SonnenschutzRaus mit euch! Warum Sonne gut für euch und eure Kinder ist

Die Volksweisheit, dass Bewegung an frischer Luft Kindern und Erwachsenen gut tut, ist vollkommen richtig. Statt „frische Luft“ sollte man aber ganz direkt „im Sonnenlicht“ sagen, denn genau dieses ist für uns unheimlich wichtig.

von KidsAway-Redaktion

Sonne ist für Kinder genauso wichtig wie Sonnenschutz © detailblick-foto - Fotolia.com

Sonne ist für Kinder genauso wichtig wie Sonnenschutz

© detailblick-foto - Fotolia.com

Bald beginnt der Sommer. Endlich wärmt die Sonne so richtig und die Temperaturen locken zum draußen Spielen. Vorsichtige Eltern im ganzen Land zücken jetzt die Sonnencreme-Tuben und mahnen die Kinder, ihre Sonnenhüte (selbstverständlich mit Ohren- und Nackenschutz) zu tragen. Mittags sind die Spielplätze verwaist, weil um diese Zeit die UV-Strahlung bekanntlich gefährlich stark ist.

Der allgegenwärtigen Angst vor der gefährlichen Sonnenstrahlung stellt sich allerdings in den letzten Jahren ein Warnruf aus Expertenkreisen entgegen: Wir sind nicht zu viel in der Sonne, sondern im Gegenteil viel zu wenig!

 

Zu viel Sonnenschutz?

Jahrelange Warnungen vor den Gefahren der Sonne haben dafür gesorgt, dass wir unsere Kinder heute nahezu panisch schützen: nicht zwischen 11 und 15 Uhr rausgehen, im Hochsommer nur im Schatten aufhalten, die Haut immer mit UV-Schutzkleidung oder Sunblocker bedecken. „Nur blasse Haut ist gesunde Haut“, lautet die Devise – und jede Bräunung macht uns Eltern ein schlechtes Gewissen.

Nach Meinung vieler Ärzte und Forscher tun wir damit aber der Gesundheit unserer Kinder keinen Dienst: Wenn wir bereits die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings konsequent vermeiden, kann die Haut keinen Eigenschutz aufbauen – den sie durchaus allein aufbauen kann, wenn wir uns täglich für längere Zeit draußen aufhalten.

Eine „gesunde Bräune“, in heimischen Gefilden mit geringer UV-Strahlung aufgebaut, kommt uns dann im Sommerurlaub zu pass, wenn unsere Haut die intensive Sonnenstrahlung in südlichen oder gar tropischen Ländern meistern muss.

Momentan ist es leider so, dass die meisten von uns mit vornehmer Büroblässe in den Sommer starten – und dann am Strand schnell „richtig braun“ werden wollen. Diese „Sofortbräunung“ entsteht aber vor allem durch UVA-Strahlen, die für unsere Haut sehr schädlich sind. Für eine langsame, schonende und dauerhafte Bräunung sorgen dagegen die UVB-Strahlen – die gibt es allerdings fast nur während der Mittagszeit und genau die werden auch gebraucht, damit unser Körper Vitamin D erzeugen kann.

 

Warum Sonnenlicht gesund und lebenswichtig ist: Vitamin D und Serotonin

Über die UVB-Strahlen des Sonnenlichts bildet unser Körper den überwiegenden Anteil des lebenswichtigen Vitamins D (nur etwa zehn Prozent werden über die Nahrung aufgenommen, vor allem über Milch und fetten Fisch). Das geht aber nur, wenn wir uns mit möglichst viel freier Haut möglichst oft draußen im Sonnenlicht aufhalten.

In Mitteleuropa ist die Sonnenstrahlung nur in der Mittagszeit und nur in den Monaten April bis September/Oktober stark genug, um die Vitamin-D-Produktion ausreichend anzuregen. Dazwischen herrscht der sogenannte „Vitamin-D-Winter“, in dem der Körper auf seine Reserven angewiesen ist.

