Sicher im SommerurlaubKaufberatung Schwimmflügel & Co.

Die Freibäder rufen und der Strandurlaub naht. Genau die richtige Zeit, um die Schwimmflügel aus dem Schrank zu holen und einem Sicherheitscheck zu unterziehen – passen sie noch, sind sie sicher, brauchen wir neue oder überhaupt welche? Kauftipps und Infos von KidsAway.

von KidsAway-Redaktion

Mit der richtigen Schwimmlernhilfe machts Spaß!

Mit der richtigen Schwimmlernhilfe machts Spaß!

© Havenholidays/FlickR

Was gilt als Schwimmlernhilfe?

Schwimmhilfe ist nicht gleich Schwimmlernhilfe: Neben den üblichen Schwimmärmeln und Schwimmflügeln, die Kindern das Schwimmenlernen erleichtern sollen, gibt es Wasserspielzeug, das zum Schwimmenlernen ungeeignet (und sogar gefährlich) ist, und schließlich Rettungswesten und Ähnliches, die auch ohnmächtige Ertrinkende im Notfall über Wasser halten.

Während kein Mensch auf die Idee kommt, sein Kind mit Rettungsweste ins Freibad zu schicken, kaufen doch immer noch viele Eltern für ihre Kleinen Schwimmringe, Badeboote oder Poolnudeln und glauben, sie damit im Wasser genug zu sichern. Das ist falsch! An Wasserbällen, Luftmatratzen und aufblasbaren Tieren kann sich ein Kind nicht gut festhalten, sie rutschen schnell weg. Wegen ihrer hohen Windanfälligkeit treiben sie auf Seen und auf dem Meer außerdem schnell ab – gern auch weit hinaus!

Am gefährlichsten sind als Schwimmhilfen getarnte Spielzeuge wie aufblasbare Boote oder Autos zum Hineinsetzen mit Beinlöchern. Im Produkttest Schwimmhilfen der Stiftung Warentest kippten die Kinderdummys aus drei der vier getesteten Schwimmsitze ins Wasser, kaum dass man sie hineingesetzt hatte. Ein Kind, das von seinen Eltern nicht ständig festgehalten wird, würde also mit dem Kopf unter Wasser hängen und dabei auch noch in den Beinöffnungen steckenbleiben. Zwar haben die Sitze mehrere Luftkammern, aber auch das hindert sie nicht am Sinken, sobald eine der Kammern undicht wird. Nur der Schwimmsitz von Bema schnitt gut ab.

Tipp Lieber keine Schwimmsitze

Wir empfehlen: Vorsichtshalber Finger weg von allen Schwimmsitzen, auch wenn sie das GS-Zeichen tragen! Gewöhnt eure Babys lieber in euren sicheren Armen und in höchstens knöcheltiefem Wasser behutsam ans Planschen.

 

Worauf sollten Eltern beim Kauf einer Schwimmlernhilfe fürs Kind achten?

Soll die Schwimmlern­hilfe sicher sein, muss sie genau auf das Gewicht des Kindes und seine Schwimmfähigkeiten zugeschnitten sein. Die Eignung erkennt ihr an der EN-Klassifizierung, die auf der Verpackung stehen muss:

Klasse A sind Schwimm­sitze für passive Benutzer, die gar nicht schwimmen können; das sind Babys bis zu einem Alter von 36 Monaten und einem Körpergewicht bis zu 18 kg – mehr nicht!

Die europäische Norm EN 13138-1 legt auch ausdrücklich fest, dass Schwimmlernhilfen nicht wie Wasserspielzeug aussehen dürfen, damit Eltern sie unterscheiden können. Problematisch sind in dieser Beziehung Schwimmsitze in Form von Autos oder Booten. Obwohl sie seit den 1990er-Jahren in Europa verboten sind, werden sie in den Mittelmeerländern zunehmend wieder verkauft – „getarnt“ als Spielzeug ohne EN-Zulassung. Achtet also immer darauf, dass eine Schwimmlernhilfe und besonders ein Schwimmsitz die EN-Kennzeichnung 13181 trägt! Steht nur EN 71 drauf, handelt es sich um eine reine Schwimmhilfe, die nicht zum Schwimmenlernen geeignet ist.

