Außergewöhnliche Familien auf ReisenKidsAway Familien-InterviewMit Baby im Fahrradanhänger durch Neuseeland

Wibke und Axel waren schon als Studenten ein flottes Team – kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten, reisten sie per Fahrrad durch Afrika. Klar, dass ein Baby ihre Reiselust nicht dämpfen konnte. Schon bald begann Smillas große Reise – ans andere Ende der Welt.

Teil 3 von 12 der Serie Außergewöhnliche Familien auf Reisen

von kwerhoch2

Am Milford Sound © Axel Raßbach

Am Milford Sound © Axel Raßbach

Reisebericht verfasst von

kwerhoch2
am 29.05.2012

Informationen zur Reise

Reiseziel: Neuseeland
Reiseroute: Von Auckland nach Christchurch
Urlaubsort: Neuseeland
Reisedauer: 7 Monate
Teilnehmer: 2 Erwachsene, 1 Baby

KidsAway: Erzählt doch bitte ein wenig von Eurer Familie – wer seid Ihr?

Axel: Wir sind eigentlich eine ganz normale Familie. Als unsere Tochter Smilla während unserer Diplomprüfungen zu Welt kam, hat das unser bisheriges Leben ordentlich durchgeschüttelt. Gute vier Jahre später kam Selma zur Welt. Wibke bestreitet gerade ein Masterstudium in Umweltbildung und gründet zeitgleich eine Freie Schule. Als freiberuflicher Designer und Fotograf ist mein Alltag im Vergleich dazu eher ruhig!

 

 

KidsAway: Wie seid Ihr denn als Familie zum Reisen gekommen?

Axel: Wir sind beide recht sportlich und waren vor den Kids viel in der Welt unterwegs, auch auf extremen Touren. Wir kannten uns gerade ein paar Wochen, da sind wir mit dem Fahrrad durch die Massai-Steppe gefahren. Nach Meinung der „Experten“ in unserem Bekanntenkreis war das nun, mit Kind, vorbei. Von wegen, dachten wir. Mit Neuseeland wollten wir uns sozusagen langsam an das Thema Reisen mit Kind herantasten, das Motto war: „minimal ein Tag – maximal ein Jahr“. Und Neuseeland war perfekt! Smilla hat es sieben Monate mit uns dort ausgehalten.

 

KidsAway: Ihr seid ja im Vergleich zum typischen Jahresurlaub sehr lange unterwegs gewesen – wie viel Vorbereitung steckt in so einer langen Reise?

Axel: Zwischen unseren Diplomarbeiten und dem Start der Reise lagen drei Monate. Ich habe versucht zu arbeiten, Wibke hat sich ums Baby gekümmert. „Vorbereitung“ sind hauptsächlich die Gespräche zwischen uns. Jegliche Top-Ausrüstung nützt einem nichts, wenn man sich unterwegs nicht einig ist. Ansonsten: Flug buchen, Sachen packen und los geht‘s!

 

KidsAway: Erzählt doch mal von einem typischen Tag auf Eurer Reise!

Ganz unten © Axel Raßbach

Ganz unten © Axel Raßbach

Wibke: Mit einem Kind zu reisen, ist ja ein Fulltime-Job, egal welcher Wochentag ist. Meist sind wir zwischen 7 und 8 Uhr morgens aufgebrochen, eine bis zwei Stunden geradelt und haben dann gefrühstückt, während ich Smilla gestillt habe. Nach diesem Schema verlief der ganze Tag: fahren, Stillpause, fahren. So sind wir zwischen 60 und 100 km am Tag gefahren, haben einige Berge und Hügel überwunden, viel fotografiert… und hatten jede Menge Zeit für die Kleine.

Wenn wir das Radfahren mal über hatten, haben wir uns „Arbeit“ auf Bio-Höfen gesucht oder sind gewandert. Außerdem haben uns immer wieder Freunde und Familie aus Deutschland besucht. Langweilig wurde es nie!

 

KidsAway: Gibt es denn etwas, was Ihr am Reisen nicht mögt?

Axel: Ja! Den Verkehr und gestresste Autofahrer. Ach ja, vielleicht noch die ganz wichtigen Schlauberger, die sich selbst am liebsten reden hören. Ansonsten ist uns unterwegs alles recht.

 

KidsAway: Reisen mit Kindern kann ja recht anstrengend sein. Gab es einen Punkt, an dem Ihr aufgeben wolltet?

Axel: Den ersten Punkt gab es gleich zu Beginn der Reise, am ersten Tag auf dem Rad. Das Gepäck war verstaut, Smilla wurde ruhiger – und dann kam der erste Anstieg. Als ich spürte, wie stark die Hangabtriebskraft mich wieder nach unten zog, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, durch ganz Neuseeland zu radeln.

Wibke: Der zweite Knackpunkt kam nach zwei Wochen. Smilla bekam gerade Zähne und weinte viel. Damals haben wir gedacht, unsere Reise und die Umstände sind an ihrem Zustand schuld. Nach einer Krisensitzung im Zelt haben wir beschlossen, mehr Vertrauen in uns zu haben. Danach wurde es stetig besser.

