ReisemedizinTipps vom Arzt: Sichere Reiseziele mit Baby und Kleinkind

Welche Reiseziele sind für Babys und Kleinkinder gut geeignet? Wovon raten Reisemediziner Familien mit kleinen Kindern ab? Im Vorfeld der weltgrößten Tourismusmesse ITB Berlin empfiehlt das Centrum für Reisemedizin (CRM), Urlaubsziele dem Alter der Kinder entsprechend auszuwählen.

von KidsAway-Redaktion

Vor dem Urlaub mit Kleinkind am besten einen Reisemediziner konsultieren © Pixabay

Vor dem Urlaub mit Kleinkind am besten einen Reisemediziner konsultieren

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Reisen mit Babys und Kleinkindern ist absolut empfehlenswert und für Eltern und Kinder eine wertvolle Erfahrung. Aber: Für so junge Kinder bestehen in mancher Hinsicht besondere Risiken und Gefahren. Die sollten Eltern kennen, bevor sie sich für ein Reiseziel entscheiden.

Eure erste Anlaufstelle vor einer Reise mit Baby oder Kleinkind ist daher am besten ein Arzt – euer Kinderarzt, ein Reisemediziner oder auch ein ausgewiesenes Zentrum für Reisemedizin (die gibt es in vielen Städten).

Wir haben uns einen ausgewiesenen Fachmann geschnappt: Dr. Mathias Wagner ist Kinderarzt in Berlin UND Reisemediziner im Centrum für Reisemedizin (CRM).

 

Reiseplanung mit Baby und Kleinkind: vorsorgen mit Informationen

Drei Faktoren sollten Baby- und Kleinkind-Eltern bei der Wahl des Urlaubsziels beachten: die Entfernung, die medizinische Infrastruktur und das Klima.

„Ist das Ziel zu weit weg und eine Anreise somit mit vielen Strapazen verbunden, die medizinische Infrastruktur vor Ort nicht gut ausgebaut oder das Klima extrem, sollten Eltern ihren Kindern die Reise besser nicht zumuten“, sagt Dr. Wagner. Als Kinderarzt nimmt er bei reisemedizinischen Beratungen die Rolle eines Anwalts des Kindes ein.

Dr. Wagner gibt zu bedenken: „Kinder haben eine verminderte Anpassungsfähigkeit gegenüber Kälte, Hitze und Höhe.“ Auf klimatische Extreme reagieren sie mitunter viel empfindlicher als Erwachsene.

Eine Gefahrenquelle ist aus Sicht des Reisemediziners auch das unbedarfte Verhalten vieler Kleinkinder: „Sie laufen auf Tiere zu und haben dadurch ein anderes Risiko.“

Zu diesem Risiko zählt bei Kleinkindern und Babys auch, dass fast alles im Mund landet, was sie in die Finger bekommen. Sie können deshalb auch nicht mit DEET-haltigen Mückenschutzmitteln (Repellentien) eingecremt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sie das Insektengift abschlecken.

 

Sichere Reiseziele für Babys und Kleinkinder wählen

Die Tigermücke überträgt gefährliche Infektionskrankheiten © Pixabay

Die Tigermücke überträgt gefährliche Infektionskrankheiten

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Dr. Wagner appelliert an alle Eltern, sich vor einer Reise über mögliche Gefahren zu informieren. Er hat in seiner Praxis auch schon Eltern beraten, die einen Flug in ein Malariarisikogebiet nicht gebucht hätten, wenn sie die Gefahr vorher gekannt hätten.

