Außergewöhnliche Familien auf ReisenKidsAway FamilieninterviewAllein mit Kind von Nepal durch Südamerika

Bis ans Ende der Welt - nach Feuerland - ist Eva mit ihrer Tochter Miriam (7) gereist. Lange Busfahrten, krasse Klimaunterschiede und häufige Ortswechsel sind für Miriam nichts Neues. Mit ihrer Mama allein zog sie schon als Reisebaby durch die Welt - und dann dauerhaft nach Nepal.

Teil 15 von 15 der Serie Außergewöhnliche Familien auf Reisen

von Angela Misslbeck

Seite 2/4 Reisen mit Kind durch Südamerika: Höhe- und Tiefpunkte

Miriam staunt über Gletscher und Eisberge in Patagonien © Eva Wieners

Miriam staunt über Gletscher und Eisberge in Patagonien

© Eva Wieners

Frage Seid ihr in Südamerika immer zu zweit unterwegs?

Die ersten sechs Wochen war meine Mutter mit uns unterwegs. Sie hatte sich immer gewünscht, einmal nach Patagonien zu fahren, und als klar war, dass ich und Miriam für meine Konferenz nach Brasilien müssen, habe ich sie überzeugt, vorher Patagonien dranzuhängen.

 

Frage Was ist für dich angenehmer: allein mit Miriam zu reisen oder in Begleitung weiterer Erwachsener?

Beides hat seine Vorteile. Miriam und ich sind ein eingespieltes Team, vieles klappt super, wenn wir zu zweit sind. Wir wissen, was wir uns zutrauen können und wann wir an unsere Grenzen kommen, und das macht vieles sehr einfach. Mittlerweile ist sie so groß, dass ich sie mal allein im Hotel lassen kann oder dass sie auf das Gepäck aufpasst, wenn ich Bustickets kaufe.

In Begleitung zu sein ist aber auch schön. Man kann Aufgaben aufteilen und Miriam muss sich nicht immer nur auf mich beziehen. Nach mehreren Wochen mit Miriam alleine fehlt mir manchmal doch schon ein anderer Gesprächspartner… Aber Miriam auch.

Gerade jetzt hatten wir einen kleinen Lagerkoller, und sie nutzt nun jede Möglichkeit, die sich ihr bietet, um mit anderen Leuten als mit mir zu sprechen. Das ist also beidseitig und ganz normal, denke ich.

 

Frage Wie begegnen euch die Menschen, wenn sie sehen, dass ihr zu zweit unterwegs seid, also ohne Mann oder Papa?

Da hatten wir bis jetzt noch gar keine Probleme, weder in Nepal noch sonst wo. Wenn ich gefragt werde, wo denn mein Mann ist, sage ich oft einfach: Der musste arbeiten. Dann kommen keine Nachfragen mehr.

Ich habe festgestellt, dass man in vielen Kulturen als alleinerziehende Ausländerin durchaus respektiert wird – ganz anders sieht es für die Einheimischen aus. In Nepal zum Beispiel bekomme ich unglaublich viel Unterstützung und nur das macht es mir möglich, so zu leben wie ich es tue.

Als nepalesische Frau alleinerziehend zu sein, ist aber die Hölle. Da gibt es gar keine Hilfe und ein soziales Stigma noch dazu. Oft sind die Leute wohl bereit, unsere Konstellation so zu akzeptieren, da wir eben nicht zur eigenen Gesellschaft dazugehören.

 

Frage Was waren bisher eure schönsten Erlebnisse?

Ach, da gab es so viele. Ganz besonders war für mich unsere Zeit in Patagonien. Es war einfach total schön, so viel Zeit mit meiner Mutter und meiner Tochter gemeinsam zu haben und dann noch so viele unglaubliche Dinge zu sehen. Für immer in Erinnerung wird mir wohl unser letzter Tag im Nationalpark Torres del Paine bleiben. Wir haben eine Wanderung am Rande des Parks gemacht und eine Herde Guanacos getroffen. Das ist eine Art Lama, gar nicht scheu und wunderschön. Wir konnten langsam durch die Herde laufen und den Tieren ganz nah kommen, die Fohlen waren besonders an Miriam interessiert, und wir haben glaube ich zwei Stunden lang nur mit offenen Mündern das Treiben beobachtet.

Ein anderes Highlight war der Gletscher Perito Moreno. Ich liebe Gletscher, und diese unglaublich hohe und lange Wand vor mir zu haben und das Eis ächzen zu hören, war einfach unglaublich.

Ganz toll finde ich Miriams Faszination für die Natur. Wenn sie mit großen Augen durch den Dschungel läuft oder gar nicht genug von den Schmetterlingen auf ihrer Hand bekommen kann, dann bin ich am glücklichsten.

 

Frage Gab es auch brenzlige Situationen?

Wir hatten bis jetzt immer unglaubliches Glück. Extrem nervig war unser Flug von Argentinien nach Brasilien, da bin ich schon an meine Grenze gekommen. Wir sind nachts geflogen und mussten um 1 Uhr in Sao Paolo umsteigen. Am nächsten Morgen um 11 Uhr sollte ich auf der Konferenz in Rio meine Präsentation halten – also schon unter idealen Bedingungen alles sehr knapp geplant.

In Sao Paolo hatte die Fluggesellschaft aber unseren Koffer verloren, in dem alle meine Konferenzsachen waren – Bluse, schicke Schuhe, lange Hose. Nach drei Stunden Warterei haben wir fast noch unseren Anschlussflug verpasst, und in Rio fehlte der Shuttleservice zum Hotel, weil es da eine Verwechslung gegeben hatte. Nachdem ich ein anderes Taxi gefunden hatte, standen wir ewig im Stau und kamen erst um 10 Uhr im Hotel an – ohne Koffer und nur eine Stunde vor meiner Präsentation.

In Klamotten von meiner Mutter und FlipFlops, ohne eine Stunde geschlafen zu haben, bin ich fünf Minuten vor Beginn meines Vortrags im Konferenzhotel angekommen. Im Endeffekt hat alles geklappt, nach einigen Tagen kam auch der Koffer und wir konnten auf Kosten der Airline shoppen gehen, aber an dem Morgen habe ich echt ein paar Mal gedacht, ich werde wahnsinnig.


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