte, Inseln und stark besiedelte Gebiete, besteht auch in den Malaria-Ländern gar kein oder nur ein geringes Infektionsrisiko, weil dort mangels Feuchtgebieten kaum Moskitos leben oder man sie mit regelmäßigen Gift-Besprühungen in Schach hält. In anderen Gegenden sind die Malaria-Überträger nur zu bestimmten Jahreszeiten aktiv.

 

TippDie deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin listet für jedes Land nach Regionen das Risiko von Malaria-Infektionen auf. Wer auf touristischen Pfaden unterwegs ist, nicht im Dschungel wandern geht oder in abgelegenen Bergregionen bei Einheimischen übernachtet, der muss die Gefahr einer Ansteckung mit Malaria kaum befürchten.

 

Wie am besten vorbeugen?

 

Das wichtigste, was man gegen eine Malaria-Infektion tun kann, ist: Schutz vor Mückenstichen (die sogenannte „Expositionsprophylaxe“). So selbstverständlich es klingt – die meisten Reisenden schützen sich nicht oder wenigstens nicht konsequent genug vor Moskitos.

Dabei ist es so einfach:

  • Immer mit Moskito Repellent eincremen, das Mittel zu Hause in Deutschland kaufen und auf ausreichenden Gehalt von DEET achten (mindestens 30 Prozent für Erwachsene, für Kinder je nach Alter weniger)
  • Mückenfeste Kleidung tragen (dicht gewebt, den ganzen Körper bedeckend und möglichst dunkel)
  • Exposition vermeiden, indem man in der Dämmerung oder nach Regenfällen besonders vorsichtig ist
  • Immer unter einem Moskitonetz mit sehr engen Maschen schlafen oder Hotelzimmer mit Aircondition nehmen
  • Regionen im Urlaubsland vermeiden, für die ein hohes Malaria-Risiko besteht

 

Standby oder Prophylaxe?

 

Die Malaria-Überträger werden in vielen Ländern regelmäßig bekämpft

Die Malaria-Überträger werden in vielen Ländern regelmäßig bekämpft

© anankkml - Fotolia.com

Mückenschutz ist gut, Medikation ist besser – das empfehlen Reisemediziner den meisten Eltern, die mit Kindern in die Tropen reisen wollen. Gegen Malaria kann man sich (leider) nicht impfen, obwohl seit Jahren daran geforscht wird. Man kann aber die ausbrechende Krankheit recht gut behandeln – oder den Körper so vorbereiten, dass er sich gar nicht infiziert oder zumindest die Krankheit schnell überwindet.

Ist die Wahrscheinlichkeit, sich im Urlaub mit Malaria anzustecken, eher gering – das schätzt der Reisemediziner anhand des Reiseziels, der Art des Urlaubs (Hotelanlage oder Rucksackreise), dem Alter der Kinder (wie gut kann man DEET zur Moskito-Abwehr anwenden?) und anderen Faktoren ein –, dann genügt es, für den Notfall eine sogenannte Standby-Medikation mitzunehmen.

Beim ersten Verdacht auf eine Malaria-Infektion, also beim Auftreten von hohem Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost, muss dann unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, der eine Blutprobe nimmt und sie auf Malaria-Erreger (die sogenannten Plasmodien) untersucht.

Nur, wenn ihr wisst, dass binnen 24 Stunden keinen Arzt zu erreichen ist, nehmt ihr – quasi sicherheitshalber – eine Dosis des Malaria-Medikaments ein. In aller Regel wird das Fieber eine andere Ursache haben; dann hat man im schlimmsten Fall das teure Medikament umsonst eingenommen. Handelt es sich aber tatsächlich um eine Malaria, habt ihr alles richtig gemacht: Beginnt man in den ersten 24 Stunden des Krankheitsausbruchs mit der Behandlung, liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei 100 Prozent.

Ist das Malaria-Infektionsrisiko an eurem Reiseziel höher, wird der Reisemediziner zuerst einmal von einer Reise abraten, wenn die mitreisenden Kinder unter fünf Jahre alt sind. Das Risiko von Komplikationen bei einer Malaria-Erkrankung ist dann so groß, dass es nach Möglichkeit nicht eingegangen werden sollte.

Bei älteren Kindern, deren Organismus eine Malaria besser vertragen würde, müssen die Eltern selbst entscheiden (wie für sich selbst ja auch – eine Malaria ist keine einfache Erkältung!). Der Arzt wird dann in jedem Fall eine sogenannte Chemoprophylaxe verordnen. Dazu wird dasselbe Malaria-Medikament über einen längeren Zeitraum eingenommen.

Welchen Wirkstoff er verordnet, entscheidet der Arzt nach der Art des Malaria-Erregers, dem Alter und eventuellen Unverträglichkeiten des Reisenden. In vielen Gebieten der Welt sind die Malaria-Erreger inzwischen resistent gegen einzelne Medikamente geworden; eine genaue Abwägung ist daher bei der Auswahl des richtigen Mittels sehr wichtig.

