Reisebericht SüdostasienBali mit Baby: Eine Reise zum kinderfreundlichsten Völkchen Asiens

Reisfelder, Kultur, kinderbegeisterte Menschen? Leckeres Essen, gute Infrastruktur, Strand? Super, da mussten wir hin! Vier Wochen Elternzeitreise mit unserem Sohn Momme waren schneller rum, als wir „wo gibt’s hier pampers" fragen konnten.

von REISS AUS family

Balinesen lieben Kinder © REISS AUS family

Balinesen lieben Kinder

© REISS AUS family

Reisebericht verfasst von

REISS AUS family
am 29.07.2013

Informationen zur Reise

Reiseziel: Indonesien
Urlaubsort: Bali - Ubud, Amed, Bedugul
Reisestart: März 2013
Reisedauer: 1 Monat
Teilnehmer: 2 Erwachsene, 1 Baby

Für Ozeanien reicht das Budget nicht aus, Europa und Nordamerika im März schienen wenig attraktiv. Südostasien dagegen hatten wir bereits ohne Baby bereist und Bali war uns immer als besonders kinderfreundlich angepriesen worden. Außerdem ist es malariafrei, was uns mit einem knapp sechs Monate alten Baby auch wichtig erschien. Also packten wir Anfang März unsere Siebensachen und flogen mit unserem kleinen Sohn Momme von Hamburg über Amsterdam und Singapur nach Bali.

Der Flug war sehr entspannt, Momme hat die meiste Zeit im Babybettchen geschlafen oder sich interessiert umgesehen und mit seinem Babycharme versucht, die Menschen im Flieger um uns herum zu verzaubern. Ich selbst habe noch nie so entspannt gesessen in der Notausgangsreihe im Flieger, in der man so viel Platz für die Beine hat, wie nicht einmal im privaten PKW. Momme brauchte auch eigentlich nichts außer 2-3 Spielzeuge, seinem Kuschelhasen Mommel und seiner Kuscheldecke, die Milchbar war ja mit im Flieger (-;

Vor Ort hatten wir im Voraus zwei Standorte gewählt, einen in Zentralbali in Ubud, einen schönen, recht komfortablen großen Bungalow in einer kleinen Hotelanlage am Stadtrand, und einen kleineren, sehr Bungalow einfachen am Strand in Amed an der Ostküste. Was dazwischen geschehen würde, hatten wir uns offengelassen und wollten wir nach unserer Ankunft entscheiden. In Ubud gefiel es uns dann so gut, dass wir dort sogar zwei Wochen geblieben sind. Man kann die Stadt, die auch als kulturelle Haupstadt des hinduistisch geprägten Balis gilt, sehr gut als Ausgangsort für Touren in die Umgebung nutzen und das haben wir auch reichlich genutzt. Dabei haben wir ein Auto mit Fahrer gemietet, den wir auch während dem Rest der Reise immer mal wieder angerufen haben. Er ist uns bis zur Abreise aus Bali und der letzten Fahrt zum Flughafen treu geblieben. In seinem Auto war viel Platz, ein Gurt, mit dem wir den Maxi Cosy anschnallen konnten, ein Kofferraum, der sich hervorragend zum Wickeln eignete und nicht zu vergessen hatte Gusti einen sehr angenehmen, umsichtigen Fahrstil, der uns vor der Geburt von Momme vielleicht weniger interessiert hätte, nun aber umso wichtiger war.

Stillen unterwegs © REISS AUS family

Stillen unterwegs

© REISS AUS family

Die Hitze, vor allem in dem tropischen, feuchten Klima, machte uns anfangs etwas zu schaffen, Momme dagegen war überglücklich, endlich die vielen Schichten Winterklamotten nicht mehr dauernd an- und ausziehen zu müssen! Häufig,wenn wir nicht unterwegs waren, konnten wir ihn in der Windel auf der Terasse spielen lassen. Unterwegs mussten seine Arme und Beine natürlich bedeckt sein und er einen Hut tragen. Da wir ihn meist im Manduca transportierten, waren Träger und Baby innerhalb kürzester Zeit nass geschwitzt, aber auch das schien Momme nicht zu stören (den Papa dagegen sehr, so dass nach wenigen Tagen Mama zur Hauptträgerin wurde). Abkühlung gab es täglich im Pool, aber erst, nachdem er am späteren Nachmittag im Schatten lag. Das war auf jeden Fall Mommes Highlight jeden Tag! Abkühlung gab es auch, als wir nach zwei Wochen weiterzogen nach Bedugul in die Berge, wo wir nachts mal wieder unter richtigen Bettdecken schlafen und abends Fleecejacken tragen konnten. Eine willkommene Unterbrechung, auch wenn sie das liebgewonnene Nacktspielen auf dem Balkon für Momme für ein paar Tage unmöglich machte. Er hat das auch gleich mit vermehrtem Meckern beim Anziehen quittiert! Unser Baby ist definitiv in der falschen Klimazone auf die Welt gekommen!

