Sicher im WasserSicherheit für Kinder im Pool und drumherum

Dass Pools für Kinder das größte sind, wissen alle Eltern. Dass sie aber auch große Gefahrenquellen darstellen, wird oft vergessen – die Folge sind tragische Unfälle, jedes Jahr zur Ferienzeit. Wir geben euch wichtige Sicherheitstipps für zu Hause und im Hotel.

von KidsAway-Redaktion

Pools sind toll, aber für Kinder auch eine Gefahrenquelle! © olesiabilkei - Fotolia.com

Pools sind toll, aber für Kinder auch eine Gefahrenquelle!

© olesiabilkei - Fotolia.com

Dass gerade kleine Kinder enorm gefährdet sind, versehentlich ins Wasser zu stürzen oder auch in flachem Wasser zu ertrinken, sollten inzwischen alle Eltern wissen – KidsAway hat schon im vergangenen Sommer darüber berichtet. Auch die Pools und Schwimmbecken selbst können Kindern beim Baden aber gefährlich werden; das zeigten in den letzten Jahren einige tragische Unfälle in türkischen, spanischen und bulgarischen Ferienanlagen.

Egal ob ihr den Sommerurlaub mit euren Kindern also in einem Hotel oder Ferienhaus mit Pool verbringt oder selbst ein Schwimmbecken zu Hause habt: Die grundlegenden Sicherheitsregeln solltet ihr kennen.

 

Gefährliche Hotelpools

„Wenn ich Hotelgast bin, muss doch der Hotelbetreiber den Pool sichern“, denken viele Urlauber. Nachdem aber in den letzten Jahren immer wieder Kinder in Hotelpools ertranken, wurde deutlich, dass das nicht selbstverständlich ist. Prüfer des Deutschen Reiseverbands (DRV) entdeckten 2011 und 2012 bei jedem zehnten der mehr als 3.000 getesteten Pools Sicherheitsmängel, einige mussten komplett geschlossen werden.

 

Gefahrenquelle Nummer eins: die Ansaugpumpen

Perfekt: ein(e) Rettungsschwimmer(in) am Pool © Roy Pedersen - Fotolia.com

Perfekt: ein(e) Rettungsschwimmer(in) am Pool

© Roy Pedersen - Fotolia.com

Ein sicherer Pool hat Pumpen, die mit weniger als 0,3 (in Europa gilt der Richtwert 0,5) Meter pro Sekunde saugen und sich sofort abschalten, wenn ein solcher Unterdruck entsteht; der „Druckwächter“ muss die gesamte Anlage binnen Sekunden stilllegen. Die Öffnungen der Absauggitter müssen kleiner als drei Millimeter sein, ab 60 cm Wassertiefe bis zu acht Millimeter.

Das ist in der EU mit einer Norm geregelt; aber ob die Norm eingehalten wird, können die Badegäste nicht wissen. In Bulgarien soll etwa nur ein Viertel aller Schwimmbecken überhaupt eine Betriebszulassung haben.

Gefahrenquellen liegen vor allem rund um die Pumpanlage des Pools: beschädigte Ablaufrinnen, fehlende, beschädigte oder zu weite Abdeckgitter und zu stark saugende Pumpen. Nicht nur Kinder können dort buchstäblich festgesogen werden, wenn sie den Pumpen zu nahe kommen. Entsteht dann ein Unterdruck an der angesaugten Stelle, kann man sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Die Grenze, ab der man einen Sog spürt, liegt bei etwa 30 Zentimetern – näher darf kein Kind an eine Pumpe heran!

Das Perfide: Absaugpumpen befinden sich auch in den Nichtschwimmerbereichen und Kinderbecken. Dort ist wiederum die Überwachung durch Schwimmmeister oder anderes Personal oft nicht gewährleistet, weil ein Hotel erst ab einer Beckentiefe von 1,50 m verpflichtet ist, einen Schwimmmeister einzustellen.

Oft wird Eltern empfohlen, die Ansauggeschwindigkeit der Pumpen selbst zu prüfen, indem sie ein Handtuch vor die Ansaugöffnung halten. Stefan Mersmann, Obmann der Deutschen Gesellschaft für Badewesen, hält nicht viel von diesem „Handtuchtest“. Kommt versehentlich die Hand an das Absauggitter, kann man sich nämlich schwer verletzen. Er empfiehlt, lieber beim Reiseveranstalter und beim Hotelbesitzer nachzufragen, ob der Swimmingpool nach EU-Norm geprüft ist.

