UrlaubsplanungWarum ihr mit Babys und Kleinkindern keine Fernreisen machen solltet

Alle Welt reist mit Baby in die Ferne, scheint es oft. Aber ist das wirklich so eine gute Idee? Wir polarisieren ganz bewusst und sagen: Nein, nicht unbedingt.

von KidsAway-Redaktion

Urlaub mit Baby - lieber in heimischen Gefilden © anyaberkut - Fotolia.com

Urlaub mit Baby - lieber in heimischen Gefilden

© anyaberkut - Fotolia.com

Krasser Titel, findet ihr? So ein Quatsch, ruft ihr? Vollkommen richtig, denkt ihr?

Zugegeben: Wir wollen euch mit unserem Beitrag bewusst ein wenig provozieren. Und bevor ihr uns erbost die Treue aufkündigt, versprechen wir euch eine Fortsetzung mit dem Titel: „Warum Fernreisen mit Babys und Kleinkindern eine tolle Idee sind“.

Immer mehr Eltern genießen im ersten Lebensjahr ihres Babys oder später eine Auszeit mit der Familie – am liebsten auf der anderen Seite der Erdkugel, denn seien wir ehrlich: Der deutsche Sommer ist doch schon lange nicht mehr so wie in unserer verklärten Kindheitserinnerung.

Während wir also fortwährend begeisterte Reiseberichte lesen und traumhafte Fotos von Krabbelkindern unter Palmen über die Facebook-Timeline flimmern, müssen wir uns fragen, warum wir unseren Kindern eine solche Traumreise nicht gönnen. Immerhin scheint das für Mama, Papa und Kind eine tolle Zeit zu sein!?

 

Fernreisen mit kleinen Kindern: die Risiken und Gefahren

Jein, sagen wir da – unterstützt von Kinderärzten übrigens. Die warnen bekanntlich davor, mit sehr kleinen Kindern allzu lange Autofahrten zu machen. Auch Flugreisen sind für den kleinen Organismus eine große Belastung. Ganz zu schweigen von krassen klimatischen Umstellungen à la europäischer Winter – thailändische Hitze, den hygienischen Zuständen in vielen tropischen Ländern und nicht zuletzt ansteckenden Krankheiten, gegen die es vielleicht eine Impfung gibt, die dann aber erst für ältere Kinder zugelassen ist.

So ein Reisedurchfall gehört zum Tropenurlaub schon fast dazu, und meist ist er nach ein paar Tagen ohne Folgen abgeklungen. Babys und Kleinkinder können allerdings im Nu lebensgefährlich dehydrieren. Mit Malaria sieht es ähnlich aus: prinzipiell gut zu überstehen, doch die Komplikationsraten sind vor allem bei Kleinkindern hoch. Ob man dieses Risiko unbedingt eingehen muss?

Die Haut von Kleinkindern ist unheimlich empfindlich, vor allem gegenüber UV-Strahlung. Die ist schon im deutschen Sommer nicht ohne, wie belastend muss da die Sonne in tropischen Ländern sein? Klar kann man entsprechende Schutzmaßnahmen treffen, aber ob es Spaß macht, statt am Strand den ganzen Tag im Hotelzimmer zu sitzen? (Nein, auch im Schatten am Pool bekommt ihr Sonnenbrand.)

Apropos Spaß: Den hat man garantiert nicht, wenn man mit Baby oder Kleinkind auf dem Schoß einen Interkontinentalflug antritt. Ganz abgesehen davon, dass das nicht eben sicher ist – aber ein eigener Sitzplatz im Flugzeug kostet eben auch eine Stange Geld. Und dann habt ihr euch die Mühe gemacht und die Babyschale bei der Airline angemeldet, beim Bordpersonal durchgeboxt und über den Flughafen geschleppt, nur um festzustellen, dass kein Taxi oder Mietwagen vor Ort über Gurte auf der Rückbank verfügt…

 

Dem gegenüber stehen die Vorteile eines Urlaubs in heimischen Gefilden:

