MeinungWas kann denn schon passieren?

Machen wir uns nicht ein Stück weit unsere Vorfreude und unser Reise-Erlebnis als Familie kaputt, wenn wir Eltern uns auf jeden erdenklichen Notfall im Urlaub vorbereiten? Ein Plädoyer von KidsAway-Redakteurin Jenny: Werft die Packlisten weg und fahrt einfach los!

von KidsAway-Redaktion

Vom Hai gefressen wird wohl kaum ein Kind auf Reisen

Vom Hai gefressen wird wohl kaum ein Kind auf Reisen

© Weltwunderer

Auf KidsAway findet ihr eine Vielzahl von Tipps, Informationen und Ratschlägen für eure Reisevorbereitung.

Zu wirklich jedem Aspekt des Reisens mit Baby und Kind gibt es etwas, was Eltern beachten sollten, wissen müssen und vorbereiten können.

Wir buchen nur kinderfreundliche Hotels mit geprüften Bewertungen, wir suchen tagelang nach Airlines mit durchschaubarer Kindersitz-Regelung und planen die Anreise mit dem Auto in Zwei-Stunden-Etappen.

Wir reisen nur dorthin, wo es weder Malaria noch Dengue noch Terroranschläge gibt. Wir drucken Reisevollmachten aus, schreiben Packlisten und optimieren sie. Wir gehen vor der Reise zum Kinderarzt, zum Tropenarzt, zum Zahnarzt.

Wir machen unser Auto winterfest und stau-kompatibel, wir speichern Spiele-Apps und Toilettenfinder auf unsere Smartphones und fragen schon vorher im Hotel nach, ob es dort WLAN fürs Babyphon gibt und ob das Zimmer kindersicher ist. Wir recherchieren, ob wir im Urlaub die gewohnte Windelmarke und den Bio-Brei für unser Baby kaufen können, und packen Taschen voll mit Pürierstäben, Tauchsiedern und Reise-Töpfchen.

Ich frage mich: Ist das nicht langsam zu viel?

 

Dass man nicht mal eben spontan losfährt, wenn es für mehrere Wochen auf Reisen gehen soll, ist klar. Und Babys und Kinder haben natürlich eigene Bedürfnisse, an die man auch im Urlaub denken muss.

Aber mit der Vorbereitung auf jeden erdenklichen Notfall kann man es auch übertreiben! Aus der Vorfreude auf eine gemeinsame Reise mit den Kindern wird dann schnell eine sorgenvolle Zeit. Man denkt nur noch an Schadensvermeidung, deckt sich vorsichtshalber mit jeder erdenklichen Extra-Ausrüstung für die Kleinen ein und überlegt im Geiste für jeden Tag und jede Situation einen Plan B.

Als wir in den Tropen unterwegs waren, stand ich anfangs ständig unter Strom: Haben die Kinder ihre Sonnenhüte auf? Habe ich sie eingecremt? Habe ich auch das Moskito-Repellent aufgetragen? Wann habe ich das zuletzt gemacht? Ist die Nase nicht schon ein bisschen gerötet? Schwitzen sie nicht zu sehr? Wann haben sie das letzte Mal getrunken? Brauchen wir nicht demnächst eine neue Wasserflasche? Wo ist der Sonnenhut? Ich war überhaupt nicht in der Lage, den Urlaub für mich zu genießen.

Mein Mann war da wesentlich entspannter. Und an dem Tag, den er mit den Kindern am Strand verbrachte, während ich mir (allein und in Ruhe) die historische Altstadt von Hoi An anschaute, erlitten sie weder einen Sonnenbrand, noch wurden sie von Moskitos zerstochen oder verdursteten jämmerlich. Sie hatten ihre Mützen nicht irgendwo fallengelassen, sie hatten getrunken, wenn sie durstig waren, und insgesamt eine wunderbare Zeit gehabt. (Und mein Mann auch.)

Zu unserer Ehrenrettung muss ich sagen: Immerhin sind wir überhaupt losgefahren! Wie oft sind andere Eltern fassungslos, dass wir uns mit kleinen Kindern nach Kambodscha, Vietnam oder auch nach Japan wagen – ist das nicht viel zu gefährlich, kann da nicht alles Mögliche passieren??

Keine Angst! Wir können unseren Kindern viel mehr zutrauen

Keine Angst! Wir können unseren Kindern viel mehr zutrauen

© Weltwunderer

Klar kann alles Mögliche passieren, wenn man mit Kindern in einem fernen Land unterwegs ist. Aber auch zu Hause in Deutschland kann alles Mögliche passieren, und damit müssen wir uns ja dann auch auseinandersetzen. Die Terroranschläge in Paris haben uns eindrücklich gezeigt, dass wir das eben einfach akzeptieren müssen, wenn wir nicht zu Hause auf dem Sofa sitzenbleiben wollen.

Ich möchte euch deshalb Mut machen: Fahrt einfach los, auch wenn ihr unsicher seid, was alles passieren könnte!

Eure Kinder sind anpassungsfähiger, als ihr glaubt. Sie essen auch mal etwas anderes als ihren Lieblings-Obstbrei, wenn es den nicht gibt, und sie werden nicht am Dengue-Fieber sterben, wenn sie ein Moskito gestochen hat (sie werden sich aber ziemlich sicher endlos kratzen, wenn ihr nicht schnell Spucke auf den Stich schmiert).

Vor unserer nächsten Reise mit Kindern wollen wir uns nicht wieder fragen „Was könnte dort alles passieren?“, sondern lieber: „Was können wir dort gemeinsam erleben, welche Erlebnisse werden unsere Kinder von dort mitnehmen?“

Zuversichtlich nach vorn schauen, uns selbst und unseren Kindern etwas zutrauen und vor allem darauf vertrauen, dass schon alles gut gehen wird – das müssen wir Deutschen wohl wirklich erst mühsam lernen. Gehen wir es an!

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