Reisevorbereitung5 Reisewarnungen, auf die ihr nicht zu hören braucht

Reisen mit kleinen Kindern - vielleicht gar noch der Nase nach in die Ferne und nicht in ein umzäuntes Urlaubsresort? Viel zu gefährlich! Zu teuer! Zu anstrengend! Wir haben die absurdesten Warnungen wohlmeinender Schlechtredner gesammelt.

von KidsAway-Redaktion

Lasst euch nicht davon abhalten, mit Kindern zu reisen! © Flickr/muha

Lasst euch nicht davon abhalten, mit Kindern zu reisen!

© Flickr/muha

Eltern, die mit ihren Kindern reisen, haben ein Problem: Sie wissen grundsätzlich nicht Bescheid – oder wenigstens nicht so gut wie alle anderen Menschen. Genau diese glauben oft, jeder jungen Familie mit Reiseplänen weiterhelfen zu müssen – oder vielmehr, sie mit gutgemeinten Warnungen vom Reisen mit Kindern abzuhalten.

Das Lustige ist ja, dass die meisten Bescheidwisser selbst noch nie mit Kindern gereist sind, oder wenigstens nicht an euer Reiseziel. Manchmal ist es auch schon 30 Jahre her. (Nein, liebe Schwiegermama, in Thailand hängen heute keine drogensüchtigen Hippies mehr an jedem Strand herum!)

Oft stammen die wildesten Geschichten über ein Reiseland aus zweifelhaften Fernsehsendungen oder aus dem Internet. Nachrichten sind ebenfalls keine gute Informationsquelle, denn sie sind immer schlecht. (Danke für den Hinweis, lieber Arbeitskollege. Aber ein Fall von Amöbenruhr heißt nicht, dass man in ganz Ägypten nur am Hotelbuffet essen sollte.)

99 Prozent aller Warnungen und schlimmen Geschichten, die man euch vor einer Reise erzählen wird, sind falsch, übertrieben oder verdreht. Und selbst wenn sie stimmen sollten: Macht euch lieber selbst ein Bild. Wahrnehmungen und Eindrücke sind immer individuell und hängen stark vom Komfortanspruch des Einzelnen ab und dem, was man akzeptieren kann und will.

Manchmal verändert sich auch die politische oder gesellschaftliche Situation in einem Land sehr schnell. Oft ist die Lage außerhalb der touristischen Zentren ganz anders oder ihr macht komplett andere Erfahrungen als Alleinreisende oder Paare, wenn ihr mit Kindern unterwegs seid.

 

TippReisewarnungen: nur aus verlässlicher Quelle

Das heißt nicht, dass ihr auf Reisen mit Kindern unnötige Risiken eingehen solltet. Warnungen und Vorsichtshinweise, die ihr beachten oder zumindest bedenken solltet, findet ihr auf der Website des Auswärtigen Amtes und bei einem Institut für Reisemedizin.

Auch Reiseforen mit vielen erfahrenen Nutzern bieten oft wertvolle und sehr aktuelle Hinweise. (Erwähnt aber nur, dass ihr mit Kindern reisen wollt, wenn ihr sicher seid, dass die Forenmitglieder ebenfalls Eltern sind! Auch kinderlose Reiseprofis meinen leider oft, alles besser zu wissen.)

 

5 Reisewarnungen, die ihr getrost in den Wind schießen könnt

 

1 Das ist viel zu gefährlich!

Gefährlich ist es auch zu Hause © S.Kobold - Fotolia.com

Gefährlich ist es auch zu Hause

© S.Kobold - Fotolia.com

Ganz ehrlich: Besorgte Großeltern, Tanten und Fremde finden doch sowieso alles zu unsicher für Kinder. Das geht beim Baden im Meer los und hört bei Reisen außerhalb der EU-Grenzen noch lange nicht auf. Seltsam, dass die Kinder in anderen Ländern überhaupt überleben können…

Die ganze Welt ist gefährlich, voller ansteckender Krankheiten und giftiger Tiere, voller Wahnsinniger und Krimineller. Hört nicht auf solche pauschalen Warnungen – in aller Regel sind das hässliche Vorurteile oder schlecht getarnte Ängste, oft auch nur Bequemlichkeit und Unwissen.

Wenn das Auswärtige Amt keine Bedenken hat, dann könnt ihr euch ziemlich beruhigt erst einmal vor Ort umschauen und auf euer Bauchgefühl vertrauen. Gängige Vorsichtsmaßnahmen wie

  • vor der Reise Impfungen auffrischen und ergänzen
  • kein Leitungswasser trinken
  • keine unbekannten Tiere und Pflanzen anfassen oder in den Mund nehmen
  • Wertgegenstände wie Kameras, Smartphones oder Armbanduhren nicht offen zur Schau tragen

sind selbstverständlich und genügen meist vollkommen. Und nein, andere Menschen sind nicht grundsätzlich daran interessiert, euch abzuzocken oder umzubringen. Beim Couchsurfing, in Hostels oder beim Spielen mit einheimischen Kindern werdet ihr im Gegenteil ziemlich wahrscheinlich eine ziemlich gute Zeit haben.

 

2 Davon haben eure Kinder doch gar nichts!

Dass auch kleine Kinder mit wachem Geist durch die Welt gehen, zeigen oft überraschend genaue Erinnerungen, die noch Jahre nach einer Reise präsent sind. Und auch wenn eure Kinder wirklich noch zu jung sind, um sich später an ihre Erlebnisse im Urlaub zu erinnern: Na und? Ihr lest ihnen doch auch Bücher vor, spielt und singt mit ihnen, obwohl sie sich später nicht bewusst daran erinnern werden.

