KidsAway-FamilieninterviewAuszeit auf Sri Lanka

Raus aus dem Alltag und dem Hamsterrad, das wünschten sich auch Wolfgang und Nicole. Gesagt, getan: Sie sparten sich neun Wochen Auszeit auf Sri Lanka zusammen. Im Interview erzählen sie von ihrer großen Reise.

von KidsAway-Redaktion

Die Strombergs in Pinnawela © Wolfgang Stromberg

Die Strombergs in Pinnawela

© Wolfgang Stromberg

Informationen zur Reise

Reiseziel: Sri Lanka
Urlaubsort: Sri Lanka
Reisestart: Februar 2012
Reisedauer: 9 Wochen
Teilnehmer: 2 Erwachsene, 1 Kleinkind, 1 großes Kind

Frage Erzählt doch bitte erst einmal ein wenig von eurer Familie – wer seid ihr?

Wolfgang: Eigentlich sind wir ganz normal: zwei Eltern und zwei Kinder, die zur Zeit der Reise sechs und drei Jahre alt waren und in den Kindergarten gingen. Nicole ist freiberufliche Keramikkünstlerin, ich bin selbständiger Wirtschaftsberater in einem Unternehmen mit über 150 Beratern und hatte damals Verantwortung für zwei Dutzend Mitarbeiter. Mit anderen Worten: Wir arbeiten beide gern und viel!

 

Frage Warum habt ihr euch für Sri Lanka entschieden?

Nicole: Uns war schon lange klar, dass wir eine Auszeit nehmen möchten, weit weg im Warmen. Wir haben uns in Südafrika kennengelernt und schon einiges in dieser Gegend gesehen, Amerika schien zu teuer … Viele Reisende berichteten begeistert von Südostasien. Vor unserer Hochzeit 2010 saßen wir mit einem weitgereisten Koch zusammen: Der empfahl uns Sri Lanka!

 

Frage Wie habt ihr die lange Auszeit geregelt und finanziert?

Wolfgang: Die Vorbereitungen begannen schon vor Jahren. Als Selbständige fehlten uns ja nicht nur die Reisetage als Arbeitstage – wir konnten in der Zeit auch keine Termine anbahnen, keine Geschäfte vorbereiten noch nacharbeiten. Wir mussten also, anders als Angestellte, viel mehr Geld ansparen. Um Kosten zu senken, haben wir auch unser Haus untervermietet. Von meinen Kollegen und Mandanten wurde ich toll unterstützt, zwei Projekte wurden komplett gestoppt: „Wir machen erst weiter, wenn Sie wieder da sind!“

Nicole: Mich schickten Auftraggeber fort mit den Worten: „Bringen Sie gute Ideen mit!“ Das habe ich getan, das Projekt wurde mein bislang bestes Design.

 

Frage Eine ganze Seite in eurem Blog www.kunstinton.com widmet sich Tipps zur Vorbereitung. Ist eine Reise nach Sri Lanka denn sehr aufwendig?

Der Zug ist eines der wichtigsten Transportmittel in Sri Lanka © Wolfgang Stromberg

Der Zug ist eines der wichtigsten Transportmittel in Sri Lanka

© Wolfgang Stromberg

Wolfgang: Das Land ist auf Rucksack-Touristen sehr gut eingestellt. Unterkünfte in kindertauglicher Qualität zu vertretbaren Preisen zu finden, war überall ohne Vorabbuchung möglich. Natürlich haben wir auch einige tolle Empfehlungen bekommen.

Die Flugpreise habe ich über zwei Jahre beobachtet und in den Weihnachtstagen 2011 sehr günstig gebucht. Visa für Sri Lanka gibt’s im Internet und für Kinder sogar kostenfrei. Und mitten im Winter Sommerkleidung und neue Moskitonetze zu besorgen, war richtig preiswert – im Internet gab es alles als Restposten.

Nicole: Sri Lanka ist nach unseren Erfahrungen sehr einfach zu bereisen: Busse und Züge sind erstaunlich pünktlich, Trishaws (für uns: „Tuktuks“) gibt es überall. Wer mehr Geld hat oder weniger Zeit, ist auch mit einem Auto und Fahrer gut bedient.

Die konkrete Organisation begann etwa ein Jahr vorher – mit Impfungen. Mich eingelesen und die Route geplant habe ich ein paar Monate vorher. Wir wollten uns nicht festlegen, aber doch eine Idee haben, was wir ansehen wollen. Das hat geklappt, weil wir den einzigartigsten Luxus hatten: Zeit!

