KidsAway-FamilieninterviewElternzeit-Weltreise mit Zwillingen

Julia und Toby sind ganz normale Eltern von ganz normalen Zwillings-Jungs. Ihre Elternzeit nutzen die reisefreudigen Berliner gerade für eine kleine Weltreise - auch ganz normal, oder?

von KidsAway-Redaktion

Planung einer Weltreise - mit zwei Babys © www.withtwinsaroundtheworld.com

Planung einer Weltreise - mit zwei Babys

© www.withtwinsaroundtheworld.com

Gemeinsame Reisen in der Elternzeit sind für immer mehr Mamas und Papas eine tolle Möglichkeit, das Zusammenleben als Familie aus ganzem Herzen zu genießen. Mit Zwillingen ist das vielleicht ein wenig schwieriger – aber das ist der normale Baby-Alltag mit zwei Schreihälsen ja ebenso.

Toby und Julia haben sich davon jedenfalls nicht abschrecken lassen und sind einfach mal losgefahren. Was sie in den letzten Monaten rund um die Welt erlebt haben und wie das mit Zwillingen so klappt, hat uns Toby im Interview erzählt.

Informationen zur Reise

Reiseziel: Weltreise
Reiseroute: Kanaren - Marokko - Spanien - USA - Kanada - Norwegen - Schweden - Japan - Berlin - ...
Urlaubsort: Weltreise
Reisedauer: 7 Monate
Teilnehmer: 2 Erwachsene, 2 Babies

Lieber Toby, bitte stell uns doch zuerst deine Familie vor: Wer seid ihr?

Wir sind vor allem die Zwillinge Justus und Juri aus Berlin. Denn die bestimmen, wo es auf den Reisen lang geht und wann wir eine Pause machen :-) Dann gibt es noch uns, Julia und Toby, die Eltern von Justus und Juri, die die Koffer packen und immer Essen für die Kleinen bereit haben.

FrageBabys haben doch so viele Bedürfnisse, man muss seinen kompletten Tag auf sie einstellen – macht es da überhaupt Sinn, zu verreisen?

Klar, ein bisschen Reisen hat noch keinem geschadet – auch keinem Baby :-) Die Bedürfnisse von Babys sind ja die gleichen, ob man nun in Deutschland, Japan oder in Kanada ist. Wichtig ist, dass man die Bedürfnisse der Kleinen genau kennt und sich bei Touren, Flügen und Unterkünften immer zuerst nach den Babys richtet. Ja, der Nachtflug zu genau der richtigen Zeit kostet 200 EUR mehr, aber das sollte es für alle dann wert sein.

 

Frage Wann ist der Plan entstanden, mit euren kleinen Zwillingen um die Welt zu reisen – und wann ging es los?

Der Plan entstand zwischen Weihnachten und Neujahr 2014. Ich war gerade wieder seit ein paar Wochen arbeiten und Julia mit den beiden Kleinen allein zu Hause. Das ging einfach nicht gut. Ich konnte die Kleinen kaum sehen und Julia konnte die Zeit mit den Kleinen kaum noch genießen.

Dann kam mein Vorschlag: Ich bleibe ein paar Monate zu Hause – aber bitte nicht in Berlin, sondern in Rio, New York, Tokio! Wir waren ja nicht mehr an einen Ort gebunden.

 

FrageWas waren eure größten Hürden oder Sorgen vor der Reise?

Viel Gepäck für eine Weltreise © www.withtwinsaroundtheworld.com

Viel Gepäck für eine Weltreise

© www.withtwinsaroundtheworld.com

Unsere Kleinen waren mit gerade fünf Monaten noch sehr klein, als wir den ersten Flug wagten. Ich glaube, die meisten Gedanken hab ich mir um den ersten Flug gemacht. Was ist, wenn irgendwas im Flug passiert!? Später ist mir klar geworden, dass jedes Flugzeug theoretisch schneller notlanden könnte, als zum Beispiel ein Kreuzfahrtschiff einen Hafen erreichen kann. Inzwischen kann ich sagen: Fliegen mit Kindern ist die beste Art zu reisen!

 

FrageWie habt ihr eure Reiseroute zusammengestellt?

