Auftanken in der NaturBergsteigen mit Kindern – Tipps für gelungene Familientouren

Sich mit Kindern auf den Berg zu begeben – das bedeutet mehr, als nur seinen Schritt zu verlangsamen: Es sind nämlich unsere Kinder, die uns ins Gebirge mitnehmen und nicht umgekehrt. Wer die Perspektive wechselt und die Touren kindgerecht auswählt, kann sich auf schöne Erlebnisse mit der ganzen Familie freuen!

von KidsAway-Redaktion

Seite 2/2 Alter und Können, Ausrüstung und Sicherheit, Spaß am Berg

Alter und Können: Das ist euren Kindern zumutbar

Bei der Tourenplanung auf die Bedürfnisse der Jüngsten achten! © Aamon - Fotolia.com

Bei der Tourenplanung auf die Bedürfnisse der Jüngsten achten!

© Aamon - Fotolia.com

0 bis 2 Jahre: Euer Baby und Kleinkind könnt ihr auf kurze Bergtouren (in der Rückentrage, sobald es stabil alleine sitzen kann, oder im Tragetuch) problemlos mitnehmen – die Atemwege sollten aber frei sein (Druckausgleich!). Wichtig ist ein ausreichender Kälte-, Wind- und Sonnenschutz. Häufige Pausen zum Strampeln, Krabbeln und Laufen einplanen.

2 bis 4 Jahre: In diesem Alter zeigen Kleinkinder zunehmendes Interesse an der Natur – kurze Touren mit vielen Pausen sind optimal. Euer Kleinkind benötigt genügend Zeit zum spielerischen Erforschen, nicht nur in den Pausen. Im ungefährlichen Gebirgsgelände kann die erste „Trittsicherheit“ an der sicheren Hand von Mama oder Papa geübt werden.

4 bis 6 Jahre: In erster Linie geht es um das spielerische Entwickeln der eigenen Koordination. Die Touren sollten auf leichten Strecken nicht länger als einen halben Tag dauern und vor allem ausgedehnte Spielphasen beinhalten. Während der Familientour begeistert sich euer Kind für kleine Klettermöglichkeiten an Felsen oder Bäumen und findet Naturbeobachtungen interessant. Ein Kindergartenkind in diesem Alter kann übrigens schon einen Rucksack mit einem Kilo Gewicht selbst tragen.

 

TippSpielplätze gut auswählen

Das Gefahrenbewusstsein eures vier- bis sechsjährigen Kindes ist noch kaum ausgeprägt, deshalb müsst ihr bei der Wahl der Plätze für Spielpausen auf Sicherheit achten!

 

6 bis 9 Jahre: Familienausflüge findet euer Kind in diesem Alter mitunter schon langsam fad – Schulfreunde werden wichtiger. Nehmt doch einfach die liebste Freundin oder den besten Kumpel mit. Beim Bergsteigen findet euer Nachwuchs jetzt ein abenteuerliches Umfeld super: Bergbäche zum Herumtollen oder Felsen (max. 1,5 m hoch) zum Klettern. Euer Kind hat noch immer kein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein, aber theoretische Belehrungen bringen meist auch nicht viel – passt also gut auf! Der Rucksack darf jetzt schon zwei Kilo wiegen. Gehzeiten von insgesamt bis zu fünf Stunden, mit vielen Pausen, sind nun möglich, die Tour kann also bereits einen Tag lang dauern.

Ab 9 Jahre: Körperkraft und Ausdauer nehmen zu und euer Kind lernt, Gefahren vorauszusehen: Das bedeutet, es versucht sich jetzt aufgrund des eigenen Gefahrenbewusstseins richtig zu verhalten – und nicht, weil ihr es befohlen oder verboten habt. Die häufigste Unfallursache ist deshalb Abgelenktsein. Ein Rucksack mit einem Gewicht von bis zu vier Kilo ist kein Problem. Die (spielerische) Alpinausbildung kann in diesem Alter beginnen. Ihr könnt jetzt auch anspruchsvollere Ziele ins Visier nehmen – Gehzeiten von sechs bis sieben Stunden solltet ihr aber nicht überschreiten; manchmal möchten Kinder in diesem Alter aber auch ihre Leistungsgrenze erreichen. Auch Mehrtagestouren mit Hüttenaufenthalten oder eine Tour über flache Gletscher sind – bei entsprechender Übung – nun möglich.

Ab 13 Jahre: Mit etwa 13 Jahren kann sich euer Kind auch über einen längeren Zeitraum konzentrieren und mögliche Gefahrenquellen abstrakt analysieren. Deshalb könnt ihr euch auch nun gemeinsam auf Klettersteige, Kletterrouten, Firnfelder oder Gletscherwanderungen wagen. Sechs Kilo kann euer Teenager am Rücken tragen.