 

Regeln für einen sicheren Poolbesuch:

  • Gemeinsam mit den Kindern den Pool ausprobieren und ihnen genau sagen, wo und bis wohin sie allein schwimmen dürfen (zum Beispiel bis dahin, wo ihnen das Wasser bis zum Bauch reicht)
  • Badekappe tragen oder Haare zusammenbinden: lange Haare verfangen sich besonders leicht in Pumpen und Gittern und verknoten sich dahinter, so dass man nicht mehr loskommt
  • Keine langen, weiten Badeshorts tragen: sie vergrößern die Fläche, die beim Abdecken einer Pumpe den gefährlichen Unterdruck erzeugt
  • Bereiche um Abflussrohre und Ansauganlagen müssen tabu sein
  • Kinder in keinen Pool lassen, dessen Ansaugöffnungen nicht ordnungsgemäß abgedeckt sind

 

WebEine ausführliche Pool-Checkliste zum Ausdrucken könnt ihr auf der Website parents4safety.de herunterladen. Dieser Verein wurde von den Eltern des 2012 in einem Hotelpool ertrunkenen Lukas gegründet.

 

Sauberes Wasser

Eine andere Geschichte ist die Wasserqualität eines Pools: Schließlich halten sich Kinder oft stundenlang im Wasser auf, schlucken auch mal etwas davon und bekommen es in die Ohren. Unzureichend gefiltertes oder gereinigtes Poolwasser kann nicht nur zu Ausschlägen, sondern auch zu Amöbeninfektionen und fiesen Mittelohrentzündungen („Bade-Otitis“) führen. Ist der Boden des Beckens mit einer Algenschicht bedeckt, können Kinder außerdem ausrutschen und sich verletzen oder ertrinken.

Mangels Wassertest-Set müsst ihr euch auf die Aussagen des Hotelbetreibers verlassen; Indizien für verschmutztes Wasser sind aber nicht arbeitende Pumpen, auf dem Wasser treibende Blätter und tote Insekten (die nicht umgehend entfernt werden), Sand oder Algenfilme unter Wasser und ein öliger Film auf dem Wasser. Gesprungene, wackelnde Fliesen oder schimmelnde Fugen solltet ihr ebenfalls als Zeichen nehmen, einen Pool zu meiden.

Da viele Hotelbetreiber vorsichtshalber viel Chlor einsetzen, haben Kinder nach dem Baden oft gerötete, schmerzende Augen: eine Bindehautentzündung durch Chlorwasser. Vermeiden könnt ihr die mit gut sitzenden Schwimmbrillen; Kontaktlinsen solltet ihr nach dem Baden reinigen.

 

Erste Hilfe

Sollte tatsächlich ein Unfall passieren, zählt jede Sekunde. Am besten informiert ihr euch daher schon vor dem ersten Baden, wo die Rettungshilfen angebracht sind, wie im Notfall die Pumpanlage ausgeschaltet wird, wer in der Ferienanlage dafür verantwortlich ist und wo ihr Hilfe rufen könnt. Alle Eltern sollten außerdem einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben, um ihr Kind im Ernstfall wiederbeleben zu können.

 

Sicherheitserziehung

Wer schon schwimmen kann, ist klar im Vorteil © Anton Balazh - Fotolia.com

Wer schon schwimmen kann, ist klar im Vorteil

© Anton Balazh - Fotolia.com

Der erste Schritt in Sachen Unfallprävention ist immer die Aufklärung: Macht eure Kinder möglichst frühzeitig mit Wasser vertraut, schickt sie noch vor der Schule zum Schwimmunterricht und zeigt ihnen immer wieder, welche Gefahren im Wasser liegen. Vertraut nicht auf die Sicherheit durch Schwimmflügel, sondern zieht euren Kindern am Wasser besser eine Schwimmweste an.

Und das Wichtigste: Lasst Kinder in der Nähe von Wasser niemals aus den Augen, auch nicht für kurze Zeit!


Schwimmflügel geben Nichtschwimmern keine ausreichende Sicherheit; gerade kleine Kinder kippen mit den Schwimmhilfen am Arm einfach vornüber und können sich nicht selbst aufrichten.