 

Frage Woran orientierte sich Eure Reiseroute?

Nicole: Wir wollten alle auf unsere Kosten kommen: Ruinen sehen, baden, wandern, Elefanten reiten, lecker Essen, shoppen, Ayurveda genießen. Ich habe eine Zickzackroute ausgetüftelt, die Baden und Kultur, Anstrengung (wie Bergsteigen) und Erholung abwechselte. An manchen Orten blieben wir länger als gedacht (etwa in Kandy und Mirissa), andere Stationen haben wir weggelassen. Die Kinder gaben das Tempo vor – wo sie besonders glücklich waren, blieben wir länger – und ab und zu fragten sie: „Wann ziehen wir weiter?“

 

Frage Welche Transportmittel habt ihr genutzt, wie habt ihr gewohnt?

Mit Chauffeur Bandulla im Tuktuk © Wolfgang Stromberg

Mit Chauffeur Bandulla im Tuktuk

© Wolfgang Stromberg

Wolfgang: Wir haben alles ausprobiert: Wir sind im Zug auf der Lok und eingequetscht im Überlandbus gefahren. Selbst als „Anhalter“ waren wir zu viert mit Gepäck unterwegs – doch unser Lieblingsvehikel sind die Tuktuks, die wir auch für Ganztagsausflüge mit über 100 km Strecke mieteten, immer mit Fahrer.

Unsere Unterkünfte waren Pensionen mittleren Preisniveaus – oft mit ausgezeichneter Küche.

Frage In drei Stichpunkten: Was kann man Typisches in Sri Lanka erleben?

Wolfgang: Mit Fischern am Strand die Netze einziehen, an einer Pooja (Gebetsstunde) im Tempel teilnehmen und mit einer Familie ein Festessen erleben, zum Beispiel zum buddhistischen Neujahr.

 

Frage Welche Eindrücke waren die Höhepunkte eurer Reise?

Anouk mit den Fischern auf Du und Du © Wolfgang Stromberg

Anouk mit den Fischern auf Du und Du

© Wolfgang Stromberg

Nicole: Die alle aufzuzählen, sprengt den Rahmen! Die Kinder liebten das Bodysurfing in den lauwarmen Wellen und den Ritt auf einem Elefanten. Als Familie war der Sonnenaufgang auf Sri Pada nach einem harten Nachtaufstieg für uns sehr prägend. Und wir haben Freunde auf Sri Lanka gefunden – die wir sehr vermissen.

 

FrageAuf eurem Blog berichtet ihr aber auch von einem sehr ungewöhnlichen Erlebnis …

Wolfgang: Das war wohl mein „Marathon“: Rund um das buddhistische Neujahrsfest richten Schulen, Firmen und Gemeinden Sport- und Spielfeste aus, dabei trafen wir mehrmals auch auf Laufveranstaltungen. Das reizte mich sehr und dann brachte uns einer unserer neuen Freunde am Neujahrsmorgen tatsächlich auf den letzten Drücker zu einem solchen Fest.

Der Lauf war ein riesengroßer Spaß! Ich war der einzige Teilnehmer mit Schuhen und permanent von einer Schar Radfahrer, Tuktuks und sehr schnellen Mitläufern umgeben. Der Tag war sehr heiß und die Zuschauer haben mir unterwegs eimerweise Wasser ins Gesicht gekippt. Keine Ahnung, wie lang die Strecke war – ins Ziel, eine Tempelanlage, bin ich buchstäblich auf allen vieren gekrochen.

Anouk (ruft dazwischen): Wir hatten 200 Luftballons als Geschenke gekauft, die haben uns die Kinder aus der Hand gerissen!

 

Frage Ist Sri Lanka ein „kinderfreundliches“ Reiseziel?

Im Teehaus bei Nuriela © Wolfgang Stromberg

Im Teehaus bei Nuriela

© Wolfgang Stromberg

Beide: Und wie! Ganz, ganz viele Sri Lanker strahlen eine tiefe innere Fröhlichkeit aus, die sich gerade gegenüber Kindern mit Witz und Zuneigung noch steigert. Für Kinder ist im vollsten Bus ein Platz frei – da steht sogar die Oma auf!

Alle Religionsgemeinschaften, also Buddhisten, Hindus, Moslems und Christen stehen Kindern mit großer Offenheit und Fröhlichkeit gegenüber. Selbst in distinguierten Restaurants sind Kinder willkommen. Die Buddhisten achten außerdem sehr auf Hygiene. Unsere beiden Blondschöpfe hatten nur ein Problem: In Asien glauben viele Menschen, das Anfassen blonder Kinder bringe Glück.