In den Bergen war es auch super, die Menschen waren allerdings etwas verschlossener und die Infrastruktur etwas schlechter. Dafür haben wir aber auch deutlich weniger andere Touristen gesehen und viel mehr ruhige, wenig besuchte Plätze gefunden. Außerdem gab es hier täglich frische Erdbeeren. Hm, lecker, vor allem mitten im deutschen Winter!

Letzte Station der Reise war Amed, das kleine Fischerdorf am Meer. Hier hat es uns am besten gefallen, denn wir waren in einem ganz kleinen Gästehaus mit fast schon familiärer Betreuung gelandet. Die belgische Besitzerin hatte Momme innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen und ihn uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit „entwendet“. So konnten wir auch ein bisschen Zeit zu zweit genießen! Außerdem konnten wir schwimmen, schnorcheln, tauchen und leckeren Fisch essen. Momme war zum ersten Mal in seinem Leben im Meer und es verschlug ihm für einige Minuten vor Erstauen die Sprache. Das Geräusch der Wellen war es wohl vor allem, was ihn besonders beeindruckt hat.

In Amed war es noch wärmer als in Ubud, aber auch hier hat Momme sich immer fröhlich gezeigt und alle, aber auch wirklich alle um den Finger gewickelt. In Amed war die Infrastruktur für Babies nicht so gut, aber wir hatten genug Windeln und Feuchttücher und vor allem Bargeld (es gibt keinen Bankautomaten!) dabei, um gut über die Runden zu kommen. Zur Not gibt es aber natürlich auch immer Möglichkeiten, an alles andere zu kommen (nicht zuletzt die Besitzerin der Anlage macht eigentlich alles möglich, unentgeltlich!). Dafür ist Bali dann doch eine kleine Insel mit kurzen Wegen.

Am schönsten für uns war, dass Momme so ausgeglichen und fröhlich war, wie kaum jemals zuvor. Reisen schien für ihn die natürlichste Sache der Welt, Orts-, Klima- und Zeitumstellungen überhaupt kein Problem. Fremde wurden stet angelächelt, Stresssituationen für die Eltern (Packen, längere Autofahrten) einfach verschlafen oder zufrieden mit sich selbst spielend verbracht. Wir haben ein Reisebaby!

Natürlich waren wir auch mal müde, genervt oder haben gestritten, aber nicht mehr oder weniger als zuhause. Alles ist sicher etwas intensiver, wenn man auf Reisen ist, denn zuhause verbringt man eben nicht jeden Tag 24h miteinander. Aber wir hatten auch endlich ganz viel Zeit zu dritt, Zeit, stundenlang mit Momme zu spielen oder ihn einfach beim Schlafen zu beobachten, uns über seine Entwicklung und Zukunft und unsere Beobachtungen zu unterhalten, nebenbei ganz viel Neues zu sehen und zu erleben und uns vom Stress der Monate davor zu erholen. Wir hatten intuitiv eine gute Mischung aus Reisen und Abenteuer auf der einen und Urlaub und Erholung auf der anderen Seite gewählt. Wir würden es immer wieder ganz genauso machen.

Unser Appell an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, mit ihren Kindern in die Ferne zu reisen: Es lohnt sich! Es ist toll, sich mit dem Kind einmal in einem ganz anderen Kulturkreis zu bewegen und zu sehen, wie Kinder und Eltern dort leben und wahrgenommen werden. Es stärkt einen, sich in ungewohnter Umgebung mit dem Baby zu bewegen und den Alltag zu meistern. Das ist auch eine gute Erfahrung für das Leben mit Kindern zuhause, die ungeheuer entspannt!

Lasst Euch nicht abschrecken von den ganzen Bedenkenträgern, die sich selbst nicht trauen und Euch deswegen Eure Pläne madig machen wollen. Und vergesst Eure Ängste vor der Kombination langer Flüge und schreiender Kinder: Erstens kommt das sowieso viel seltener vor, als mach Vielflieger Euch glauben machen möchte, und zweitens: So what? Eure Mitreisenden werden keine bleibenden Schäden davontragen, und Ihr werdet später darüber lachen. Was las ich neulich? Wer in ein öffentliches Verkehrsmittel steigt, der muss damit rechnen, Kindern zu begegnen. Genau!

 

 

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