Prävention und VerhaltenstippsWie Ihr ein verschwundenes Kind im Urlaub wiederfindet – oder es gar nicht erst verliert

Das schlimmste Urlaubserlebnis: die Minute, in der man sein Kind nicht wiederfindet. Die schlimmste Befürchtung aller Eltern auf Reisen: sein Kind auch Stunden danach nicht wiedergefunden zu haben. KidsAway zeigt, was Ihr gegen die Angst tun könnt.

von KidsAway-Redaktion

Wo ist mein Kind? © mojumbo22/FlickR

Wo ist mein Kind?

© mojumbo22/FlickR

Kinder sind perfekte Verloren-Geher: Sie erkunden gern selbstvergessen ihre Umgebung, geraten wegen ihrer (fehlenden) Größe schnell aus den Augen und können sich in unbekannter Umgebung schlecht orientieren. So passiert es schnell, dass Eltern die Kleinen im Getümmel aus den Augen verlieren oder dass aus dem Weglaufen-und-Verstecken-Spiel unerwartet Ernst wird.

So etwas passiert täglich, im Urlaub kann es aber schnell zur Nervenprobe für alle Beteiligten werden: Die Umgebung ist unübersichtlich und für Kinder superspannend. Die Eltern kennen sich selbst nicht gut aus und sind abgelenkt, die gewohnten Routinen des Alltags fehlen und viele Urlaubsländer bergen zusätzliche, ungewohnte Gefahren: Straßenverkehr mit anderen Regeln zum Beispiel.

 

Sicherheit an erster Stelle: Regeln und Vorkehrungen

Verlaufen © poetprince/FlickR

Verlaufen

© poetprince/FlickR

Egal, wie verständig Eure Kinder schon sind, im Urlaub solltet Ihr auf Nummer sicher gehen. Eure erste Aktion in Sachen Sicherheit kann schon vor der Reise erfolgen: Im Familienrat wird festgelegt, welche Regeln bei der An- und Abreise und im Urlaub selbst gelten. Die Kinder können sich dann darauf einstellen, dass sie am Flughafen oder Bahnhof immer neben Euch bleiben müssen oder dass im Hotel nicht allein in den Pool gesprungen wird.

Wenn Kinder ihre Eltern verloren haben, müssen sie helfenden Fremden den eigenen Namen und den ihrer Eltern, die eigene Adresse und eventuell Handynummer und den Namen des Hotels sagen können. Diese Angaben können auch schon Dreijährige auswendig lernen, Ihr könnt auch ein Spiel daraus machen, diese Informationen abzufragen.

 

Ausstattung für alle Fälle

Da aber im Panikfall oft alles vergessen ist, lohnt es sich, die Kinder zu „markieren“: entweder ganz schlicht mit einem Zettel in der Jackentasche oder im Rucksack oder vorbildlich mit speziellen „Badges“. Bei Gutmarkiert.de gibt es vom auffälligen Taschenanhänger für den Rucksack oder die Jacke über das Papierarmband mit innen versteckter Adresse bis zur Kette mit SOS-Erkennungsmarke das Richtige für jedes Bedürfnis. Wenn es schnell gehen muss, könnt Ihr die wichtigsten Angaben aber auch einfach mit Kugelschreiber auf den Arm schreiben.

ErfahrungsberichtNotizzettel

Was notiert werden sollte:

  • Eine Handy-Nummer (Achtung: Das Gerät muss auch im Ausland eingeschaltet und empfangsbereit sein!)
  • Die internationale Vorwahl (+49 für Deutschland, +43 für Österreich oder #41 für die Schweiz)
  • Eventuell die Adresse des Hotels oder der Ferienwohnung

 

Experten für Kindesmissbrauch warnen hingegen davor, den Namen des Kindes offen einsehbar zu notieren; auf diese Weise verschaffen sich Fremde nämlich ganz einfach den Status eines Bekannten, der das Kind mit Namen anspricht.