Aber auch Kinder, die stolz das Seepferdchen tragen, sind bei weitem noch keine Schwimmer! Um das Abzeichen zu bekommen, müssen sie unter Aufsicht und ausgeruht 25 Meter weit schwimmen – im ruhigen Wasser einer Schwimmhalle. Diese Bedingungen sind im Getümmel eines Pools nach einem langen Badetag nicht mehr gegeben. Die meisten Badeunfälle passieren nicht umsonst mit Kindern, die bereits schwimmen können – und sich überschätzt haben.

Erst mit dem Bronze-Jugendschwimmabzeichen (vergleichbar mit dem „Freischwimmer“) können Eltern darauf vertrauen, dass ihr Kind sicher und ausdauernd schwimmt. Dafür muss es nämlich 200 Meter schwimmen, springen und tauchen.

 

TippSicheres Verhalten am und im Pool

  • am Pool rutschfeste Schuhe und Schwimmweste oder Schwimmhilfe tragen
  • Kinder dürfen am Pool nicht rennen, toben oder andere schubsen
  • Kinder immer im Auge behalten: Wenn ihr Gäste habt, legt bewusst fest, wer abwechselnd die „Poolwache“ hat
  • nach verschwundenen Kindern immer zuerst im Wasser suchen

 

Ein eigener Pool

Ihr habt einen eigenen Pool oder ein Planschbecken im Garten? Glückwunsch! Dann liegt die Verantwortung für das Leben eurer und der Nachbarskinder aber auch allein bei euch.

 

Ein eigenes Planschbecken muss gut gesichert werden © Kzenon - Fotolia.com

Ein eigenes Planschbecken muss gut gesichert werden

© Kzenon - Fotolia.com

Regeln für Poolbesitzer

  • Pools (und Gartenteiche!) umzäunen und mit selbstschließendem Tor versehen
  • Kleine Pools vor unbeaufsichtigter Benutzung sichern (Einstiegsleiter entfernen, Gartentür abschließen)
  • Planschbecken jeden Abend ausleeren
  • Unbenutzte Pools abdecken
  • Poolbeleuchtung installieren, damit man nachts nicht versehentlich hineinfällt
  • Pool-Abdeckungen müssen fest sein, falls ein Kind daraufsteigt
  • Keine Spielsachen oder Wasserspielzeuge im Wasser liegenlassen, falls kleine Kinder danach angeln wollen
  • Keine Spielsachen und Hindernisse am Rand des Beckens liegen lassen: Stolpergefahr!

 

Technik-Tipps

Safety Turtle gibt Alarm, wenn Kinder ins Wasser fallen © Protection Piscine Enfants

Safety Turtle gibt Alarm, wenn Kinder ins Wasser fallen

© Protection Piscine Enfants

Das Armband „Safety Turtle“ von Protection Piscine Enfants meldet, sobald es nass wird (also das Kind, das es trägt, ins Wasser fällt), sofort Alarm an eine Basisstation. Die könnt ihr maximal 30 Meter entfernt vom Pool aufstellen. Erhältlich ist das Basisset aus Armband und Empfänger momentan nur im englischen Shop für 226 US-Dollar.

Der „Pool Guard PGRM-2“ ist eine Alarmanlage, die di­rekt am Beckenrand installiert wird. Sie registriert Wellen unterhalb der Wasseroberfläche, die entstehen, wenn jemand ins Wasser fällt und gibt dann lautstark Alarm. Das Gerät kostet etwa 130 Euro.

Ein aufstellbares Schwimmbecken oder Planschbecken ohne festen Rand sichert ihr mit dem „Safety Buoy Alarm“, einer Art schwimmendem Pylon, der Alarm gibt, sobald sich die Wasseroberfläche bewegt. Erhältlich ist er nur über englische Websites für etwa 150 US-Dollar.

 

Spezialfall Rutsche

Viele Hotelpools und Schwimmbäder begeistern ihre jungen Gäste mit tollen Wasserrutschen. Die Rutschen in deutschen Bädern werden jährlich vom TÜV kontrolliert, in privaten Schwimmbädern ist das nicht vorgeschrieben!

Wenn euer Kind eine Rutsche benutzen will, dann schaut vorher auf die Hinweistafel, die am Einstieg angebracht sein muss. Hier steht, ab welchem Alter Kinder auf die Rutsche dürfen, oft sind auch ein Schwierigkeitsgrad, die erlaubte Rutschhaltung und der Mindestabstand zum nächsten Rutschenden angegeben. Die Altersangabe ist dabei keine vage Empfehlung, sondern sollte auf jeden Fall beachtet werden: Auf steilen Rutschen wird man nämlich bis zu 70 km/h schnell!

