Reisen früher und heuteFrüher war alles besser?! Wie das Reisen damals war

Reisen mit Kindern, das war für die Generation unserer Eltern noch keine Selbstverständlichkeit. Wir erinnern uns an das Reisen in unserer Kindheit und überlegen, ob es wirklich richtig ist, dass "früher alles besser war". Welche Erinnerungen habt ihr an frühere Urlaube mit der Familie? Was hat sich verändert?

von KidsAway-Redaktion

War das Reisen zu Omis Zeiten wirklich besser? © Pixabay

War das Reisen zu Omis Zeiten wirklich besser?

© Pixabay

Wenn die Tischnachbarn im Café kein Wort wechseln, sondern nur auf ihre Smartphones starren,

wenn das Navigationssystem uns mitten in der Fremde plötzlich stehenlässt

oder wir schon bei der Urlaubsplanung an der Fülle des Internet-Angebots verzweifeln,

dann kommt bei vielen von uns der sehnsüchtige Gedanke an die “guten alten Zeiten” auf:

Früher war doch alles besser. Auch beim Reisen.

Früher, also in der breiten Zeitspanne der Kindheit heutiger Eltern (großzügig geschätzt, von Anfang der 1970er-Jahre bis Ende der 1990er), da sah das Reisen noch ganz anders aus. Erinnert ihr euch?

Zum Buchen einer Reise ging man ins Reisebüro, und was es dort nicht gab, das gab es halt nicht. Die Reisebüro-Tante war allwissend und allmächtig, sie machte Reisen mit Sonderwünschen möglich oder eben nicht.

Damals konnte man nicht vor der Hotelbuchung 50 Fotos des Zimmers und des Pools kritisch vergleichen, man konnte keine 100 Bewertungen anderer Reisender lesen – man musste allerdings auch nicht befürchten, auf Fotomontagen und Fake-Bewertungen hereinzufallen.

Entweder man buchte alle Unterkünfte schon vor der Reise, indem man dort anrief (oder das dem Reisebüro überließ), oder man wagte das Abenteuer und suchte sich eine passende Bleibe einfach direkt vor Ort. Statt Newslettern mit Superschnäppchen und Error Fares waren damals Glück, Geheimtipps von Bekannten und Verhandlungsgeschick gefragt, wenn man sparen wollte.

Fliegen war ein großes Ereignis, auf das man monatelang hinfieberte. Und man bekam etwas geboten: Service wurde groß geschrieben, auch wenn man ein Schnäppchenticket zum Studentenpreis erwischt hatte. Und dieses Schnäppchen war dann auch eines – nichts mit Extrakosten für den Sitzplatz, das Sandwich, das Wasser… Okay, das Unterhaltungsangebot beschränkte sich auf eine Leinwand vor der ersten Reihe, auf der ein einziger Film zu sehen war.

Wer keinen langen Hals oder keine Lust auf Kung-Fu hatte, der schaute halt in sein Buch. Und steckte sich dabei, wenn er im Raucherbereich saß, seelenruhig eine Fluppe an. (Stimmts, das hattet ihr vergessen? Bis in die 1990er-Jahre durfte man im Flugzeug noch rauchen!) Beim Start verteilten die Stewardessen Bonbons gegen den Ohrendruck, und nach der Landung wurde geklatscht!

Technische Helferlein? Gab es für Reisende früher kaum © Pixabay

Technische Helferlein? Gab es für Reisende früher kaum

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Bücher waren dick und schwer, also hatte man als zünftiger Backpacker nur eines dabei. Büchertausch auf Reisen war deshalb eine beliebte Methode, um neue Leseideen zu bekommen.

Statt Reiseblogs zu durchstöbern oder bei TripAdvisor nach der Meinung der „Crowd“ zu schauen, verließ man sich auf seinen Reiseführer – der entweder Baedeker oder Lonely Planet hieß und telefonbuchdick war.

Dabei wurde der wertvolle Platz im Rucksack doch eigentlich für etwas anderes benötigt: Filmrollen! Ob mit teurer Spiegelreflexkamera oder billiger Systemknipse, eines verband alle Reisenden: das Klicken, das Surren des nachziehenden Films, und das Bangen, ob der Schnappschuss „etwas geworden war“. Die Auflösung gab es erst daheim, wenn man die Fototasche mit den Papier-Abzügen abholte. Und die wurden dann, auch wenn sie nicht alle scharf und gelungen waren, getreulich ins Reisefotoalbum eingeklebt.

Ist es besser oder schlechter, dass wir heute eine ganze Armada an technischen Gadgets und Helferlein auf Reisen mit uns herumschleppen? Ist das Reisen teurer oder günstiger geworden, seit wir das Internet nach Sparangeboten durchforsten können? Ist es gut oder schlecht, dass wir unsere Urlaubsfotos sofort anschauen, bearbeiten und mit der ganzen Welt teilen können?

Wahrscheinlich ein wenig von beidem.

Und der Urlaub mit Kindern – war der früher besser? Einfacher? Billiger?

Soo lange ist es ja für die meisten von uns noch nicht her, dass wir mit unserem eigenen Nachwuchs verreisen. Reiseplanung am Computer, Smartphones und Digitalkameras sind für unsere Kinder so selbstverständlich, dass sie gar nichts anderes kennen.

