Gesund im Urlaub mit KindMasern auf ReisenMasern sind keine harmlose „Kinderkrankheit“! Was ihr vor einer Reise wissen müsst

Masern, eine harmlose Kinderkrankheit? Immer mehr Menschen gehen sorglos mit dem Thema um. Die Folge: Eine zunehmende Zahl von Neuerkrankungen. Das kann für Babys und Ungeimpfte auf Reisen zur Gefahr werden.

Teil 6 von 15 der Serie Gesund im Urlaub mit Kind

von KidsAway-Redaktion

Masern sind wieder auf dem Vormarsch - lasst euch impfen! © trueffelpix - Fotolia.com

Masern sind wieder auf dem Vormarsch - lasst euch impfen!

© trueffelpix - Fotolia.com

Ansteckende Krankheiten sind ein Thema, über das sich Eltern kleiner Kinder vor einer Reise viele Gedanken machen. Unterwegs in anderen Ländern, mit Kontakt zu fremden Menschen, sind Kinder einer Vielzahl unbekannter Erreger und Keime ausgesetzt – eine Chance für das Immunsystem oder eine lauernde Gefahr?

Während die einen rundum vorbeugen und sich gegen möglichst jede schwere Krankheit impfen lassen, sehen andere Eltern die Infektionsgefahr aus einer anderen Perspektive und trauen es ihren Kindern zu, mit „Kinderkrankheiten“ selbst fertig zu werden.

Immer mehr Menschen vergessen es aber schlicht, sich über mögliche Krankheiten und Impfungen zu informieren – mit bedenklichen Folgen für uns alle.

Groß angelegte Impfkampagnen in den vergangenen Jahrzehnten konnten schwere Krankheiten wie die Pocken und Kinderlähmung nahezu ausrotten. Inzwischen macht sich allerdings Sorglosigkeit breit. Besonders bei den als „Kinderkrankheit“ bekannten Masern öffnete sich in den letzten Jahren eine Impflücke. Viele Menschen, die in ihrer Kindheit keine Masern „durchgemacht“ haben, vergessen, dass sie nach wie vor ungeschützt sind – und erleiden dann als Erwachsene einen schwereren Krankheitsverlauf oder stecken ungeimpfte Babys oder Schwangere an.

 

Was sind Masern eigentlich?

Masern sind mehr als ein harmloser Hautausschlag mit Fieber. Das hochansteckende Virus kann vor allem bei Babys, jungen Erwachsenen und Ungeborenen zu schweren Komplikationen, lebenslanger Behinderung oder zum Tod führen.

Als „Kinderkrankheit“ gelten Masern, weil (in einer ungeimpften Bevölkerung) vor allem Kinder daran erkranken. Symptome sind die typischen roten Hautflecken, Fieber und ein generelles Krankheitsbefinden.

Eine Maserninfektion läuft in zwei Schüben ab: Etwa zwei Wochen nach der Infektion zeigen sich für etwa drei bis vier Tage die normalen Anzeichen eines grippalen Infekts: „verrotzt, verheult, verschwollen“ lauten die Beschwerden. Erwachsene leiden hier bereits unter sehr hohem Fieber, Übelkeit und Kopfschmerzen.

Das zweite Krankheitsstadium wird durch den einsetzenden Hautausschlag eingeläutet, der hinter den Ohren beginnt und den ganzen Körper bedecken kann. Auch hier kommt es wieder zu einem Fieberschub. Bei einem Drittel der Erkrankten treten außerdem weitere Komplikationen auf: am häufigsten Durchfall, Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen.

Danach ist es geschafft – bei den meisten Kindern und Erwachsenen heilt die Krankheit folgenlos ab und sie sind danach lebenslang immun. Hin und wieder, vor allem wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird, kommt es jedoch zu gefährlichen Lungenentzündungen oder Hirnentzündungen. Gefürchtet ist die unheilbare Spätkomplikation SSPE, die erst Jahre nach der Erkrankung auftreten kann.