  • Deutschland und Mitteleuropa sind wunderschön und ihr habt garantiert noch nicht alle Ecken entdeckt.
  • Klima und Essen sind vielleicht nicht spannend, aber vertraut. Das heißt: kein Kaputtschwitzen und keine Angst vor Sonnenbrand, keine Mäkelei am Restauranttisch und keine Gefahr von verdorbenem Kindermagen.
  • Es kann euch egal sein, ob der Euro gegenüber anderen Währungen an Wert verliert. Umrechnen müsst ihr auch nicht.
  • In der vertrauten Heimat, am besten im eigenen Auto mit eigenem Autokindersitz, seid ihr ganz entspannt unterwegs. Kein Jetlag, keine Fremdsprache und keine seltsamen fremden Sitten und Gebräuche – mit denen ihr euch zusätzlich zum anstrengenden Baby-Alltag herumschlagen müsst, wohlgemerkt.
  • Ihr seid viel flexibler! Ein Flugzeug hält nicht mal eben an und lässt euch aussteigen, wenn Junior schreit oder unbedingt eine Pause braucht.
  • Im Auto seid ihr unabhängig von Flugplänen und könnt eure Reisezeiten und das Reisetempo an eurem eigenen Familienrhythmus ausrichten.
  • Weniger weit weg heißt oft auch: weniger Gepäck. In Mitteleuropa braucht ihr vielleicht mehr lange Hosen und eine Regenjacke, dafür spart ihr euch den Windelvorrat und das Milchpulver für zwei Wochen – denn das bekommt ihr in gewohnter Qualität und zum gewohnten Preis im Supermarkt.
  • Egal wie wenig ihr mitnehmt, sobald ihr am Flughafen seid, wird sich euer Gepäck zu Bergen türmen: Versucht mal, zwei Rollkoffer, zwei Rucksäcke, einen Autokindersitz, einen Buggy, eine Wickeltasche und ein Kleinkind eine Rolltreppe hinaufzutragen. Da freut man sich doch, wenn man einfach alles in den Kofferraum eines Autos stopfen kann!
  • Unterwegs mit dem Auto und in Mitteleuropa könnt ihr aus gewohnten Zutaten euer eigenes Essen zubereiten und sogar einen Vorrat davon mitnehmen, wenn ihr wollt. Das ist nicht nur günstiger, sondern schont auch die Nerven – wenn ihr dreimal täglich mit einem zappeligen Kleinkind im Restaurant essen müsst, habt ihr spätestens nach drei Tagen die Nase voll. Und euer Kind auch.

… und was wollen wir euch damit sagen?

Zu Hause ist es am schönsten - jedenfalls für kleine Kinder © Serhiy Kobyakov - Fotolia.com

Zu Hause ist es am schönsten - jedenfalls für kleine Kinder

© Serhiy Kobyakov - Fotolia.com

Nur weil heutzutage alle Welt mit dem Nachwuchs in die Ferne jettet, heißt das nicht, dass es prinzipiell eine gute Idee ist. Eurem Kind entgeht nichts, wenn es keine frühkindlichen Erfahrungen in den Tropen sammelt.

Wenn euch schon der Gedanke an eine Tropenreise mit eurem Baby Sorgenfalten (oder Schweißtropfen) auf die Stirn zaubert – dann plant eure Urlaube in nächster Zeit lieber nahe der Heimat. Das schont die Reisekasse und bestimmt auch eure Nerven. Die andere Seite der Erdkugel entdeckt ihr dann später, wenn die Kinder bewusst Erfahrungen sammeln können und sich daran erinnern werden, was ihr gemeinsam erlebt habt.

 

Niemand kann und sollte festlegen, welche Urlaubsform für Eltern mit kleinen Kindern per se geeignet oder ungeeignet ist. Jede Familie ist anders, hat andere Ansprüche und andere Frustrationsgrenzen. Solange sich alle wohlfühlen, ist es vollkommen egal, wo ihr Urlaub macht!

Was meint ihr – Fernreise mit Baby, gute Idee oder nix für euch?

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