Zuerst haben wir uns einfach ganz viele tolle Länder rausgesucht: Argentinien, Brasilien, Ghana, Madagaskar, Hawaii oder auch Tanzania. Dann fingen wir an, uns beim Auswärtigen Amt zu informieren: Wie ist die politische Situation, wie ist die Krankenversorgung, gibt es ansteckende Krankheiten? Da purzelten viele Länder wieder raus. Madagaskar und Tanzania sind zum Beispiel leider Malariagebiete. Dann wurden die übriggebliebenen Länder auf die Monate „gemappt“. Wir wollten möglichst die ganze Zeit Sommer haben.

Am Ende haben wir die Routen mit Hilfe von Reiseführern und dem Internet verfeinert. Geschafft haben es die Kanarischen Inseln, Marokko, Südspanien, Mallorca, Schweden, Dänemark, Norwegen, USA, Kanada und Japan.

 

Frage Welche Stationen eurer Reise waren am schönsten?

Auch in New York machen die Zwillis eine gute Figur © www.withtwinsaroundtheworld.com

Auch in New York machen die Zwillis eine gute Figur

© www.withtwinsaroundtheworld.com

Besonders imposant war die Insel Yakushima in Japan. Nach einer zweistündigen Überfahrt von Japans Hauptinsel kommt man in einer komplett neuen Welt an. Eine im Nebel hängende, vom Urwald überwachsene gebirgige Insel mitten im Ozean. Ein Traum für Wanderungen und Naturliebhaber.

Aber auch Städte haben uns beeindruckt. New York ist einfach eine tolle Stadt, da muss man nicht viel drüber sagen. Eine andere Stadt, die uns sehr im Gedächtnis geblieben ist, ist Nagasaki. Eine wirklich lebendige Stadt, die die unglaublich traurige Geschichte der Atombombe erzählt. Ein Ort zum Reflektieren über die Menschheit.

 

Frage Gab es auch Situationen, Orte oder Dinge, die euch überhaupt nicht gefallen haben?

In Schweden haben wir uns etwas schwer getan. Wir hatten die Route etwas zu optimistisch geplant. Daher konnten wir oft nur drei Tage an einem Ort bleiben und mussten zwangsläufig immer wieder die Babybetten und Koffer ein- und dann am neuen Ort wieder auspacken. Das nervte irgendwann. Aber immerhin, wir haben sofort daraus gelernt und es auf der nachfolgende Etappe in den USA anders gemacht – zum Glück!

 

FrageWo seid ihr jetzt gerade?

Gute Frage! Es ist kalt, es regnet, wir sitzen in eine Decke gekuschelt mit einem Buch auf dem Sofa – wir sind in Berlin :-) Allerdings nicht mehr lange, in drei Wochen geht es zum Ende des Jahres nach La Gomera!

 

FrageHabt ihr Flüge und Unterkünfte komplett vorgebucht oder seid ihr spontan unterwegs?

Die Flüge haben wir sehr lange im Voraus gebucht. Quasi immer, wenn ein Land und ein Monat feststanden, haben wir uns sofort darum gekümmert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Flüge nach USA, Kanada und Japan waren alle Business, da wir unsere Meilen zum Upgrade geschickt eingesetzt haben. Bei allen anderen Flügen saßen wir in der ersten Reihe und hatten Babybetten für die Kleinen bestellt und bekommen. Hier ist es wirklich wichtig, schnell aktiv zu werden!

Unterkünfte haben wir manchmal auch spontan gebucht, zum Beispiel war der Trip nach Yakushima eine sehr spontane Entscheidung und hatte nur fünf Tage Vorlauf.

 

FrageWie viel Gepäck habt ihr dabei mit euren Zwillingen?

Nicht ohne unsere Babytrage(n)! © www.withtwinsaroundtheworld.com

Nicht ohne unsere Babytrage(n)!

© www.withtwinsaroundtheworld.com

Da weiß ich genau. So etwas vergisst man nämlich nicht, wenn man es über Stock und Stein, oder auch mal über eine Eisenbahnüberführung tragen muss: einen großen Koffer (32 kg), einen kleinen Koffer (23 kg), zwei Babybetten (je 6 kg), eine Wickeltasche, zwei Rucksäcke, zwei Buggys und zwei Maxi Cosi Pebble Autositze – das war‘s! Der große Koffer wurde im Laufe der Zeit aber 10 kg leichter, da wir dort die Babynahrung mit transportiert haben.