 

Masern-Impfung: Das müsst ihr wissen

Ein kleiner Piks schützt vor den Masern © luiscarceller - Fotolia.com

Ein kleiner Piks schützt vor den Masern

© luiscarceller - Fotolia.com

Die Masernimpfung schützt nicht nur vor der Erkrankung an sich und vor den gefährlichen Komplikationen. Ebenso wichtig ist der mittelbare Schutz von Neugeborenen, Impfversagern und Kranken, die nicht geimpft werden können – die sogenannte Herdenimmunität.

Anders als mit einer Impfung kann man sich nicht vor einer Infektion mit Masern schützen, denn das Virus ist zum einen hochansteckend und zum anderen bricht die Krankheit erst nach etwa zwei Wochen aus – ein langer Zeitraum, in dem man bereits andere Menschen ansteckt. „Ungeimpfte Menschen gefährden sich und andere”, mahnt deshalb der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte Dr. Albring.

Die meisten Ärzte verwenden einen Kombinationsimpfstoff (Masern-Mumps-Röteln, eventuell auch Windpocken), es gibt aber auch einen Einzelimpfstoff. Der abgeschwächte Lebendimpfstoff schützt 95 Prozent der Geimpften schon nach einer Impfung ausreichend vor einer Maserninfektion. Eine zweite Impfung, die schon nach einem Monat erfolgen kann, stellt sicher, dass auch „Impfversager“ geschützt sind: Danach sind über 99 Prozent der Geimpften lebenslang immun.

 

ErfahrungsberichtDer Impfkalender der deutschen StIKo empfiehlt die erste Masernimpfung zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten. Wer nach 1970 geboren wurde und nicht oder nur einmal geimpft ist, soll sich ebenfalls gegen Masern impfen lassen. Das gilt auch für alle, die schon einmal Maserngehabt haben!

In Österreich werden zwei Impfungen im zweiten Lebensjahr empfohlen, eine kostenlose Wiederholungsimpfung bietet der öffentliche Gesundheitsdienst zum Schuleintritt und nochmals im 13. Lebensjahr an.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit empfiehlt zwei Impfungen, mit zwölf Monaten sowie mit 15 bis 24 Monaten.

 

Deutsche Kinder sind vergleichsweise gut gegen Masern geschützt: Über 90 Prozent waren 2012 bei der Einschulung geimpft.In Österreich lag die Rate für die Erstimpfung im Jahr 2006 nur bei 80 Prozent, gerade mal 61 Prozent der Kinder erhielten die Zweitimpfung. Die Impfrate bei Schweizer Kindern wurde zur selben Zeit auf etwa 70 Prozent geschätzt.

Habt ihr an den Auffrischungstermin eurer Masernimpfung gedacht?

 

ErfahrungsberichtWo ihr euch auf Reisen mit Masern infizieren könnt

Masern sind mitnichten eine exotische Krankheit, die in Entwicklungsländern grassiert – ausgerechnet bei uns in Mitteleuropa (vor allem in Frankreich, Italien und Rumänien) gibt es immer mehr Neuinfektionen. Seit 2009 haben sich die Meldungen vervierfacht. Aktuell macht die Masernwelle in Berlin von sich reden, wo seit Oktober 2014 über 400 Menschen erkrankt sind. Die Erreger wurden aus Serbien und Bosnien-Herzegowina eingeschleppt, wo seit 2014 mehrere Tausend Masernfälle gemeldet wurden.

Massenhafte Krankheitsausbrüche gab es in den letzten Jahren auch in Israel, Südafrika und Pakistan. In Nord- und Südamerika oder Finnland (wo Impfpflicht herrscht) sind dagegen in den letzten zehn Jahren fast keine Masernfälle mehr aufgetreten.

 

Wie ihr euch auf Reisen vor Masern schützen könnt

Da das hochansteckende Masernvirus nicht nur durch direkten Kontakt, sondern auch durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, bringen Hygienemaßnahmen wie Desinfektion und Händewaschen nur wenig an Schutz. Infizierte Menschen können euch schon drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags und bis zu vier Tage danach mit Masern anstecken – ohne dass sie es selbst wissen.