Aber wollen wir doch mal zurückdenken an unsere eigenen Kindheitserinnerungen!

Okay, ganz so lange ist unsere Reise-Kindheit noch nicht her... © Pixabay

Okay, ganz so lange ist unsere Reise-Kindheit noch nicht her...

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Bevor die Wegwerfwindel erfunden wurde, fanden Reisen mit Kindern unter zwei Jahren quasi gar nicht statt. Wie hätte Mama denn auch die ganze Stoffwindel-Kochwäsche in einem Hotel oder auf dem Campingplatz machen sollen?

Und die praktischen Babyreisebetten waren auch noch nicht weit verbreitet. Ganz zu schweigen von leichten, klappbaren Reisebuggys.

Hatte man es geschafft, den schweren Kinderwagen in den winzigen Kofferraum eines VW Käfers oder Trabants zu stopfen, dann blieb nicht viel Platz für Reisegepäck.

Wir Kinder thronten auf Roadtrips (die damals noch nicht so hießen) auf mehreren Lagen Schlafsäcken, die Füße auf weiteren Gepäckstücken abgestellt. Das war gemütlich – und ohne Kindersitze (im Trabant gab es noch nicht einmal Sicherheitsgurte auf der Rückbank!) konnte man sowieso herrlich lümmeln. Dass wir wahrscheinlich sofort tot gewesen wären bei einem Unfall, wussten wir zum Glück nicht…

So wurden jedenfalls auch die laaangen Fahrten erträglich, die bei einem Durchschnittstempo von 70 km/h nötig waren, um bis nach Italien oder an die See zu kommen – und die wir auch ohne Klimaanlage überlebt haben. Und dort, auf demselben Campingplatz oder in derselben Ferienanlage wie jedes Jahr, trafen wir dann zuverlässig unsere Reisebekanntschaften vom letzten Sommer wieder.

Das war gut und wichtig, denn unsere richtigen Freunde und den Rest der Familie ließen wir für die Dauer unseres Urlaubs daheim zurück. Heimweh war an der Tagesordnung, denn die blöde Ansichtskarte, die wir schreiben sollten, brachte uns die geliebte Oma kein Stück näher. Ein Anruf von einem Münzfernsprecher, möglichst kurz, denn superteures Ferngespräch – das war die einzige Möglichkeit, Kontakt mit den Daheimgebliebenen aufzunehmen.

Umso größer dann das Hallo, wenn der Urlaub vorbei war: „Was bist du groß geworden! Und so braun! Erzähl doch mal, was ihr gemacht habt!“ Und dann konnten wir erzählen, denn anders als heute hatten wir unsere tollsten Erlebnisse nicht sofort per WhatsApp oder Facebook mitgeteilt.

Backpacking mit Kindern, Fernreisen um den ganzen Globus gar, das war der großen Mehrheit der Eltern bis vor wenigen Jahren überhaupt nicht möglich. Es war für die meisten einfach zu aufwendig, zu anstrengend und zu teuer.

Fernreisen mit Kinder? Früher undenkbar.

Was den Eltern aber vor allem fehlte: der Austausch. Selbst wenn man die Idee zu einer etwas „verrückteren“ Reise hatte, fand man kaum Gleichgesinnte, die einem mit Tipps und dem eigenen Beispiel Mut gemacht hätten. Dafür genug besorgte Menschen, die einem Rucksackreisen mit einem Baby, einen Roadtrip durch Asien oder eine Weltreise schnell ausredeten.

Aber dafür gibt es ja heute uns – auf KidsAway findet ihr reichlich Anstoß und Ermutigung, um euren Kindern die Welt zu zeigen.

Und auch wenn die Entwicklung des Massentourismus durchaus kritisch zu sehen ist: Wir finden es toll, dass Reisen mit Kindern heutzutage so einfach und bezahlbar geworden ist.

Reisen mit Kindern ist heute viel einfacher - oder? © Pixabay

Reisen mit Kindern ist heute viel einfacher - oder?

© Pixabay

Besorgt sind wir heute über ganz andere Fragen:

Hat der Mietwagen-Verleiher passende Kindersitze?

Wie sichern wir unser Kind im Flugzeug?

Welche Sonnencreme schützt das Baby am besten vor der australischen UV-Strahlung?

Sollen wir alle Reise-Impfungen absolvieren, die für Thailand empfohlen werden, oder ist das gerade schädlich?

Und können wir wirklich einen entspannten Urlaub haben, wenn es in den türkischen Restaurants keine Wickeltische gibt?

Und während wir darüber stöhnen, wie teuer das Fliegen mit Kindern ist, was ein „sehr gut“ getesteter Autokindersitz kostet oder ein Familienzimmer im Hotel – vergessen wir manchmal, dass das Reisen für heutige Familien wohl so einfach und bequem ist, wie es noch für keine Generation vor uns war.

Von wegen, früher war alles besser!

Was meint ihr – war das Reisen früher besser, oder genießt ihr die heutigen Möglichkeiten? Wir sind gespannt auf eure Gedanken und auf eure eigenen Urlaubserinnerungen!

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