KidsAway FamilieninterviewAlleinerziehend auf der Insel Bali

Als Alleinerziehende mit einem Baby nach Bali klingt für viele Menschen utopisch. Sie fürchten Einsamkeit, Überforderung und Gefahren aus der Natur. Heute erklärt uns Julia, wie ein Leben auf Bali mit Kind hervorragend funktioniert.

von KidsAway-Redaktion


Alleinerziehend auf Bali

Als Alleinerziehende mit einem Baby nach Bali klingt für viele Menschen utopisch. Sie fürchten Einsamkeit, Überforderung und Gefahren aus der Natur. Heute erklärt uns Julia, wie ein Leben auf Bali mit Kind hervorragend funktioniert.

Liebe Julia, erzähle uns bitte kurz über dich und was euch nach Bali gebracht hat.

Julia: Ich bin 40 Jahre alt und stamme ursprünglich aus Niederbayern. Bis 2012 hatte ich ein völlig normales Leben mit Studium, Arbeit und Partys am Wochenende. Damals brach ich zum ersten Mal aus und reiste alleine nach Indien. Diese Reise unternahm ich, weil sich mein Leben leer und unerfüllt anfühlte. Ich war auf Sinnsuche. Den Sinn fand ich damals zwar noch nicht, aber mir war klar, dass ich nie wieder in die alten Strukturen zurückwollte. Leider musste ich noch einmal nach Deutschland, weil meine Ersparnisse am Ende waren.

Alleinerziehend auf Bali - KidsAway Familieninterview mit Julia Starkey

Nach einem weiteren Jahr Arbeit startete ich 2014 wieder nach Indien. Dort verliebte ich mich und wurde relativ rasch schwanger. Für mich fühlte es sich so an, als wäre mein Leben in Freiheit damit am Ende. Meine Tochter kam 2015 in Deutschland zur Welt. Dort hielt es uns allerdings nicht lange.

Bereits mit sieben Monaten reiste ich mit ihr nach Indien. Wir lebten für rund 6 Monate in Rishikesh am Ufer des Ganges. Diese wunderbare Zeit zeigte mir, dass Reisen sogar mit Babys problemlos möglich ist.

2017 verabschiedete ich mich komplett aus Deutschland. Zuerst waren wir wieder in Indien, aber dann spürte ich den Ruf nach Bali in mir. Eine Freundin wohnte bereits mehrere Jahre in Ubud. Ich wollte sie gerne besuchen. Wir flogen nach Indonesien und mieteten uns ein kleines Häuschen in Ubud. Direkt bei Ankunft wusste ich, dass wir dort länger bleiben würden.

Zunächst lebten wir über zwei Jahre auf Bali. Ende 2019 verfiel ich aber in einen kleinen Inselkoller. Ich sehnte mich nach Community. Deshalb reisten wir in eine kleine Gemeinschaft in Süditalien. Nachdem ich dort nicht wirklich Fuß fasste, besuchten wir meine Familien in Deutschland.

Eigentlich war der Rückflug nach Bali für Ende März 2020 gebucht. Allerdings machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Wir verbrachten das letzte Jahr in Deutschland und Budapest. Im Dezember ergriff ich die Chance, beantragte ein Visum für Bali und wir flogen wieder zurück.

Seitdem seid Ihr also wieder auf Bali. Wie hat sich die Insel durch Corona verändert?

Anfangs war ich wirklich geschockt, wie ausgestorben Bali ist. Gerade die Innenstadt von Ubud ist massiv vom fehlenden Tourismus betroffen. Es existieren vielleicht noch 10 Prozent der früheren Geschäfte. Auch Touristenorte wie Kuta sind leergefegt. Dafür ist die vorhandene Community aber sehr angenehm. Die Menschen halten zusammen. Der Umgang ist noch freundlicher als vor der Krise.
Auf Bali gibt es verschiedene Einschränkungen durch Corona. So ist es Pflicht in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Beim Betreten verschiedene Shops und Restaurants wird die Körpertemperatur gemessen. Ansonsten ist das Leben allerdings sehr entspannt und angenehm im Vergleich zu vielen anderen Regionen der Welt.

