Essen auf Reisen mit Kindern„Nein, das esse ich nicht!“ Reisen mit Suppenkaspar und Mäkelfritz

Auch mit Kindern, die zu Hause nur Nudeln essen, kann man „exotische“ Länder entdecken. Reisen öffnet Horizonte, das gilt auch für die kompliziertesten Esser. Und wenn es das nicht tut, haben wir hier ein paar Tipps von erfahrenen Eltern gesammelt.

von KidsAway-Redaktion

Seite 2/3 Essen ist Heimat

Essen ist Heimat

Auch, wenn es schwerfällt: Habt Verständnis, wenn der Nachwuchs zwischen köstlichen asiatischen Nudelgerichten oder mexikanischen Tacos einzig nach Pommes verlangt. Essen bedeutet eben auch ein Stück Heimat.

Viele Kinder reagieren auf eine ungewohnte, fremde Umgebung, indem sie vehement etwas Vertrautes einfordern, das sie zu Hause vielleicht gar nicht so oft essen wollen. (Erwachsenen geht es da nicht anders; weshalb es in Urlaubsgebieten auf der ganzen Welt immer dieselben vertrauten Gerichte von „American Breakfast“ bis Pizza gibt).

Andere Länder, anderes Essen... hier in Vietnam © Weltwunderer

Andere Länder, anderes Essen... hier in Vietnam

© Weltwunderer

Kinder im Schulalter brauchen (und verstehen!) mitunter eine Erinnerung an gutes Benehmen und gegenseitigen Respekt: Bevor das große „Ihh, das esse ich nicht“-Geschrei einsetzt, erklärt man dem Kind, dass das hier auf dem Tisch für die Einwohner des Landes ganz normales Essen ist. Was würden die Mäkelfritzen wohl sagen und denken, wenn man ihre Lieblingspizza mit angeekeltem Blick zur Seite schöbe?

Das Verlangen nach Vertrautheit könnt ihr aber auch geschickt zu euren Gunsten nutzen: Macht eure Kinder einfach schon vor der Reise mit der lokalen Küche vertraut! Wer sowieso regelmäßig zum Inder, Thai oder Koreaner essen geht, türkische Imbisse besucht und zu Hause Tacos rollt oder Crepes bäckt, der verschafft seinen Kindern einen großen Vorsprung beim Reisen – „Ach, das kenne ich schon von zu Hause“ ist dann die (erhoffte) Reaktion.

 

Die „Ein-Happen-Regel“

Ein Trick, den viele reisende Eltern anwenden, ist die „Ein-Happen-Regel“ (die auch zu Hause gelten sollte): Bei jedem Essen muss wenigstens ein Bissen probiert werden. Natürlich sollt ihr euer Kind nicht zum Essen zwingen.  Der „Happen“ darf frei gewählt werden; er darf auch auf Mamas Teller liegen.

Wenn es dann nicht schmeckt, muss nicht weitergegessen werden ­– und! Man darf fortan berechtigt behaupten: „Das schmeckt mir nicht.“ Beachtet den kleinen Unterschied zwischen „Das schmeckt mir nicht“ und „Das ist ekelhaft“!

Toll, wenn man das Essen vorher sehen kann - in Japan ist das üblich © Weltwunderer

Toll, wenn man das Essen vorher sehen kann - in Japan ist das üblich

© Weltwunderer

Oft ist es tatsächlich so, dass ein Gericht viel besser und interessanter schmeckt, als es aussieht. Wer nicht probiert, wird niemals etwas Neues erfahren! Bei besonders seltsam anmutenden Gerichten kann man größere Kinder vielleicht auch mit der Kamera motivieren: „Jetzt fotografieren wir mal für deine Freunde zu Hause, wie du diesen Tintenfisch-Arm in den Mund steckst…“

Kleinere Kinder kann man spielerisch ermutigen: Mit geschlossenen Augen sollen sie erraten, womit ihr sie füttert, oder ihr schmeckt um die Wette, welche Zutaten in eurem Essen sind. Natürlich sind hier alle wesentlich motivierter, wenn ihr das Spiel mit Süßigkeiten beginnt.

Wenn euer Urlaubsquartier eine Möglichkeit zum Kochen, könnt ihr neue Gerichte gemeinsam mit den Kindern einkaufen und zubereiten. Auf diese Weise sieht man nicht nur, woraus das Essen entsteht, es kann auch jedes Familienmitglied selbst bestimmen, wie „exotisch“ es sein Essen haben will. Wer gern kocht, kann die Landesküche auch schon vor der Reise zu Hause ausprobieren und einen Geschmack für die Besonderheiten entwickeln.

Tipp Gerade in den ersten Tagen, nach langen und anstrengenden Ausflügen oder bei generell schlechter Familienstimmung (denn Reisen bedeutet oft einfach Stress für alle!) sind viele Kinder einfach nicht in der Lage, sich auch noch auf exotisches Essen einzustellen. In diesen Momenten brauchen Eltern viel Verständnis und Geduld – und müssen im Notfall eben doch noch schnell im Supermarkt eine Packung Toastbrot kaufen oder bei McDonalds eine Portion Pommes frites bestellen.

 

Mitunter ist aber gar nicht das mäkelnde Kind schuld, sondern wirklich das Essen: zwei große Hindernisse können das Ess-Erlebnis in der Fremde nachhaltig behindern.

 

Urlaubs-Ess-Problem Nummer eins: scharfes Essen

In Europa tendieren wir dazu, unseren Kindern möglichst mild gewürzte Speisen zu geben. In anderen Ländern ist das nicht so, hier werden schon Kleinkinder an immer schärferes Essen gewöhnt.