 

Erfahrungsbericht Sowohl als Standby als auch zur Prophylaxe stehen aktuell hauptsächlich drei Wirkstoffe zur Auswahl:

  • Mefloquin (Markenname: Lariam/Mephaquin) – viele gute Erfahrungen, sehr preiswert, auch geeignet für Kleinkinder, stärkere Nebenwirkungen vor allem bei höherer Dosierung; Resistenzen in einigen Gegenden Südostasiens
  • Atovaquone/Proguanil (Markenname: Malarone) – teuer, aber gute Last-Minute-Prophylaxe
  • Doxycyclin (Markenname: Supracyclin/Doxysol und andere) – kein “richtiges” Malaria-Medikament, aber mit sehr guten Erfahrungen, nicht zur Selbstbehandlung zugelassen
  • Chloroquin (Markenname: Chlorochin, Nivaquin) – unter Umständen auch in der Frühschwangerschaft geeignet
  • Proguanil (Markenname: Paludrin) – sehr gut verträglich, meist nur noch kombiniert mit Chloroquin verwendet

Nicht mehr verordnet werden Halofantrin (Markenname: Halfan), Amodiaquin (Markenname: Camoquin) und Sulfadoxin (Markenname: Fansidar).

 

Malaria-Medikamente, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden (einige Tage bis Wochen vor der Abreise, während der gesamten Reisezeit und noch eine gewisse Zeit nach der Rückkehr), belasten den Organismus zum Teil stark und können unerwünschte Nebenwirkungen haben – oft kommt es zu Verdauungsstörungen, Alpträumen und Depressionen oder auch Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Das sind nicht unbedingt Dinge, die man im Sommerurlaub braucht!

Andererseits sind eventuelle Nebenwirkungen auf jeden Fall weniger unangenehm als eine durchgemachte Malaria-Erkrankung – besonders für Kinder!

Habt ihr mit der Einnahme der Chemopropylaxe begonnen, müsst ihr auf jeden Fall durchhalten und an die tägliche Einnahme denken, auch wenn unangenehme Nebenwirkungen auftreten. Nur so schützt ihr euch dauerhaft vor einer Malaria-Infektion. Ähnlich wie beim Impfen, schützt ihr mit diszipliniertem Einnehmen nicht nur euch, sondern auch den Rest der Menschheit vor entstehenden Resistenzen der Erreger.

 

TippTipp: Nehmt die Tabletten immer zusammen mit einer Mahlzeit ein, dann sind sie besser verträglich. Bei Malarone ist das sogar vorgeschrieben, damit das Medikament überhaupt wirksam ist.

 

Auch wenn ihr sie selbst bezahlen müsst und eine Schachtel um die 50 Euro kostet: Kauft die Malaria-Mittel, die man euch verschrieben hat, hier in Europa! In Ländern der Zweiten und Dritten Welt werden oft gefälschte oder weniger wirksame Medikamente verkauft.

 

Was tun, wenn es doch passiert?

 

Gegen Malaria kann man sich vielfältig schützen

Gegen Malaria kann man sich vielfältig schützen

© Nenov Brothers - Fotolia.com

Erst einmal: Ruhe bewahren. Nicht jedes Fieber muss eine Malaria sein; habt ihr euch entsprechend vorsichtig verhalten (siehe oben), ist es eher unwahrscheinlich. Die Inkubationszeit für Malaria liegt bei mindestens fünf Tagen; jedes Fieber, das man vorher bekommt, scheidet also auf jeden Fall aus.

Der Bluttest beim Arzt zeigt schnell und zuverlässig, ob Malaria-Erreger für das Fieber verantwortlich sind; in diesem Fall wird der Arzt weitere Tests machen, den Allgemeinzustand des Kranken untersuchen und ein EKG anordnen. Ist der Zustand nicht allzu schlecht, wird der Arzt das passende Malaria-Medikament verordnen (keine Angst: eure Auslandsreisekrankenversicherung erstattet das), das ihr über die nächsten zwei bis drei Tage einnehmen müsst. Die Behandlung erfolgt dann ambulant; das heißt, ihr müsst nicht ins Krankenhaus.

 

TippFragt den Arzt, ob er Erfahrung mit Malaria-Diagnose hat – wenn möglich, wendet euch an ein internationales Krankenhaus mit spezialisierten Tropenmedizinern oder mit einem spezialisierten Labor. Wenn das Testergebnis nicht nach wenigen Stunden vorliegt, ist es wertlos!

 

War der Test negativ und der Zustand des Patienten bessert sich trotzdem nicht oder das Fieber kehrt wieder, dann besteht nach zwölf Stunden auf einem erneuten Test! Im Anfangsstadium der Malaria sind noch sehr wenige Plasmodien im Blut und werden bei der Diagnose mitunter übersehen.

Achtung: Auch bis zu sechs Monate nach eurer Rückkehr aus einem Malaria-Gebiet solltet ihr bei jedem Fieber an Malaria denken und dem Arzt mitteilen, wo ihr gewesen seid! Einige Formen der Malaria können auch noch Jahre später auftreten.

 

Habt ihr Erfahrung mit Tropenreisen? Wie geht ihr mit dem Malaria-Risiko um?

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