Schlösser, Burgen und Tempel bestechen vordergründig nicht durch Kinderfreundlichkeit, das stimmt. Aber das heißt im Gegenteil nicht, dass ihr euren Urlaub nun auf dem Spielplatz oder im Freizeitpark verbringen müsst.

Kinder können sich entgegen der landläufigen Meinung in aller Regel durchaus für vieles begeistern, was auch ihre Eltern interessiert. Dafür muss unter Umständen aus einem Stadtrundgang eine Schatzsuche gemacht werden, oder eine historische Schlossanlage mutiert  kurzerhand zu einem Märchenschloss mit spukendem Burggeist oder Prinzessinnen-Homestory.

Wir meinen: Was für Eltern gut ist, kann für Kinder prinzipiell nicht schlecht sein. Ihr selbst kennt euren Nachwuchs am besten und könnt sicherlich einschätzen, wann es zu viel wird. Lasst euch in eure Pläne nicht hineinreden!

 

3 Sprecht nicht mit Fremden!

Diese Warnung kennt wohl jeder von uns aus seiner eigenen Kindheit. Gerade auf Reisen solltet ihr das Misstrauen gegenüber fremden Menschen – in der Regel sind das die Einheimischen – aber auf ein Minimum an Vorsicht reduzieren.

Das Beste, was man als reisende Familie erlebt, sind oft die Kontakte zu Einheimischen. Die freuen sich nämlich, wenn sie süße Kinder sehen und eine reisende Familie kennenlernen können. Oft ist die selbstlose und herzliche Gastfreundlichkeit in anderen Ländern für uns Deutsche geradezu überwältigend.

 

4 Esst nichts von der Straße!

Euren kleinen Kindern dürft ihr diese Warnung gern mitgeben: Sachen, die auf dem Boden liegen, sollten sie tatsächlich nicht in den Mund stecken.

Aber Essen, das von Straßenhändlern und in kleinen, mobilen Garküchen gekocht und direkt auf der Straße (oder auf dem Gehsteig) verzehrt wird: Das solltet ihr auf Reisen mit Kindern unbedingt essen!

„Richtige“ Restaurants sind nicht automatisch hygienischer und das Essen ist dort auch nicht automatisch besser (meist im Gegenteil!). An den kleinen Imbiss-Ständen könnt ihr mit Kindern immer wieder kleine Portionen probieren, keiner muss dort stillsitzen und brav sein, und sparen werdet ihr enorm viel.

 

5 Gebt euer schwer verdientes Geld doch lieber für etwas Sinnvolles aus!

Es gibt nichts Besseres, wofür ihr Zeit und Geld investieren könntet © altanaka - Fotolia.com

Es gibt nichts Besseres, wofür ihr Zeit und Geld investieren könntet

© altanaka - Fotolia.com

Wir haben ja schon öfters darüber geschrieben: Reisen ist unserer Meinung nach das Sinnvollste und Beste, was ihr mit euren Kindern machen könnt. Dafür solltet ihr weder Kosten noch Mühe scheuen!

Anstatt viel Geld für Elektronikspielzeug, die neueste Barbiepuppe oder schicke Klamotten auszugeben, investiert es lieber in eure nächste Familienreise. Reisen bildet viel mehr als der  Fernseher, und die gemeinsamen Erinnerungen sind das Wertvollste, was ihr am Ende eures Lebens besitzen werdet.

Das sind nur einige der „wertvollen“ Hinweise und Warnungen, die wir vor unseren Reisen mit Kindern schon erhalten (und dankend abgelehnt) haben. Könnt ihr etwas zu unserer Liste beitragen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (2)

  • Dem stimme ich voll zu. Bei beiden Geburten haben wir längere Reisen gemacht, ein Mal bis Portugal mit dem Womo und letztes Jahr mit Auto/Dachzelt bis nach Griechenland.
    Die Kinder waren jedes Mal 1 Jahr, meine Große erinnert sich nicht an die Reise, aber die Kinder gehen so offen auf neue Menschen zu und sind da auch couragiert. Vielleicht kommt so was ja daher. Und vieles mehr, es gibt keinen messbaren Erfolg dabei.
    Als wir Anfang der 2000er Jahre nach Kroatien gefahren sind, wurden wir hier noch gefragt “Ist da nicht noch Krieg?”
    Letztes Jahr warnte man uns vor der Unfreundlichkeit und Deutschenfeindlichkeit der Griechen. Warnungen vor Ländern wie Albanien, Rumänien und Bulgarien will ich gar nicht aufzählen. Die Menschen waren in allen von uns bereisten Ländern selbstverständlich offen, freundlich und teilweise so überaus herzlich, wie man es hier nicht oft antrifft.
    Die allermeisten Menschen sind ehrlich, über die schreibt nur keiner.

    Antworten | 28. April 2015
  • Ihr habt ja so recht, mit allem, was ihr schreibt. Meistens hilft es ja, den Besserwissern und Überbesorgten mit einem gewissen Humor zu begegnen. Manchmal kommt aber in solchen Kommentaren auch ein mehr oder weniger verdeckter Rassismus zutage, der mich dann nur noch wütend macht :”Was? Nach Indonesien mit Kindern? Das ist doch ein muslimisches Land.” Um genau einer solchen Engstirnigkeit vorzubeugen, reisen wir ja mit unseren Kindern.

    Antworten | 24. April 2015

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