 

Gehzeit mit Kindern

Generell gilt: Die Tourenlänge sollte im Kindergartenalter drei bis vier Stunden Gehzeit nicht überschreiten; Schulkinder können Tagestouren schaffen, wenn genügend Ruhephasen am Programm stehen und sie genügend motiviert sind.

Die Zeitangaben in Bergtouren-Büchern und auf Wegweisern entsprechen der sogenannten Führerzeit, das ist die Normalgehzeit für Erwachsene – die Faustformel für das Gehen mit Kind ist: 1,5 x Normalgehzeit für Erwachsene = ungefähre Gehzeit mit Kind.

Ein praktisches Tool für erfahrene Bergtourengeher ist der Gehzeitrechner vom Deutschen Alpenverein (mit der erklärenden Formel zur Berechnung).

 

Verpflegung und Ausrüstung auf Bergtouren mit Kindern

  • Volle Flasche: Kinder haben schneller Durst als Erwachsene und brauchen auch mehr Flüssigkeit. Nehmt genügend Früchtetee, stark verdünnte, ungesüßte Säfte oder Wasser mit (mind. 1-2 Liter pro Person/Tag).
  • Leckerer Proviant: Gesundes und Schmackhaftes wie Obst, Müsliriegel, Butterkekse, Käse- oder Wurstbrote sind ideal – Süßes sollte nur als kleines Extra gedacht sein. Traubenzucker gibt rasch Energie, auch Trockenobst ist dazu geeignet.
  • Eigener Rucksack: Die meisten Kinder sind stolz auf ihren eigenen Rucksack, in den sie ihr Kuscheltier, eine kleine Trinkflasche und Brot oder hübsche Fundstücke verstauen können.
  • Gute und funktionelle Ausrüstung: Fleece-Bekleidung, einen guten Regenschutz, Mütze, Sonnenhut und passende Wanderschuhe und Ersatzwäsche (vor allem Socken) benötigt auch euer Kind.
  • Sonnenschutz: Ohne Creme mit Lichtschutzfaktor über 30, Sonnenbrille mit 100 % UV-Schutz und Sonnenhut solltet ihr euch nicht auf den Berg begeben.
  • Rucksackapotheke: Diese sollte mit genügend Pflaster, Gel für Mückenstiche und Hautabschürfen ausgestattet sein.

 

Sicherheit auf Bergtouren mit Kind

Die Sicherheit sollte immer oberstes Gebot beim Bergsteigen sein, aber ganz besonders mit Kindern – durch eine gute Tourenplanung könnt ihr mögliche Gefahren reduzieren oder überhaupt vermeiden.

 

ErfahrungsberichtFehlendes Gefahrenbewusstsein

Denkt daran, dass Kinder Anweisungen in der Regel schnell vergessen und oft überhaupt keinen Blick für gefährliche Situationen haben – das entwickelt sich nämlich erst mit zunehmendem Alter.

 

  • Lasst euer Kind lediglich in sicherem und überschaubarem Gelände vorausgehen und behaltet es auch dabei im Blick.
  • Beim Aufstieg bleibt ihr dicht hinter eurem Sohn oder eurer Tochter, damit ihr mögliche Ausrutscher abfangen oder Hilfestellung geben könnt.
  • Herrscht beim Abstieg Sturz- oder Rutschgefahr, nehmt euer Kind an die Hand oder sichert es mit Hilfe von Hüftsitz- und Brustgurt und „kurzem“ Seil.

 

TippSeil ins Gepäck

Ein Seilstück (Durchmesser: 9 mm, Länge: 10 m) solltet ihr auf schwierigen Strecken immer im Gepäck haben, um eure Kinder sichern zu können.

 

  • Vor allem mit jüngeren Kindern solltet ihr Situationen vermeiden, vor denen sie Angst haben oder die sie erschrecken könnten.
  • Gelände mit einem Steinschlagrisiko müsst ihr unbedingt umgehen.
  • Wenn ihr mit Kindern am Berg unterwegs seid, solltet ihr selbst über genügend Erfahrung und Kompetenz verfügen: Kennt ihr euch mit den Gefahren der Bergwelt aus? Beherrscht ihr Tourenplanung, Kartenkunde und Orientierung? Im Zweifelsfall lieber einen Kurs machen oder an einer geführten Tour teilnehmen.

 

Familientipps für unterwegs

Wenn ihr euch auf der Tour nur nach euren Kindern richtet, kommt ihr wahrscheinlich nicht sehr weit – andererseits habt ihr wenig Spaß, wenn ihr eure Kinder um jeden Preis auf den Gipfel treiben wollt. Ständige Ermahnungen und Antreiben sorgen bei allen für schlechte Laune. Mit folgenden Tipps können sich eure Kinder auf die nächste Bergtour freuen.