„Im Allgemeinen sind die Eltern vernünftig“, so Dr. Wagners Erfahrung. Deshalb sagt der Experte auch: „Natürlich muss man Vorsorge treffen und Rücksicht nehmen, aber Eltern sollten sich nicht zu Sklaven des Kindes machen.“

Mit der richtigen Vorbereitung übersteht ihr und euer Baby auch einen Langstreckenflug mit Zeitverschiebung unbeschadet. Dr. Wagner rät dazu, den Tagesrhythmus schon im Vorfeld auf den Flug hin umzustellen: „Im Idealfall sind die Kinder müde und die Eltern ausgeruht.“

Echte No-Go-Ziele für Familien kennt der Experte kaum. Nur von drei Regionen auf der Erde rät er mit kleinen Kindern eindeutig ab:

Auf den indonesischen Sunda-Inseln östlich von Lombok bis Papua-Neuguinea und im tropischen Ost-, West- und Zentralafrika herrscht ein extrem hohes Risiko, an der gefährlichen Malaria tropica zu erkranken. Und auf dem südamerikanischen Altiplano droht die Höhenkrankheit.

Nicht nur das Erkrankungsrisiko ist in diesen Regionen hoch. Dort ist zugleich die medizinische Versorgung sehr dürftig.

 

Malaria: die größte Gefahr für Kleinkinder

Kleine Blessuren sind auf Reisen normal © Angela Misslbeck

Kleine Blessuren sind auf Reisen normal

© Angela Misslbeck

Gefährlich sind Höhenkrankheit und Malaria fürs Babys und Kleinkinder, nicht nur weil ihr Organismus noch schwach ist. Die Erkrankungen verlaufen zudem bei kleinen Kindern oft ohne spezifische Symptome.

Doch wenn sie nicht erkannt werden, können sie sehr schnell tödlich sein. So kann eine Malaria-Infektion bei Babys unter drei Monaten zunächst völlig fieberfrei verlaufen und nur mit Husten einhergehen.

Lässt sich ein Malariagebiet als Reiseziel mit Kleinkindern nicht vermeiden, ist ein Mückennetz der wichtigste Schutz. „Das Standbein der Malariavorsorge ist die Verhinderung von Moskitobissen“, sagt der Malaria-Experte des CRM, Professor Martin Haditsch. Mückennetze während der Nacht wirken nach seinen Angaben zu 90 bis 95 Prozent.

Tritt Fieber auf, sollte der nächste Weg direkt zum Arzt führen. Der schnelle Arztbesuch ist auch einer Gabe von Standby-Medikamenten auf Verdacht vorzuziehen.

Wie hoch das Malariarisiko in einer bestimmten Region ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So breitet sich die Malaria in Afrika zum Beispiel durch den Klimawandel in immer höher gelegene Regionen aus. Aktuell ist Venezuela nach Angaben von Prof. Haditsch von einem explosionsartigen Malaria-Ausbruch betroffen, der den Beobachtungen der Experten zufolge schon in Nachbarländer ausstrahlt.

 

TippAktuelle Informationen über das Malariarisiko in eurem Reiseland stellt das CRM auf seiner Internetseite bereit.

 

Ein zusätzliches Problem bei Reisen mit Kindern in die Tropen sind die zunehmenden weiteren Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden, wie etwa Dengue, Chikungunya oder Zika-Virus. Damit Kinder dagegen geschützt sind, müssen sie auch tagsüber Mückenschutz tragen, und das bedeutet: Die Eltern müssen sie konsequent eincremen.

„Versuchen Sie, ein Vorschulkind jeden Tag mit Repellentien einzucremen. Das wollen die nicht. Da gibt es jeden Tag Geschrei. So etwas sollten Eltern sich vorher überlegen“, rät Kinderarzt Dr. Wagner.

Das sind die gefährlichsten Virus-Erkrankungen für Kinder auf Reisen

 

Mit Kleinkindern nach Nepal oder Bolivien?

Hoch hinaus mit kleinen Kindern? Besser noch nicht © Pixabay

Hoch hinaus mit kleinen Kindern? Besser noch nicht

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Reisen in höhere Regionen könnt ihr unternehmen, wenn eure Kinder aus dem Gröbsten heraus sind. Ab einem Alter von rund fünf bis sechs Jahren passen sie sich leichter an die Höhe an und können die Beschwerden, mit denen eine Höhenkrankheit verbunden ist (zum Beispiel Atemnot oder Kopfschmerzen) eher äußern.