Klasse B umfasst die bekannten Schwimm­flügel, Schwimmärmel und Schwimmgürtel. Gemeinsames Merkmal: Sie werden am Körper getragen und verschaffen dem oder der Tragenden Auftrieb, weil sie aus Schaumstoff bestehen oder mit Luft gefüllt sind. Sie sind für aktive Benutzer konzipiert, die schwimmen lernen wollen, also nicht für Babys! Da sie gezielte Eigenaktivität verlangen, kann es zu kleinen Kindern eben auch passieren, dass sie trotz (ungeeigneter) Schwimmhilfe ertrinken! Achtet daher beim Kauf immer auf die passende Gewichtsklasse.

In Klasse C sind Schwimm­bretter und Schwimmhanteln für aktive Benutzer, die schon Schwimmbewegungen beherrschen. Im Gegensatz zu Schwimmflügeln, die am Körper getragen werden, muss man sich an ihnen beim Schwimmen aktiv festhalten, das heißt, man muss schon ein wenig schwimmen können. Diese Geräte kommen meist nur im Schwimmkurs zum Einsatz und dürfen nicht mit Wasserspielzeug wie Poolnudeln verwechselt werden.

 

Qualität – beim Lebensretter selbstverständlich?!

Bema Schwimmflügel

Bema Schwimmflügel

© Bema

Die Schwimmlernhilfe für euer Kind sollte nicht nur an seinen Entwicklungsstand und sein Gewicht angepasst sein. Wichtig sind auch Sicherheitskriterien wie Rückschlagventile, die ein unkontrolliertes Entweichen der Luft verhindern, eine stabile Konstruktion mit mehreren Luftkammern, damit die Schwimmlernhilfe im Notfall nicht sofort sinkt, und generelle Kriterien wie abgerundete Schweißnähte und schadstofffreie Materialien.

Besonders in dieser Hinsicht sind letztes Jahr zahlreiche von der Stiftung Warentest geprüfte Produkte mit „mangelhaft“ durchgefallen. Von den 24 Testkandidaten waren nur die Schwimmflügel von Beco und Bema, der Schwimmsitz und die Schwimmnudel von Beco und die Baumwoll-Schwimmkissen von Schlori (nahezu) schadstofffrei. Alle anderen waren mehr oder weniger stark mit Phtalaten (Weichmachern, gelten als fortpflanzungsgefährdend) und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK, können Krebs erzeugen) belastet. Das ist besonders bei kleineren Kindern bedenklich, die Kunststoffe gern ausgiebig anknabbern; aber auch größere Kinder tragen die Schwimmlernhilfen ja immerhin direkt auf der Haut, und das im Sommer nicht eben kurz!

In puncto Sicherheit schnitt die Mehrheit der Testobjekte aber gut ab. Die Prüfer monierten allenfalls die Gefahr abreißender Sicherheitsventile bei den Kraulquappen von Cherek’s und die potenziell gefährliche Sicherungsmethode der Schlori-Schwimmkissen: Diese werden nur mit einem zur Schleife gebundenen Stoffband befestigt, die sich beim Toben natürlich lösen kann.

Unbedenklich hinsichtlich Schadstoffen und gut bzw. befriedigend bezüglich der Sicherheit waren nur die Schwimmflügel von Bema und Beco; für 8 Euro bzw. 6,50 Euro ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Kauftipps für Schwimmflügel & Co.

Bitte keine Schwimmlernhilfen am Strand kaufen!

Bitte keine Schwimmlernhilfen am Strand kaufen!