Wie sieht euer Alltag auf Bali aus?

Seit Januar geht meine fünfjährige Tochter zum ersten Mal regelmäßig in den Kindergarten. Wir haben in Ubud zwei gute Einrichtungen gefunden. Montags bis mittwochs besucht sie einen Waldorfkindergarten, donnerstags und freitags geht sie in das Kids Camp eines 5-Sterne-Resorts. In diesen Stunden arbeite ich, treffe Freunde und kümmere mich um den Haushalt. Im Grunde leben wir nicht viel anders als die meisten Menschen in Deutschland.

Nachmittags hole ich Amelie vom Kindergarten ab. Die restliche Tagesgestaltung hängt von der Stimmung ab. Manchmal fahren wir einfach nur mit dem Motorroller durch die Gegend, gehen Eis-Essen oder springen in unseren Pool.

Glücklicherweise habe ich keine großartigen Haushaltstätigkeiten. Wir gehen meistens Essen, die Kleidung geben ich in die Reinigung und zweimal pro Woche kommt die Putzfrau. Dadurch bleibt mir, selbst als Alleinerziehende, ausreichend Zeit für die Kinderbetreuung.

Einmal am Wochenende betreut unsere Nanny die Kleine für drei Stunden. Da gehe ich zur Massage, mache Buchhaltung oder Besorgungen. Wir haben auch einen großartigen Oma-Ersatz in der Nachbarschaft. Eine ältere Australierin lebt hier. Sie hat selbst fünf Enkelkinder in Australien und freut sich immer, wenn Amelie zu Besuch kommt.

Wie finanzierst du dein Leben im Ausland?

Ich habe mehrere Einnahmequellen. Den Hauptumsatz mache ich als Texterin für Unternehmen wie kizpix.de und babyartikel.de. Seit Jahresbeginn gebe ich mein SEO-Texter-Wissen an Interessierte weiter. Ich biete verschieden Texter-Kurse an. Im März veranstaltete ich zusammen mit einer Mindset-Trainerin einen Bali-Auswanderer-Kurs für Frauen. Der lief so erfolgreich, dass wir ihn im Mai noch einmal durchführen werden. Zusätzlich erziele ich noch kleinere Einnahmen aus zwei Blogs und mit Kryptowährung.

Das Gute ist, dass mir normalerweise zwei bis drei Stunden Arbeit pro Tag ausreichen, um einen komfortablen Lebensstil zu finanzieren. Gerade die Kurse empfinde ich auch nicht als Arbeit. Es macht mir so viel Freude, Menschen ihrem Traum ein Stück näher zu bringen. In Zukunft werde ich diesen Bereich sicherlich noch weiter ausbauen.

Planst Du wieder zurück nach Deutschland zu gehen?

Nein, eine Rückkehr ist nicht vorgesehen. Natürlich weiß ich nicht, was das Leben noch bringt. Möglicherweise passiert in der Zukunft irgendetwas, dass mich umdenken lässt. Aber ich habe aktuell nicht das Gefühl, dass wir jemals längerfristig in Europa bleiben werden.

Deine Tochter wird dieses Jahr sechs Jahre alt. Wie hältst Du es mit der Schulpflicht?

Wir fallen nicht unter irgendeine Schulpflicht, weil wir auf Bali nur als Besucher gemeldet sind. Deshalb bin ich grundsätzlich frei in der Bildung meiner Tochter. In den letzten Jahren habe ich mich viel mit verschiedenen Optionen wie Homeschooling oder Unschooling beschäftigt.