Gefährliches Wasser - Kinder sind immer neugierig © Octave Alex - Fotolia.com

Gefährliches Wasser - Kinder sind immer neugierig

© Octave Alex - Fotolia.com

Ermahnt eure Kinder, wenn sie allein rutschen wollen, immer in der vorgeschriebenen Position (am besten sitzend, keinesfalls aber mit dem Kopf voran!) zu rutschen. Anhalten, drängeln und „Kette rutschen“ sind tabu. Ist die Rutsche offen, müssen die Arme eng am Körper gehalten werden. Ganz wichtig: Sobald man unten angekommen ist, sofort den Austrittsbereich für den nächsten Ankommenden verlassen!

Ist euer Kind noch zu jung (oder zu ängstlich), dann nehmt es zwischen die Beine und rutscht sitzend gemeinsam hinunter. So stellt ihr auch sicher, dass es am Austrittsbereich der Rutsche nicht mit dem Kopf unter Wasser kommt und sich dann nicht selbst aufrichten kann. Auch hier bieten Schwimmärmel bei kleineren Kindern keine Sicherheit!

Die meisten Unfälle, die beim Rutschen passieren, sind auf falsches Verhalten zurückzuführen. Wer sich beim Rutschen aneinander festhält, keinen Abstand zum Vordermann einhält oder gar mitten auf der Rutsche anhält, gefährdet sich und andere Badende. Schärft euren Kindern also ein, wie sie sich beim Rutschen richtig verhalten!

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  • Meine Empfehlung! Diesen Beitrag ernst nehmen, außerdem richtig und ausreichend Versichern, bevor Sie eine Reise buchen! Im Urlaub sehnen sich die Menschen nach Ruhe, Entspannung und Lebensfreude. Ein schwerer Unfall oder gar der Tod kommen deshalb völlig unerwartet.

    Schließen Sie rechtzeitig vor Reiseantritt eine Auslandsreisekrankenversicherung für die ganze Familie mit umfassenden Versicherungsschutz und Leistungen ab. Achten Sie bitte darauf, dass Sie einen weltweiten Versicherungsschutz haben. Versichern Sie nicht nur eine 100%-ige Kostenerstattung für ärztliche Behandlungen vor Ort, sondern auch den medizinisch notwendigen Rücktransport, auch mit einem Sanitätsflugzeug. In Ihrer Auslandsreisekrankenversicherung sollten Sie auch die unbegrenzte Erstattung der Überführungskosten nach Deutschland bei einem Todesfall im europäischen und außereuropäischen Ausland versichern. Mit dem rechtzeitigen Abschluss (3 Monate vor Reiseantritt) einer weltweiten Rechtsschutzversicherung ergänzen Sie Ihren Versicherungsschutz sinnvoll. Bei einer Deckungszusage Ihrer Rechtsschutzversicherung für die Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen werden die anfallenden Kosten übernommen. Überprüfen Sie Ihren bereits bestehenden Rechtsschutz auf eine weltweite Gültigkeit (ältere Verträge gelten oft nur für Mittelmeer- und Anliegerstaaten). Auch bei der Vermittlung eines ausländischen Anwaltes kann die Rechtsschutzversicherung hilfreich sein.
    Allen einen schönen und erholsamen Sommer. Evelyn Wagner

    Antworten | 15. Mai 2013
  • Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Nach dem Tod von Lucas gab es keine wichtigere Aufgabe, als für Poolsicherheit zu kämpfen. Wenn wir durch unsere Pool-Checkliste viele Mängel aufdecken können, werden wir alle das Problem gemeinsam lösen können.
    Sicher ist, dass nichts sicher ist !

    Antworten | 15. Mai 2013
    • Vielen Dank für das Lob, Herr Göb. Der Tod Ihres Sohnes (und der vielen anderen Kinder) hat uns bei der Recherche zu diesem Artikel tief betroffen gemacht – wir wollen gern unser Möglichstes tun, damit andere Familien nicht ein ebenso furchtbares Schicksal erleiden müssen. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Frau viel Kraft und danken Ihnen für Ihr großartiges Engagement!

      Antworten | 16. Mai 2013

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