  • Lockert längere Gehzeiten mit Beobachtungs- und Entdeckungsphasen auf: Pilze, Ameisen, Vögel sind interessant.
  • Lasst euch auch auf die Entdeckungen eurer Kinder ein – sie sehen vieles, was ihr vielleicht (nicht mehr) seht und es macht ihnen Spaß, euch die Natur zu zeigen.
  • Vielleicht fallen euch Geschichten, Sagen oder Märchen, die zu eurer Tour oder zu Entdeckungen währenddessen passen, ein – das kann einen Durchhänger überbrücken.

 

ErfahrungsberichtSpiele für unterwegs ausdenken
Beispiele für situationsspezifische Spiele, die auf der Bergtour für Motivation und Spaß sorgen, sind Rate- und Zählspiele über die Pflanzen und Tiere, die man während des Gehens entdeckt.

 

  • Wenn ihr ein Einzelkind habt, nehmt den besten Freund mit – das ist aber auch bei Geschwistern eine gute Idee: Kinder motivieren sich nämlich gegenseitig, ihr könnt staunen, was eure Kinder schaffen, wenn sie mit anderen zusammen sind.
  • Rollentausch ist angesagt! Lasst euer Kind vorausgehen und den Weg finden – ältere Kinder können euch sowieso bei der Planung/Orientierung helfen.
  • Pausenplan: Stillsitzen ist für Kinder nicht erholsam – denkt euch Spiele oder Beobachtungsaufgaben aus oder lasst sie frei spielen und sich bewegen.

 

ErfahrungsberichtSpiele für die Sinne

Aktionen, die die Sinne der Kinder miteinbeziehen, machen immer Spaß, sind schnell organisiert und entwickeln ein Verständnis für die Natur. Beliebt sind etwa Blindenspiele, bei denen ihr euren Kindern die Augen verbindet (eine Augenbinde braucht wenig Platz im Rucksack), bevor sie eine bestimmte Strecke abgehen und etwas Interessantes ertasten (Baumrinden, Blätter, Moos, Steine). Testet vorher aber den Weg, um Verletzungsrisiken auszuschalten (Dornen, Brennnesseln) – außerdem solltet ihr euren Kindern als „Blindenführer“ zur Seite stehen. Diese Sinneserfahrung könnt ihr vertiefen, indem ihr euer Kind – falls sicher möglich – barfuß gehen lasst.

 

  • Lasst euren Kindern so viel Freiraum wie möglich, um eigene Erfahrungen zu machen – aber achtet darauf, dass sie Sicherheitsregeln berücksichtigen.
  • Umgang mit Flora und Fauna: Seid ein gutes Vorbild, wie man mit der Natur umgeht – lasst etwa keinen Müll liegen und pflückt keine Blumen, die unter Naturschutz stehen oder macht zu viel Lärm, der Tiere stören könnte.

 

TippMut zur Umkehr

Häufig wird der Abstieg unterschätzt – Müdigkeit und nachlassende Konzentration führen oft zu Unfällen. Manchmal ist es besser, umzukehren und mit der Seilbahn nach unten zu fahren oder eben nicht bis zum Gipfel gehen, sondern früher kehrtzumachen, damit der Abstieg auch noch problemlos gelingt. Falscher Ehrgeiz nimmt allen den Spaß am Wandern. Dasselbe gilt auch in riskanten Situationen oder bei unwegsamem Gelände.

 

  • Kleine Souvenirs wie ein hübscher Stein, Tannenzapfen, leere Schneckenhäuser, könnt ihr mitnehmen und daraus daheim etwas basteln.
  • An- und Ausziehpausen rechtzeitig einplanen: Kinder erhitzen sich rascher, kühlen aber auch schneller ab als Mama und Papa.

 

ErfahrungsberichtLiteraturtipps zur Tourenplanung mit Kindern
Der Deutsche Alpenverein hat eine große Auswahl an Literatur zum Bergsteigen mit Kindern zusammengestellt – ein Blick in das eine oder andere Buch hilft sicher bei der Tourenplanung.

 


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Kommentar als Gast schreibenKommentar (1)

  • Nadine

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für den tollen Artikel, Ideen, Tipps.
    Mein Mann und ich planen derzeit die erst Wanderung mit unseren Kindern.
    Wir hoffen auf super Wetter, denn so macht es am meisten Spaß.
    Auf der Suche nach einem Hotel bin ich auf diese Seite gestoßen: http://www.sonnenhof-gerlos.at/unser-hotel/

    LG
    Nadine

    Antworten | 5. Mai 2017

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