Mir persönlich gefällt der Ansatz des Unschoolings am besten. Dabei werden Kinder gezielt nach Interessen gefördert. Wäre ich nicht alleinerziehend und alleine für den Lebensunterhalt verantwortlich, wäre das meine liebste Option. Allerdings kann ich Unschooling, wie es in meinen Augen vernünftig wäre, nicht leisten. Deshalb wird meine Tochter Bildungseinrichtungen besuchen. Mir ist es allerdings wichtig, dass sie sich dort möglichst frei entfalten kann. Wir werden vermutlich die Waldorfschule ausprobieren.

Da meine Tochter erst Ende September sechs Jahre alt wird, überlege ich noch, sie erst nächstes Jahr einzuschulen. Gerade im Hinblick darauf, dass sie erst wenige Monate ihres Lebens den Kindergarten besucht. Für diese Entscheidung bleiben mir noch ein paar Monate Zeit.

Gibt es Vorteile, die das Leben auf Bali einer Alleinerziehenden bietet?

Ja, die Vorteile gibt es definitiv. Ein wichtiger Punkt sind die vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten bei hohem Lebensstandard. Für unsere kleine Villa mit zwei Räumen, Küche, Bad und Garten mit Pool zahle ich 260 Euro pro Monat. Bereits für 2,50 Euro pro Gericht kann man hier gut auswärts essen. Die Nanny kostet ebenfalls nicht mehr als 2 – 3 Euro die Stunde, sodass für Entlastung gesorgt ist.

Obstteller auf Bali

Es sind viele andere Reisende auf Bali, darunter auch Alleinerziehende. So kann man sich gegenseitig unterstützen und die Kinder wachsen in einem kunterbunten Umfeld auf. Der Austausch mit den Menschen auf Bali ist mega inspirierend.

Meiner Meinung nach prägt die Kinder auch die Fülle, die mit einem Leben auf Bali einhergeht. Wäre ich mit meiner Tochter in Deutschland, hätten wir sicherlich kein Haus mit Pool, veganes Bio-Essen und den ganzen Nachmittag Zeit füreinander.

Wie finden deine Familie und deine Freunde euren Lebensstil?

Gerade für meine Eltern ist es nicht leicht, dass wir uns für ein Leben in Asien entschieden haben. Ich bin Einzelkind und Amelie ist das einzige Enkelkind. Durch die vielen Monate, die wir 2020 in Deutschland verbracht haben, ist die Beziehung zwischen Amelie und meinen Eltern sehr eng. Die Trennung war für alle schmerzhaft, aber notwendig.

Selbstverständlich sehen meine Eltern auch, wie viel freier Amelie in der aktuellen Situation auf Bali sein kann. Unser Privatkindergarten war durchgehend geöffnet. Wir können Restaurants besuchen und uneingeschränkt Freunde treffen.

Da ich mich ja bereits viele Jahre nicht mehr fix in Deutschland aufhalte, ist der Kontakt zu den Freunden selten geworden. Wir führen einfach sehr unterschiedliche Leben.
Bist Du manchmal einsam in der Ferne?

Ich bin ein Mensch, der generell nur sehr selten einsam ist. In Asien fühle ich mich so gut wie nie alleine. Wir haben uns ein gutes Netzwerk aus verschiedenen Kontakten aufgebaut. In wenigen Wochen kommt eine Freundin aus Österreich, mit der wir in Ubud eine WG gründen werden. Wir haben liebe Nachbarn und Freunde. Aber natürlich habe auch ich die Momente, in denen mir meine Eltern fehlen oder alte Freunde von früher. Vor Corona haben wir uns dann einfach in den Flieger nach Europa gesetzt. Das ist ja aktuell leider nicht möglich. Ich hoffe, dass sich dies aber bald wieder ändert.

Ja, wir hoffen wohl alle, dass sich die Lage wieder beruhigt und wir zur Normalität zurückkehren können. Vielen Dank liebe Julia für das Interview.

Wenn Ihr noch mehr über Julia und ihre Projekte erfahren wollt, dann schaut auf ihrer Webseite julia-starkey.de vorbei.


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