Plant ihr eine Reise auf den bolivianischen Altiplano oder in den Himalaya, dann testet die Höhentauglichkeit eurer Familie erst einmal bei einer Hüttentour in den Hochalpen.

Vor Ort solltet ihr nicht mehr als 300 Höhenmeter an einem Tag ansteigen, so der Expertenrat. Zusätzliche Sicherheit gewinnt ihr, wenn ihr euch zur Anpassung an die Höhe zunächst Orte sucht, von denen ihr notfalls schnell wieder in tiefere Regionen gelangt.

 

Vorsorgen mit Impfungen und Reiseapotheke

Wer vorher weiß, worauf er sich bei einem Reiseziel einlässt, kann sich entsprechend vorbereiten. Das ist auch wichtig, weil für viele Fernreisen spezielle Impfungen nötig sind.

Vor Last-Minute-Buchungen sollten Familien deshalb prüfen, welche Reiseschutz-Impfungen für das Urlaubsgebiet empfohlen oder gefordert werden. Gegen manche Erkrankungen gibt es auch Schnellimmunisierungen.

„Auch wenn nur wenige Tage bis zum Reisebeginn bleiben, sollten Eltern sich vor Reiseantritt wenigstens einmal reisemedizinisch beraten lassen“, rät Dr. Wagner. Er empfiehlt auch, mit Säuglingen und Kleinkindern erst dann längere Fernreisen zu unternehmen, wenn sie alle allgemeinen Schutz-Impfungen komplett durchlaufen haben.

Lässt es sich nicht vermeiden, zum Beispiel weil eine Reise beruflich oder familiär bedingt ist, dann sollten die Eltern sich erkundigen, wo sie unterwegs weitere Impfungen vornehmen lassen können. Bei beruflich bedingten Reisen ist das oft in der deutschen Botschaft des Reiselandes möglich. In anderen Fällen können internationale Krankenhäuser gute Anlaufstellen sein.

 

ErfahrungsberichtReise-Impfungen kostenlos?

Die Kosten für Reiseschutzimpfungen übernehmen in vielen Fällen die Krankenkassen. Lasst euch beim Arzt eine Rechnung in doppelter Ausfertigung geben und schickt ein Exemplar mit der Bitte um Erstattung an eure Krankenkasse (Versichertennummer nicht vergessen).

Die meisten Krankenkassen erstatten die Ausgaben. Großzügig zeigen sie sich vor allem, wenn es sich um Impfungen für Kinder handelt.

 

Zur Gesundheitsvorsorge für die Familienreise gehört auch eine gut ausgestattete Reiseapotheke. Hinein gehören neben Mitteln zur Wundversorgung (Desinfektionsmittel, Pinzette, Schere, Pflaster, Verband), Nasentropfen für den Flug, Fiebersenker (z.B. Paracetamol) und eine Elektrolytlösung bei Durchfall.

Wenn euer Kind an einer chronischen Grunderkrankung leidet, solltet ihr die anderthalbfache Menge der Medikamente einpacken, die ihr eigentlich für den Reisezeitraum braucht.

Hier findet ihr Tipps zur Einfuhr von Medikamenten in andere Länder

Dr. Wagner rät dazu, davon ein Drittel ins Handgepäck zu packen, damit ihr auch dann etwas griffbereit habt, falls der Koffer verloren geht. Notfallmedikamente gehören immer ins Handgepäck.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

In jedem Fall ist es hilfreich, wenn ihr euch im Vorfeld informiert, welche Risiken ihr bei einer Reise eingeht. Dann könnt ihr euch darauf vorbereiten und wisst, was im Notfall zu tun ist.

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Kommentar als Gast schreibenKommentar (1)

  • Es gibt jeden Tag Geschrei, wenn man Kinder mit Repellentien eincremt??? Man cremt sie doch auch mit Sonnencreme ein, sogar in Deutschland, kann ich nicht nachvollziehen. Hat er Kinder?

    Antworten | 6. März 2017

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