Reisebericht PortugalMit Bus und Baby durch Europa

Mit Bus und Baby 11.000 Kilometer quer durch Europa - geht das als aufgeregte Neu-Mami? Und ob! Portugal, Spanien, Gibraltar, Frankreich! Während die Eltern das Familienleben und die Surfstrände genossen, wuchs Hannes vom Buggykind zum Krabbelkind.

von jessika

Seite 2/4 ... und los geht's nach Portugal

In einem Rutsch vom Ruhrgebiet nach Portugal

Wir kamen unfassbar gut voran. Selbst im Ruhrgebiet kein Stau. Um 18 Uhr bekam Hannes sein Abendessen und wurde auf einer Raststätte bettfertig gemacht. Es gab dort einen tollen Kinderwaschraum, so etwas war mir früher gar nicht so aufgefallen. Dann ist er gegen 19 Uhr quasi „ins Bett“ in seinen Kindersitz gegangen. Wir hatten Glück, dass Hannes zum Zeitpunkt der Reise noch sehr unmobil war und noch nicht so viel Bewegung forderte. Das sollte im Laufe der Reise etwas anders werden. Hannes hat mehr oder weniger die ganze Nacht geschlafen in seinem Sitz. Beim Tanken oder kurzer Pause schon immer mal geblinzelt. Gegen 2 Uhr waren auch wir sehr erschöpft und machten eine kurze Schlafpause auf einer Raststätte. Wir stellten uns direkt an die Tankstelle, so dass es auf uns nicht gruselig oder bedrohlich wirkte. Man hört ja die wildesten Geschichten. Stefan schlief auf dem Vordersitz, ich hatte mich mit Hannes hinten aufs Bett gelegt. Da noch nicht alles optimal verstaut war, war dort noch nicht genug Platz, dass wir alle gemütlich liegen konnten.

Zu meiner Sorge um die Temperatur: Auf der Raststätte in Frankreich hatten wir 0° C! Nach zwei Stunden fuhren wir weiter. Gegen vier Uhr erreichten wir Paris, Stefan ließ sich nicht davon abbringen, wir mussten wie zu Studi-Zeiten einmal um den Triumphbogen fahren. Leider war der Eifelturm nicht beleuchtet. Danach haben wir erneut angehalten, weil Hannes Hunger hatte, und wir merkten, dass wir doch noch etwas länger pausieren mussten. Ich hatte diese Pause Pech: Hannes war quietschfidel und spielte mit meiner Nase, Haare und Ohren. Aber wenigstens bekam Stefan noch etwas Schlaf und so konnten wir gegen 8 Uhr weiter fahren. Hannes war dann auch müde gespielt und schlief schon wieder.

Sommerwetter in Sagres © jessika

Sommerwetter in Sagres

© jessika

Gegen 12 Uhr erreichten wir unser erstes Etappenziel: Angouleme. Hier hatten wir eine Nacht im Ibis Hotel reserviert. Wir luden die wichtigsten Dinge aus und gingen gegenüber bei McDonalds essen. Am Nachmittag hätten Stefan und ich gerne einfach nur geschlafen, aber Hannes hat fast zwei Stunden am Stück geschrien und gemeckert. War wohl doch etwas aufregend alles für ihn. Da wir das aber von zu Hause auch kennen, dass Hannes mal ordentlich schreit (er ist leider ein Bauchwehkind), hat es uns nicht weiter beunruhigt.

Leider haben wir andere Reisende im Hotel wohl sehr genervt und es wurde von oben ordentlich geklopft. Da stand für mich fest: nie wieder Hotel, lieber frieren wir auf dem Campingplatz. Die Nacht selbst war ganz okay und so fuhren wir doch einigermaßen erholt am nächsten Morgen weiter. Gegen Mittag erreichten wir Biarritz und verbrachten ein paar schöne Stunden dort bei bestem Wetter. Übernachten wollten wir in San Sebastian. Also ging es noch einmal ca. 1,5 Stunden weiter. Die Fahrtzeiten tagsüber haben wir immer so abgestimmt, dass sie zu Hannes Schlafenszeiten lagen. So war es für ihn überhaupt kein Problem.