Dass diese bei immer mehr Menschen nicht ausreichen, haben unter anderem Studien des Robert-Koch-Instituts und die KiGGS-Studie in den letzten Jahren gezeigt. Schuld ist unser Drinnen-Herumsitz-Lebensstil, aber auch der immer konsequentere Schutz vor Sonnenstrahlen. Ein Großteil der Deutschen leidet unter extremem Vitamin-D-Mangel; vor allem Jugendliche, Schwangere und Neugeborene sowie alte Menschen sind davon betroffen.

 

TippVitamin-D-Spiegel bestimmen lassen

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr euren Vitamin D-Spiegel im Blut beim Arzt bestimmen lassen. Der Wert sollte zwischen 50 und 75 nmol/l liegen.

 

Was das bedeutet? Man fühlt sich abgeschlagen, antriebslos und müde – sogar Depressionen können die Folge von zu wenig Sonnenlicht (und damit Vitamin-D-Mangel) sein. Auch gegen eine ganze Reihe von Krankheiten soll ein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel schützen: Von  Muskelschwäche und Verstopfung über Allergien und Asthma bis zu Übergewicht und Diabetes im Kindesalter reicht das Spektrum.

Für Kinder und Jugendliche ist Vitamin D vor allem deshalb so wichtig, weil es den Knochenaufbau unterstützt. Genau aus dem Grund bekommen Babys und Kleinkinder Vitamin-D-Präparate als Tropfen oder Tabletten zugeführt, und genau aus dem Grund sind Babys und Kleinkinder die einzige Bevölkerungsgruppe, deren Vitamin-D-Spiegel ausreichend hoch ist.

Genug Sonnenlicht macht aber nicht nur gesund, sondern auch glücklich: Neben der Produktion von Vitamin D regt die Sommersonne auch das Glückshormon Serotonin an, das für gute Stimmung sorgt und wach macht. Fehlt uns Sonne, schüttet unser Hirn im Gegenteil das Hormon Melatonin aus – davon werden wir müde.

 

Wie viel Sonne ist gesund?

Sonnenschutz ist wichtig - aber wir sollten es damit nicht übertreiben © Sunny studio - Fotolia.com

Sonnenschutz ist wichtig - aber wir sollten es damit nicht übertreiben

© Sunny studio - Fotolia.com

Eines ist ganz klar: Ein Sonnenbrand ist ein eindeutiges Zeichen für zu viel Sonne. Er sollte unbedingt vermieden werden, natürlich auch mit Zuhilfenahme von Sonnencreme und Sonnenschutzkleidung.

Ansonsten gilt, wie so oft: Es kommt darauf an. Wie viel Sonnenlicht ausreicht, um eine gesundheitliche Wirkung zu haben, hängt von vielen individuellen Einflüssen ab:

  • Dauer des Sonnenbads
  • Hauttyp und genetische Ausstattung (zum Beispiel Neigung zu Melanomen und Hautkrebs)
  • unbedeckte Hautfläche
  • Stand der Sonne, Tageszeit und Jahreszeit
  • geografische Lage und Höhe
  • Ozonschicht und Luftverschmutzung vor Ort
  • Bewölkung
  • Ernährungszustand und Körperfettanteil

 

Großen Einfluss hat natürlich auch der Sonnenschutz: Schon ein Lichtschutzfaktor 20 verhindert die Vitamin-D-Bildung über die Haut fast vollständig.

Anstatt Kinder vorsorglich immer mit Sonnencreme und anderen Maßnahmen zu schützen, raten Experten dazu, dies erst bei längeren Aufenthalten an der Sonne zu tun. Ansonsten kann man der Haut ruhig ein wenig gesunde UVB-Strahlung zur Mittagszeit gönnen, die zum einen für eine langanhaltende Bräunung (und damit den Aufbau des hauteigenen Sonnenschutzes) sorgt und zum anderen für die Versorgung mit Vitamin D.