 

Frage Habt ihr „Essentials“ fürs Reisen mit Zwillingen dabei, ohne die ihr nicht auskommen würdet?

Auf jeden Fall das Tragetuch und die Manduca. Ohne das geht so eine Reise glaube ich gar nicht. Die Autoschalen waren auch nicht wegzudenken. Die konnte man universell als Schlaf- und Futterplatz nutzen, egal wo man sich befindet. Eine kleine Medikamententasche sollte auch nicht fehlen, falls mal der Schnupfen kommt oder die Kinder zahnen.

 

FrageWie sieht ein typischer Reisetag bei euch aus?

Wir nennen Reisetage die Tage, an denen wir wirklich von einem in den anderen Ort reisen. Also in ein Auto, einen Zug oder ein Flugzeug steigen. Diese Tage sind immer sehr, sehr gut geplant. Koffer müssen vorher gepackt sein, Brote sind geschmiert, Obst ist geschnitten und wir fahren sofort los, wenn die Kinder eingeschlafen sind.

Die Reisetage, an denen wir an einem Ort bleiben, gestalten wir sehr individuell und gucken, wie es mit den Kindern gerade passt. Das wäre ja nichts anderes, als wenn wir in Berlin einen Ausflug in den Park oder das Museum machen.

 

FrageHabt ihr euch das Reisen mit euren Jungs vorher so vorgestellt? Wie und wo musstet ihr eure Erwartungen anpassen?

Fährfahrt mit Aussicht - immer schön ruhig! © www.withtwinsaroundtheworld.com

Fährfahrt mit Aussicht - immer schön ruhig!

© www.withtwinsaroundtheworld.com

Uns war eigentlich immer klar, das die Kinder die Reisegeschwindigkeit bestimmen und vorgeben, was machbar ist und was nicht. Daher haben wir keine großen Erwartungen an die Weltreise gestellt. Wir haben einfach gesagt: Wir nehmen mit, was wir können, und genießen die Fahrt :-)

Im Endeffekt kann ich sagen, dass das Reisen mit den Kindern viel einfacher war als gedacht. Vor allem die Flugreisen haben wunderbar geklappt. Die Fluglinien waren alle super vorbereitet, die Mitarbeiter sehr nett und die Kinder haben die meiste Zeit geschlafen. Was allerdings viel Kraft kostet, ist der Jetlag – die ersten fünf Tage fordern den Eltern da schon etwas ab. Man muss viel Ausdauer und Kraft für die Kleinen haben.

 

FrageWürdet ihr im Nachhinein etwas anders machen?

In Schweden hätten wir uns eine kürze Route vorgenommen, mit weniger Kilometern zum Auto fahren. Und hätten wir gewusst, dass es mit dem Fliegen so gut klappt, wären wir vielleicht anstelle von Schweden nach Hawaii geflogen, wer weiß :-)

 

FrageWas empfehlt ihr anderen Zwillings-Eltern: Reisen in der Elternzeit oder lieber abwarten?

Ganz klar: Macht einen neuen Tab im Webbrowser auf und bucht einen Flug in die Sonne! Bleibt mindestens einen Monat und genießt die Freiheit, da zu sein, wo ihr wollt. Mit kleinen Kindern zwischen fünf und zwölf Monaten reist es sich viel einfacher und günstiger als mit älteren Kindern.

Und falls ihr euch nicht „bereit“ fühlt, ist hier ein gutes Zitat von Hugh Laurie zum Nachdenken:

 

„Ich glaube, es ist eine schlimme Sache, im Leben darauf zu warten, bis man bereit ist. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass niemand jemals bereit ist, überhaupt irgendetwas zu tun. Es gibt eigentlich gar kein Bereitsein. Es gibt nur das Hier und Jetzt. Und genau dann kann man es auch sofort umsetzen. Allgemein betrachtet ist die Zeit genau jetzt genauso gut wie jede andere Zeit.“

 

Also worauf wartet ihr?!

 

Vielen Dank für dieses inspirierende Interview, lieber Toby – und viel Spaß auf La Gomera!

 

TippWenn ihr wissen wollt, wie genau das Reisen mit Baby-Zwillingen funktioniert und auch, was dabei so alles schiefgehen kann, dann schaut unbedingt mal in den Blog der beiden!

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