Ihr seid mit mehreren Kindern unterwegs? Um die Kids schon von weitem als Gruppe zu kennzeichnen, könnt Ihr sie möglichst ähnlich kleiden; etwa mit einer Jacke in der gleichen Farbe, denselben Mützen oder einem bunten Band an der Kleidung. Geht eines der Kinder verloren, kann man Mithelfenden schnell zeigen, wonach sie schauen sollen; und auch Fremde erkennen schneller, wenn eines der Kinder sich von den anderen entfernt.

 

Fahndungsfoto

Fast jedes Handy hat heute eine integrierte Kamera. Bevor die Reise losgeht (also noch vor dem Betreten des Bahnhofs oder Flughafens!), treten alle Kinder fertig angezogen für ihr aktuelles Fahndungsfoto an.

Wer von seinem Kind ein aktuelles Foto vorzeigen kann, beugt dem Panik-Blackout vor („Welches T-Shirt hatte er denn bloß an…?“) und kann helfenden Fremden genau zeigen, nach wem sie suchen sollen. Das ist besser als jede Beschreibung!

 

Vor Ort

Der Notfall-Treffpunkt © _mogi/FlickR

Der Notfall-Treffpunkt

© _mogi/FlickR

Jeder neue Aufenthaltsort muss geprüft werden: Wo dürfen die Kinder hin, wo treffen wir uns im Notfall wieder? Im Hotel könnt Ihr die wichtigsten Wege (zum Restaurant, zur Spielecke) mit den Kindern abgehen. Sprecht ab, an wen man sich für Hilfe wenden kann. Ältere Kinder können sich einen Notfall-Treffpunkt merken (Rezeption des Hotels, Eingang der Kathedrale), kleineren Kindern müsst Ihr eine gut sichtbare Ortsmarke zeigen: Euren Kofferstapel am Flughafen, den roten Sonnenschirm am Strand oder eine große Topfpflanze in der Hotelhalle. Hauptsache, der Punkt ist auch von unten gut sichtbar!

So lange nicht geklärt ist, wer wohin darf, bleiben alle in Armlängen-Reichweite voneinander. Besonders im Straßenverkehr in fremden Städten und Ländern gehören Kinder an Eure Hand, auf Eure Schultern oder (angeschnallt!) in einen Buggy. Mehrere Kinder können sich gegenseitig an ihren Jackenzipfeln festhalten. Kluge Eltern verteilen das zu tragende Gepäck so, dass einer den Kopf und die Hände für die Kinder frei hat – sonst drohen Szenarien wie bei „Kevin allein zu Haus“, der im Abreisestress vergessen wurde.

Kritisch sind Orte, an denen Kinder ohne Aufsicht schnell in Gefahr geraten, etwa im Straßenverkehr oder am Strand. In der Nähe von Wasser solltet Ihr Eure Kinder daher grundsätzlich nie ohne Schwimmhilfe herumlaufen lassen, wenn sie noch nicht sicher schwimmen können; dass sich Familien nur an bewachten Stränden und Bädern mit Rettungspersonal aufhalten sollten, ist wohl selbstverständlich. Farbenfrohe Kleidung mit Reflektoren macht Kinder auch im Dunklen sichtbar.

 

Wenn es passiert ist

Irgendwann passiert es auch den umsichtigsten Eltern: ein Kind ist verloren gegangen. Hier lautet die oberste Regel: Ruhe bewahren! In den allermeisten Fällen lösen sich solche Situationen binnen Minuten auf, weil das Kind zu schnell um eine Ecke gelaufen ist oder sich hinter einer Säule versteckt. Kritisch werden solche Fälle nur deshalb, weil Eltern (und Kind!) panisch losrennen und die Entfernung voneinander auf diese Weise noch vergrößern.

Um stundenlange, hektische Suchaktionen zu vermeiden, könnt Ihr richtiges Verhalten im Verlaufens-Fall mit Euren Kindern besprechen und mit kleineren Kindern sogar spielerisch einüben:

  • Wenn die Eltern weg sind, sofort stehenbleiben, einmal ringsum drehen und genau umschauen. Tauchen die Eltern nicht wieder auf, wenn man bis zehn gezählt hat, wird laut gerufen: Entweder die Vornamen der Eltern oder auch “Ich habe meine Eltern verloren!”
  • Nicht weinen und warten, sondern Fremde ansprechen: „Ich habe meine Eltern verloren, können Sie mir helfen?“
  • Ältere Kinder sollten wissen, dass sie von jedem öffentlichen Telefon und von jedem Handy aus kostenlos die 110 wählen können. In allen EU-Staaten gilt die 112, in der Schweiz die 117.