 

Frage Gab es auch schlechte Erlebnisse? Worauf hättet ihr verzichten können?

Wolfgang: Die Natur können wir nicht beeinflussen. Als uns in Matara die Nachricht eines drohenden Tsunamis  erreichte, flohen wir mit geschätzt 100.000 Menschen aus der vollgestopften Stadt. Wir und auch die Kinder sahen die Panik, Angst und Traumatisierung von 2004 in den Augen der Menschen.

 

Frage Wie kamen eure Kinder mit der langen Reise und dem fremden Land zurecht?

Anouk und Elia im Bus © Wolfgang Stromberg

Anouk und Elia im Bus

© Wolfgang Stromberg

Nicole: Super – als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Weder fehlte ihnen ihr Spielzeug noch die Freunde, denn wo immer es Kinder gab, wurde gemeinsam gespielt. Das Reisen mit dem Rucksack erledigt zudem viele Diskussionen: Es gibt kaum Auswahl an Kleidern, Spielzeug, kein TV. Dafür ist die Familie Tag und Nacht zusammen, was wir sehr genossen haben – die neun Wochen waren friedlich und fröhlich.

Wolfgang: Kein Medikament wurde gebraucht, obschon wir überall alles gegessen haben –an den Straßenständen und bei den fliegenden Händlern im Zug gab es häufig leckere Sachen. Unsere Tochter war anfänglich sehr zurückhaltend bei den pikanten bis scharfen Speisen, aber das legte sich.

Nicole: Beide Kinder haben an Offenheit und Selbstbewusstsein gewonnen. Und wir haben eine Kultur des Gesprächs miteinander entwickelt, die uns seither begleitet. Das Reisen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

 

Frage Wenn ihr so eine lange Reise noch einmal machen könntet, was würdet ihr anders machen?

Wolfgang: Ich werde mein Sekretariat etwas besser vorbereiten. Und ein T-Shirt weniger einpacken.

Nicole: Ich werde die letzten Tage vor Abreise stressfreier gestalten.

 

Frage Wenn ihr euch etwas wünschen könntet: Was ist euer großer, unerfüllter Reisetraum?

Beide: Mit noch mehr Zeit reisen! Und für diesen Traum sparen wir schon wieder…

 

Ist dieser Artikel lesenswert?

Bitte bewerte diesen Artikel: Bewerte diesen Artikel mit einem SternBewerte diesen Artikel mit 2 SternenBewerte diesen Artikel mit 3 SternenBewerte diesen Artikel mit 4 SternenBewerte diesen Artikel mit 5 Sternen
Bewertung: 4,73 von 5 (bei 11 Stimmen)

Aktuelle Umfrage

Wohin wollt ihr 2017 mit eurer Familie reisen? (bis zu 5 Antworten sind möglich)

lädt ... lädt ...

Kommentar als Gast schreibenKommentare (2)

  • ich meine natürlich den
    PANORAMAwagen

    Antworten | 1. März 2014
  • Ihr lieben Sri Lanka-Reisenden!

    Erst einmal Danke für die Infos hier schon.

    Wir beginnen gerade mit den Vorbereitungen für 3 Wochen Sri Lanka Weihnachten und Sylvester 14/15! Sri Lanka öffnet uns als sehr vielfältiges Land, das und dessen Menschen wir unbedingt kennen lernen möchten.

    Werden die ersten 1 bis 2 Tage nach Ankunft in Colombo bleiben und dann mit der Eisenbahn erst mal nach Kandy (ein MUSS nehmen ich an) … nun meine ERSTE Frage:
    Die staatliche Bahn-Gesellschaft ist die günstigste, sogar im Banoramawagen, nur wollen die für jedes Photo das man schießt (so verstehe ich es auf der Homepage) 2000.
    Verstehe ich das falsch?????? Ohne Fotos geht natürlich nichts und 4,00€ für jeden Schuss werden wir NICHT bezahlen

    railway.gob.lk

    Schon mal danke!

    Antworten | 1. März 2014

Anmelden | RegistrierenKommentar als Gast schreiben

Tipp: Wenn du Dein Bild in den Kommentaren sehen möchtest, nutze bitte den kostenlosen Service von Gravatar.com.

+ 3 = zehn

Dein Name und deine Email-Adresse sind erforderlich. Deine Email-Adresse wird nicht angezeigt.

Anzeige