Das hat oft hygienische Gründe: Frische Speisen verderben in Ländern, in denen keine effektive Kühlung oder keimfreie Lagerung möglich ist, schnell. Die Schärfe von Chili, Rettich & Co. setzt im Magen vermehrt Magensäure frei, wodurch Krankheitserreger abgetötet werden. Verzichtet ihr auf scharfe Gewürze, solltet ihr sicherheitshalber auch die dazugehörigen Speisen meiden. Fisch- und Fleischgerichte müssen wenigstens gut durchgebraten sein und sollten möglichst heiß gegessen werden.

Diese Nahrungsmittel sollten Kinder im Urlaub (außerhalb Westeuropas) lieber nicht zu sich nehmen:

  • Leitungswasser
  • nicht pasteurisierte Milch
  • Eis (weder Speise- und Softeis noch Eiswürfel)
  • geschältes Obst
  • kalte Buffets
  • Salate und rohes Gemüse
  • über längere Zeit warmgehaltene Speisen
  • Tiefkühlprodukte, da die Kühlkette vielleicht unterbrochen wurde
  • roher Fisch
  • rohes Fleisch
  • Austern und andere rohe Meeresfrüchte

 

TippÜbrigens: Da der Magen sich erst an die fremden Bakterien und Viren gewöhnen muss, haben sehr viele Kinder in den ersten Urlaubstagen leichten Durchfall. So lange keine Bauchschmerzen, Koliken oder Erbrechen damit einhergehen, ist das ganz normal und geht nach zwei bis drei Tagen von selbst vorbei.

 

Besteht die Chance, dass euer Essen schärfer als gewohnt sein könnte, müssen sich Eltern opfern und immer den ersten Bissen nehmen. Kinder, die sich einmal mit scharfem Essen die Zunge verbrannt haben, probieren so schnell kein neues Gericht mehr aus! Die Schärfe von Chili oder Paprika mildert ihr am besten mit Reis oder Brot ab; kaltes Wasser hilft dagegen nicht!

In den Ländern mit dem schärfsten Essen leben glücklicherweise auch die kinderfreundlichsten Menschen. Die meisten haben nicht nur Verständnis für heikle Esser, in vielen Ländern werden Kinder im Gegenteil so verwöhnt, dass sie sich in puncto Essen alles erlauben dürfen. In aller Regel ist es überhaupt kein Problem, wenn ihr nach „special food“ für euer Kind fragt. Grundnahrungsmittel wie Reis, Fladenbrot oder Pasta gibt es nahezu überall. Bonus: Ein Teller voll davon kostet wenig bis gar nichts.

 

Urlaubs-Ess-Problem Nummer zwei: andere Esswerkzeuge

Hm, wie soll das denn gehen? © Weltwunderer

Hm, wie soll das denn gehen?

© Weltwunderer

Ungewohnte Esswerkzeuge sind für uns Europäer in aller Regel Essstäbchen; aber auch das Aufdrehen von langen Spaghetti auf eine Gabel, das Öffnen einer Miesmuschel oder das Drehen einer Reiskugel mit den Fingern sind Fertigkeiten, die halt geübt werden müssen.

Klar kann und sollte auch ein Kind das Essen mit den Stäbchen versuchen – aber nur, so lange es Spaß macht. Einen Löffel gibt es immer dazu, auch wenn der eigentlich nicht zum Essen gedacht ist. Suppen in Asien werden nämlich „korrekt“ nicht gelöffelt, sondern aus der Schüssel geschlürft. Was für ein Spaß! Und auch wenn es anfangs schwerfällt: Kinder erlernen das Essen mit Stäbchen überraschend schnell!

Da alle Kinder gern mit den Fingern essen, liegt hier sogar ein besonderer Trick: Sofern ihr ein Gericht findet, dass auf diese besonders einfache und zu Hause meist verbotene Weise gegessen werden kann, habt ihr einen heißen Kandidaten für „Lieblings-Urlaubsessen“ gefunden.


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Kommentar als Gast schreibenKommentare (2)

  • Erfahrungsgemäß ist es wichtig, schon früh geschmackliche und optische Vielfalt anzubieten. Das Stillen durch eine vielfältig ernährte Mutter ist der Einstieg und auch bei der Beikost sollte statt Brei einfach das „Eltern-Essen“ mit angeboten werden, schön handlich zurechtgeschnitten dmit es ausgiebig erfasst, belutscht und irgendwann auch gegessen werden kann. Stichwort Baby led weaning. So gewöhnen sich Magen und Gaumen an Vielfalt und die Entdeckerlust wird nicht durch das Füttern von Brei eingedämmt. Dazu Eltern, die gerne ausprobieren – fertig ist die Garantie für entspanntes Essverhalten. 🙂

    Antworten | 18. März 2013
  • Wir machen das im Urlaub im Restaurant meist so: Wir bestellen ein Erwachsenengericht, das uns kindertauglich erscheint, für unsere zwei Kinder zum Teilen und dann noch ein bis zwei Erwachsenengerichte für uns zwei Großen. Oft ist es dann aber auch so, dass unsere Kinder lieber die Gerichte essen, die wir ursprünglich als „Erwachsenengericht“ identifiziert haben und als weniger kindertauglich… und manchmal dürfen sie sich auch etwas von der Kinderkarte aussuchen, die wirklich überall auf der Welt gleich (langweilig) ist.

    Antworten | 18. März 2013

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