Die einfachste und sicherste Möglichkeit, sich vor einer Maserninfektion zu schützen, ist daher die Impfung. Wie ihr gelesen habt, lohnt sich eine Beratung beim Reisemediziner nicht nur bei Urlaub in exotischen Ländern – erkundigt euch genau nach der Zahl der Maserninfektionen an eurem Reiseziel und prüft euren Impfpass, auch wenn ihr glaubt, die Masern bereits gehabt zu haben.

Babys sind, solange sie die erste reguläre Masernimpfung noch nicht erhalten haben, auf Reisen besonders gefährdet. Bis etwa zum neunten Lebensmonat geht man davon aus, dass Säuglinge durch Antikörper aus dem Blut ihrer Mutter geschützt sind (diese werden nicht durch das Stillen übertragen, sondern bereits vor der Geburt über die Plazenta).

Wollt ihr auf Nummer sicher gehen, könnt ihr euer Baby auch schon vor dem empfohlenen Termin impfen lassen, frühestens ab dem zehnten Monat ist das möglich. Hier müsst ihr auch das Risiko abwägen, inwieweit sich euer Baby über ungeimpfte ältere Geschwister oder ungeimpfte Eltern mit Masern anstecken kann. Bei so kleinen Kindern ist der Krankheitsverlauf oft schwerer und die Gefahr dauerhafter Schäden ist höher.

Noch gefährlicher sind Masern für Ungeborene: Erkrankt eine Schwangere an Masern, geht das Virus auch auf den Fötus über und führt in einem Viertel der Fälle zu vorzeitigen Wehen und einer Frühgeburt. Genauso wichtig wie der Impfschutz für eure Kinder ist also die Impfung für euch selbst!

 

Der Ernstfall: Was tun, wenn ihr auf Reisen an Masern erkrankt?

Ob hohes Fieber und Unwohlsein bei eurem Kind (oder euch selbst) auf Masern zurückzuführen sind, stellt der Arzt durch eine Blutprobe fest. Legt beim Arztbesuch im Urlaub immer euren Impfausweis vor und behaltet die Möglichkeit einer Maserninfektion im Hinterkopf, vor allem wenn ihr nicht geimpft seid. Es ist dann übrigens fair von euch gegenüber anderen Arztbesuchern, wenn ihr euch nicht einfach ins Wartezimmer setzt, sondern die Arztpraxis oder das Krankenhaus vorher telefonisch über euren Verdacht informiert.

Werden sie rechtzeitig erkannt, kann nicht nur ein schwerer Krankheitsverlauf verhindert werden, sondern auch die Ausbreitung der Masern in eurem Umfeld – etwa bei anderen Hotelgästen oder Besuchern eines Restaurants.

 

ErfahrungsberichtIn den meisten Ländern sind die Masern meldepflichtig, auch in Deutschland.

 

Ein spezielles Medikament gegen Masern gibt es nicht. Der Patient muss Bettruhe einhalten und sollte viel trinken. Manchmal sind Antibiotika gegen Komplikationen wie eine Mittelohr- oder Lungenentzündung nötig.

Zugegeben: In der Mehrzahl der Fälle heilt eine Maserninfektion ohne Folgen ab. Aber im Urlaub bis zu zwei Wochen lang fiebernd im Bett zu liegen, nicht unter Menschen gehen zu dürfen und Angst vor schweren Komplikationen haben zu müssen – das erscheint uns wenig erstrebenswert.

Die oft beschworenen Impfschäden nach Masernimpfungen sind heiß umstritten. Bis heute wurde in keiner Studie nachgewiesen, dass hierdurch Allergien, Asthma, Autismus oder andere schwere Krankheiten ausgelöst wurden. Das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel konnte in einer Auswertung aller Masernverdachtsfälle zwischen 2001 und 2012 kein Risiko entdecken, das einer Impfempfehlung entgegenstehen würde.

Bitte prüft euren Impfstatus und lasst euch und eure Kinder gegen Masern impfen – damit wird die Impfung vielleicht schon für unsere Enkel überflüssig, wenn die Krankheit endlich ausgerottet ist!

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