© Maryanne Ventrice/FlickR

Die von der Stiftung Warentest untersuchten Schwimmlernhilfen waren sämtlich in Deutschland gekaufte Markenprodukte – und bereits diese schnitten teilweise schlecht ab!

Wie viele Schadstoffe, schlecht befestigte Sicherheitsventile und schadhafte Konstruktionen werden dann erst Schwimmlernhilfen mitbringen, die außerhalb der EU gefertigt und keiner Sicherheitskontrolle unterzogen werden? Die eventuell monatelang in praller Sonnenhitze mangelhaft verpackt in Strandbuden hängen?

Unsere Sicherheitstipps für den Urlaub lauten:

  • Kauft nicht nur Schwimmlernhilfen, sondern auch Wasserspielzeug aus Kunststoff oder Schaumstoff möglichst nicht erst am Strand, sondern in einem Fachgeschäft – in Deutschland. Der TÜV Rheinland fand 2009 und 2010 in einem Test von Wasserspielzeugen in der Hälfte der Produkte aus Urlaubsländern wie Türkei und Kroatien, aber auch den Niederlanden und Frankreich gesundheitsgefährdende und zum Teil krebserregende Schadstoffe! „Wer in Urlaubslaune am Strand Luftmatratzen, aufblasbare Schwimmringe oder Schwimmtiere kauft, bekommt dafür oft schlechte Qualität, aber was viel schlimmer ist: Gefahren für die Gesundheit sind im Kauf gleich eingeschlossen – besonders für Kinder”, sagt Friedrich Hecker vom TÜV Rheinland.

 

  • Achtet immer darauf, dass das CE-Zeichen und die EN-Norm 13138 aufgedruckt sind, Angaben zum Höchstgewicht gemacht werden und dass die Produkte nicht älter als zwei Jahre sind. Macht außerdem den Geruchstest, bevor ihr kauft: Finger weg von stark riechenden Schwimmlernhilfen; wenn es gar nicht anders geht, lasst sie wenigstens einige Tage auslüften. Und prüft die aufgepustete Schwimmlernhilfe auf scharfkantige Nähte und schlechte Verarbeitung.

 

  • Eine sichere Schwimmlernhilfe muss mindestens zwei getrennte Luftkammern haben und Ventile mit Rückschlag, das ist eine kleine Plastikklappe im Lufteingang.

 

Am sichersten: gar keine Schwimmlernhilfe?

Es geht auch ohne Schwimmlernhilfe

Es geht auch ohne Schwimmlernhilfe

© Tadson/FlickR

Viele Eltern sind nicht nur angesichts der Sicherheitsrisiken skeptisch: Hat sich ein Kind erst einmal an die (trügerische) Sicherheit seiner Schwimmflügel gewöhnt, dauert es wesentlich länger, bis es ein Gefühl für die Bewegung und den Auftrieb seines Körpers im Wasser entwickelt. Zum selbständigen Schwimmen muss man Kinder dann mitunter mühsam überreden – schließlich klappt es doch auch so! Mit den voluminösen Flügeln fällt es außerdem schwer, die richtigen Brustschwimmbewegungen auszuführen. Es kann daher durchaus sinnvoll sein, Kinder ohne Schwimmlernhilfen ins Wasser zu lassen – wenn sie lückenlos beaufsichtigt werden. Dies sollte aber auch mit angelegten Schwimmlernhilfen selbstverständlich sein.

Schwimmlernkurse werden für Kinder ab vier Jahren von der DLRG, dem Deutschen Schwimm­verband und der Wasser­wacht beim Deutschen Roten Kreuz angeboten – fragt einfach in eurem Schwimmbad nach!