Eine hilfreiche Faustregel lautet: „Vitamin D kann nur dann über die Haut gebildet werden, wenn mein Schatten kürzer ist als meine Körpergröße.“

 

Was empfehlen Ärzte Babys und Kindern?

Da die meisten Schwangeren bereits zu wenig Vitamin D im Körper haben, sind auch Säuglinge damit oft schlecht versorgt. Die Babyhaut ist für ein Sonnenbad zur Mittagszeit jedoch noch viel zu empfindlich.

Zum Glück gibt es hier die Vitamin-D-Präparate, die heute fast jedes Kind in Deutschland vom Kinderarzt kostenlos verschrieben bekommt. Nutzt diese Präparate, um den Vitamin-D-Speicher eures Babys zu füllen! Neben den vielen gesundheitlichen Vorteilen hilft das der Babyhaut auch, einen Eigenschutz vor den Sonnenstrahlen aufzubauen – und desto eher und länger könnt ihr euren Kleinen den Aufenthalt im Sonnenlicht zumuten.

 

Tipp

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt:

  • Babys sollten ab der zweiten Lebenswoche bis zum zweiten Frühsommer ihres Lebens ein Vitamin-D-Präparat mit 400 bis 500 IE bekommen.
  • Ab dem Kleinkindalter halten sich Kinder am besten mindestens eine Stunde am Tag draußen zum Spielen auf.
  • Zwischen April bis September wird allen Kindern ab zwei Jahren empfohlen, mindestens zweimal wöchentlich in der Mittagszeit zwischen 10 und 15 Uhr für fünf bis 30 Minuten (je nach Hauttyp) mit unbedecktem Kopf, freien Armen und Beinen draußen zu spielen.

 

Um genügend Vitamin D bilden zu können, braucht der Körper pro Tag etwa eine Viertelstunde UVB-Sonnenstrahlung – ungehindert durch Sonnenschutzmaßnahmen. Während ihr Babys in der Mittagszeit wirklich konsequent im Schatten lassen solltet, dürfen Kinder ab etwa zwei Jahren dann durchaus kurz in der Sonne spielen.

Wohlgemerkt: Ihr müsst keine Sonnenbäder auf der Liege verordnen. Es genügt, wenn eure Kinder in Badesachen (ohne UV-Schutzanzug) oder kurzer Sommerkleidung im Park unter Bäumen herumtollen oder am Strand unter einem Sonnenschirm buddeln; dabei gelangt genug Sonnenlicht auf die Haut.

 

TippEin Sonnenhut ist immer gut

Eigenschutz und Vitamin-D-Bildung gut und schön – der Kopf, der ohnehin das ganze Jahr über die meiste Sonne abbekommt, darf im Sommer durchaus konsequent mit einem breitkrempigen Hut bedeckt werden. Damit schützt ihr auch die Netzhaut der Augen, die keine Sonnengewöhnung braucht.

 

Wir sind gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema! Wie haltet ihr es mit dem Sonnenschutz bei euren Kindern?

 

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Kommentar als Gast schreibenKommentar (1)

  • Julia

    Der erste Beitrag weit und breit, der überhaupt mal erwähnt, dass Kinder, wenn sie auch im Frühjahr schon viel draussen sind, einen Eigenschutz aufbauen: sie werden schön langsam braun. Ich halte die ganze Eincremerei und Huttragerei schon bei Kleinkindern für völlig hysterisch und schädlich – und für einen grossen Erfolg der Kosmetikindustrie. Gefährlich ist es, wenn man seine blasse, sonnen-ungewohnte Haut dann plötzlich in Spanien oder sonstwo im Süden der Sonne aussetzt. Meine 5 Geschwister und ich, heute zwischen 50 und 70, haben als Kinder nie eine Sonnencreme gesehen, waren aber rund ums Jahr immer viel draussen, angezogen oder nicht angezogen, wie wir wollten. Wir waren natürlich im Sommer knackig braun. Keiner von uns hat bisher Hautkrebs gehabt.

    Antworten | 21. Juni 2016

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