In San Sebastian auf dem Campingplatz angekommen, folgte der erste Campingtest. Es war auf jeden Fall schon mal schön, nicht tausend Taschen in ein Hotel schleppen zu müssen. Wir bauten nur das Busvorzelt auf, klappten die Sitzbank um und verstauten die Taschen im Cockpit. Aber wir merkten auch gleich: Man muss beim Campen zu dritt unglaublich ordentlich und strukturiert sein! Für die Nachtflasche muss alles bereitstehen und alles, was nicht gebraucht wird, muss gleich wieder verstaut werden, sonst verheddert man sich schnell.

Campingstart in San Sebastian bei 7 Grad © jessika

Campingstart in San Sebastian bei 7 Grad

© jessika

Auch an diesem Abend hat Hannes ordentlich geschrien und ich weiß noch, dass ich mit dem Buggy heulend die Straße entlanglief und mich fragte, ob es vielleicht doch etwas zu egoistisch war, was wir hier machten. Da Hannes auf unserer Reise aber so unglaublich viele neue Dinge gelernt hat, kann es auch sein, dass er mal wieder in einem schlimmen Entwicklungsschub steckte und wir zu Hause das gleiche Theater gehabt hätten. Gegen 20 Uhr legten wir Hannes in den Bus und die erste Nacht war gleich ein Traum. Er schlief richtig gut und entspannt. Wir hatten ein Stillkissen mit, das wir als Begrenzung um ihn legten, und später legten wir uns dazu. Dank meines Heizlüfters konnten Stefan und ich gemütlich im Busvorzelt sitzen und bei einem Glas Wein den ersten Stress von uns abfallen lassen.

Am nächsten Tag wurde morgens eingepackt und die Fahrt ging weiter. Anfangs dauerte das Packen noch etwas, später hatte alles seinen festen Platz und wir wurden routinierter. Nächstes Ziel war Salamanca. Hannes saß mit seinem Sitz in der zweiten Reihe und es konnte sich immer noch einer neben ihn setzen. So konnte man ihn bespaßen, wenn wir noch etwas Strecke machen wollten. Gegen Mittag machten wir eine lange Pause an einem richtigen spanischen Truck-Stopp. In Spanien kann man dort günstig und lecker essen gehen. Eine gute Ausstattung für Kinder gibt es allerdings nicht. Diese Pausen dauerten dann immer etwas länger, als wenn man ohne Kind reist. Wir nutzten sie, um Hannes wieder müde zu spielen. Dann nahm er nach zwei Stunden wieder bereitwillig im Kindersitz Platz, um eine Plastikschüssel oder irgendwas anderes zu untersuchen. Sämtliches kindersicheres Equipment wurde als Spielzeug umfunktioniert.

In Salamanca hat es in Strömen geregnet, so dass keiner von uns Lust hatte, dort das Zelt aufzuschlagen. Also beschlossen wir, einfach weiter zu fahren. Hannes brachten wir wieder nach ausgiebigem Spielen zur gewohnten Zeit ins „Bett“. Ich fluchte im Scherz, weil ich unsere Route wirklich bis ins kleinste Detail geplant hatte und wir nun schon auf der dritten Strecke alles über den Haufen warfen. Hannes war friedlich und so erreichten wir tatsächlich gegen 21 Uhr schon Portugal! Wir konnten es selbst kaum fassen, wie unglaublich fix wir durchgekommen waren. Die Strecke durch Spanien kann man wunderbar fahren.


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Kommentar als Gast schreibenKommentare (4)

  • Christian

    Vielen Dank für den schönen Reisebericht!
    Wir möchten im September auch mit unseren 2 Söhnen (3 Monate & 3 Jahre) nach Portugal. Kannst du mir bitte sagen, wie die beiden Campingplätze in Zambujera do Mar und Lagos heißen?

    Besten Dank und viele Grüße

    Christian

    Antworten | 12. Juni 2019
    • jessika

      Yelloh camping in Lagos, oder touriscampo
      Eco camping in Zambujera

      Antworten | 26. Juni 2019
  • Ein toller Beitrag!

    Vielen Dank und herzliche Grüße aus Portugal.

    Fam. Mueller

    Antworten | 6. Dezember 2016
    • Jessika

      Dankeschön! Herrlich das jetzt mal wieder zu lesen! Hannes ist inzwischen 4,5 und die Schwester 2,5 Jahre. Die durfte mit neun Wochen gleich nach Lacanau 🙂

      Antworten | 8. Dezember 2016

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