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Kommentar als Gast schreibenKommentare (3)

  • Molly

    Kinder von 2 Jahren können sich, wenn sie richtig ans Wasser gewöhnt werden, bereits gut im Wasser zurecht finden und “Schwimmen” lernen. Zwar nicht so wie die Erwachsenen, sondern Brust Arme udn Kraul Beine. Das ist für die Kleinen viel einfacher zu lernen. Wie’s funktioniert? Wassergewöhnung im Tempo des Kindes. Die Angst vor Wasser im Gesicht verlieren. Vom Beckenrand springen vor Mama/Papas Arme. Außerdem Schwimmen (ohne Flügel) mit einer Poolnudel unter den Armen und Schwimmflossen an den Beinen. Die Kleinen sollen einfach strampeln. Zuerst funktioniert’s wie Treppensteigen (eher schlecht), später entwickelt sich das ganze zum Kraulbeinschlag. Wenn das Kind gelernt hat, die “Bauchbremse” auszuschalten – einfach flach ins Wasser legen – kommt es gut voran. Armbewegungen üben mit Nudel ist mühsam, geht aber einigermaßen. Wir haben das “Scheibenwischer” genannt. Dann einfach die Poolnudel weglassen und nur mit Flossen schwimmen. Wer mag, kann auch Schlori, Delfino, Schwimmgürtel nehmen. Die Kinder sollten sich halt gut bewegen können.
    Manche Kinder mögen das Rückenschwimmen lieber, weil das Gesicht dann nicht so nass wird. Möglichkeiten gibt es viele.
    Was auch immer gut ankommt: Schwimmbrett zum Transportieren von Spielzeug benutzen (von einer Ecke in die andere) – um die Wasserlage zu verbessern. Oder Seifenschalen, Spülbürsten o. ä. mit Saugnäpfen, die ihr an der Schwimmbadwand befestigt, damit das Kind dann danach greift. Zuerst sehr weit oben, später dann so, dass es mit dem Kopf unter Wasser muss – und will, weil es neugierig ist.
    Der Rest kommt von alleine. Super sind übrigens kleine Kanäle, die den Innenteil mit dem Außenteil eines Schwimmbads verbinden, wenn es so etwas bei Euch gibt. Dann kann das Kind nämlich sehr schnell sein Ziel – das andere Ufer – erreichen und übt. Gleiches kann man natürlich auch mit einer Aluleiter machen, aber sowas nimmt normalerweise nur eine Schwimmschule mit..
    Wichtige Übungselemente sind noch: Reinspringen und alleine wieder hoch kommen lassen – das Kind darf in einer solchen Situation keine Panik bekommen. Ebenso wie Drehen üben von Bauch auf Rücken udn zurück. Wenn’s mal ins Wasser fällt, kann es sich die Position ja auch nicht aussuchen..
    Eine gute Schwimmbrille leistet übrigens gute Dienste, da Schwimmen der Kleinen häufig eher Tauchen oder Nase aus dem Wasser stecken ähnelt.
    Viel Spaß beim Üben! Wenn das Kind Spaß hat, sich alleine zu bewegen, dann ist’s richtig. Wer frierende Kinder hat (oder solche, die immer wieder rein und raus flitzen, am Strand spielen etc.), bekommt bei Decathlon (Eigenmarke Tribord) übrigens schon für die ganz Kleinen günstige Neoprenanzüge (ab 15 EUR).

    Antworten | 24. Mai 2014
  • Eine gute Übersicht. Es ist wirklich erstaunlich, dass die Zahl der Nichtschwimmer steigt. Denn es ist schon richtig: Die beste Schwimmhilfe ist es, das Schwimmen zu lernen.

    Antworten | 10. April 2014
  • Jacky

    Super hilfreich, vielen Dank! Wir wollen auch in diesem Sommer in den Süden mit unserem Sohn und nun werde ich mit Sicherheit keine Schwimmhilfen am Strand kaufen, die nicht geprüft sind! Abgesehen davon ist mein Sohn auch erst 2 Jahre und ich lasse ihn hauptsächlich ohne Schwimmhilfe ins Wasser. Natürlich auf meinem Arm! Ich denke so lernt er viel schneller schwimmen!

    Antworten | 4. Juli 2012

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