Ihr habt Angst vor Kriminellen? Das Risiko, in dieser Situation zufällig einen Entführer anzusprechen, ist wohl tausendmal niedriger als die Chance auf Hilfe, die ansonsten vergeben würde! Wenn Ihr auf Nummer sicher gehen wollt, könnt Ihr Euren Kindern am Flughafen oder im Hotel genau die Personen zeigen, die sie im Notfall ansprechen sollen; auf Marktplätzen oder in Einkaufszentren ist es besser, Händler oder Verkäuferinnen anzusprechen als Passanten.

Was für die Kinder gilt, trifft natürlich auch auf Euch Eltern zu: Immer zunächst stehen bleiben, gründlich umschauen und laut nach dem Kind rufen! Bewegt Euch suchend in größer werdenden Kreisen um den Ausgangsort und behaltet diesen im Auge, falls Euer Kind Euch dort sucht. Bevor Ihr panisch auseinanderrennt, vereinbart einen Treffpunkt, wo Ihr Euch in fünf Minuten wieder einfindet – sonst sucht Papa stundenlang den Parkplatz ab, während Mama und das wiedergefundene Kind nach Papa suchen …

 

Fremde Helfer

Hilfe in der Not © smlp.co.uk/FlickR

Hilfe in der Not

© smlp.co.uk/FlickR

Gerade uns Deutschen fällt es mitunter schwer, andere Menschen um Hilfe zu bitten; aber wenn ein Kind gesucht wird, ist jedes Auge hilfreich! Je schneller Ihr um Hilfe bittet und je mehr Menschen mit suchen, desto besser.

Bittet Passanten laut um Hilfe, sprecht Mitarbeiter in nahen Geschäften oder das Sicherheitspersonal in öffentlichen Gebäuden an. Die sind dafür ausgebildet, in genau solchen Situationen zu helfen, kennen die örtlichen Gegebenheiten und wissen über Notfallprozeduren Bescheid.

Übrigens: Um eine Vermisstenanzeige aufzugeben, müsst Ihr nicht 24 Stunden warten. Wenn Ihr im Ausland seid oder ein schlechtes Gefühl habt, wendet Euch sofort an die Polizei!

 

Keine Panik!

Hand aufs Herz: Alle Eltern denken daran, wenn ihr Kind mehr als eine Minute verschwunden ist, und „man hört ja auch so viel davon …“ Aber Kindesentführungen sind heute entgegen der reißerischen Berichterstattung in vielen Medien (und den vielen spannenden Krimis …) wirklich extrem selten.

Es gibt noch einen weiteren, viel wichtigeren Grund, nicht in Panik zu geraten: Wer nicht mehr klar denken kann, der kann auch nicht systematisch und kontrolliert nach seinem Kind suchen. Und wer außer sich vor Angst ist, der wird sein sicherlich ebenfalls verstörtes Kind nicht angemessen trösten können, wenn es wieder aufgetaucht ist. Statt den Schrecken Eures Kindes durch lautes Weinen und Schimpfen noch zu vergrößern, summt lieber ausdauernd das Elternmantra: „Es wird alles gut.“ Und das wird es, versprochen!

 

Nützliche Links:

Web www.vermisste-kinder.de – Generelle Informationen zur Prävention, inklusive kostenlosem Download der Kinderschutzfibel

 

Leserfrage: War Dein Kind auch schon einmal plötzlich im Urlaub verschwunden? Was hast Du dann unternommen?

 

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (2)

  • NameMethos

    Ich finde es sehr Schlecht!!!

    Antworten | 30. September 2016
    • NameMethos – was genau findestr du sehr schlecht?

      Antworten | 7. Oktober 2016

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