 

KidsAway: Was waren die Höhepunkte Eurer Reise?

Smillas Villa © Axel Raßbach

Smillas Villa © Axel Raßbach

Axel: Wir hatten bei Tim, einem Baumkletterer, Arbeit gefunden und für ihn eine Holzhütte gebaut. Die haben wir dann feierlich „Smillas Villa“ getauft.

Wibke: Oder die viertägige Wanderung durch die atemberaubende Landschaft im Abel Tasman National Park!

Axel: Oder die einsamen Tage auf der Südinsel, nur wir drei, viel Sonne, kalter Wind und die herbe Natur. Es gab so viel Schönes und Aufregendes…

 

 

KidsAway: Könnt Ihr einschätzen, was Smilla von dieser Reise mitgenommen hat?

Wibke: Smilla erzählt heute noch viel von dieser Reise. Ich glaube, für sie war es das Beste, ihre Mama und ihren Papa zu haben. Ganz für sich, ohne dass wir durch Beruf und Verpflichtungen gestresst waren. Und natürlich die viele frische Luft! In den sieben Monaten in Neuseeland hatte sie nur zwei Tage mit einer Erkältung zu tun. Sonst keine Zipperlein. Ob sie später deswegen selbst von Fernweh geplagt sein wird, das werden wir ja sehen.

 

KidsAway: Was sind für Euch die Vor- und Nachteile am Reisen mit Kindern?

Axel: Ich fange mal mit dem Nachteil an: Man hat einen eingeschränkten Handlungsspielraum. Nicht jede Unternehmung ist für Kinder geeignet. Aber, und da komme ich auch schon zum Positiven: Durch die Langsamkeit und Verletzbarkeit ergeben sich neue Sichtweisen auf das Land und, was wichtiger noch ist, auf die Leute. Kinder öffnen die Herzen der Menschen. Gerade in Neuseeland sind wir oft von Einheimischen nach Hause eingeladen worden, einfach weil wir mit Kind unterwegs waren. So haben wir das Land von „innen“ kennenlernen dürfen.

 

KidsAway: Nachdem Ihr es so ausführlich getestet habt, würdet Ihr sagen, dass Neuseeland ein gutes Reiseziel für Familien ist?

Wibke: Es ist perfekt! Viel Sicherheit, viel schöne Natur und vor allem viele coole Kiwis (so nennen sich die Neuseeländer selbst): Die haben Kinderfreundlichkeit neu definiert. Die tiefsitzenden Vorbehalte gegen eine Radreise mit einem kleinen Kind, die wir zu Hause vor der Reise vielfach mitbekamen, wurden hier ins Gegenteil verwandelt: Autofahrer reckten den Daumen noch, Omis schenkten uns Kirschen und im Supermarkt wurden wir an der Schlange vorbei nach vorn gerufen. Leider ist Neuseeland sehr weit weg. Trotzdem ist es in unserer Länderbeliebtheitsskala weit oben!

 

KidsAway: Welchen Tipp könnt Ihr anderen Familien zum Reisen mit Kind geben?

Axel: Je einfacher das Verkehrsmittel, desto größer ist das Erlebnis. Reisen mit dem Fahrrad ist perfekt. Als es im Winter frostig wurde, haben wir uns einen alten Van gekauft, doch das Reisen damit war lange nicht so intensiv. Ich kann nur jedem empfehlen: Plant so wenig wie möglich! Wer mit Kindern reist, muss vor allem flexibel sein. Und in Neuseeland gibt es alles, um sorgenfrei zu reisen.

 

KidsAway: Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit Euren Reiseplänen?

Wibke: Letzten Sommer sind wir mit unseren zwei Mädels durch Finnland geradelt, um zu sehen, wie das funktioniert. Smilla, jetzt die Große, fuhr mit mir auf einem Tandem, Axel zog Selma in ihrem Radanhänger. Wir waren eine lange Karawane, aber wir kamen voran und hatten unseren Spaß.

Axel: In dieser Konstellation wollen wir ab Oktober durch Südamerika, hauptsächlich durch Chile touren. Auf unserer Website www.abenteuerkultur.de berichten wir davon.

 

KidsAway: Wenn eine Fee mit drei Wünschen käme: Was ist Euer Reise-Traum?

Axel und Wibke: Wir sind ja gerade dabei, uns einen weiteren Traum zu erfüllen. Aber wenn wir uns alles wünschen dürften, dann würden wir viele tropische Krankheiten wegzaubern, um mit den Kindern nach Nepal und Indien zu gehen. Dann weiter bis nach Neuseeland. Von da mit dem Schiff bis ans antarktische Festlandseis und dann mit den Skiern zum Südpol! Aber dafür müssen die Mädels noch eine Menge Thüringer Klöße essen.

 

KidsAway: Wir danken Euch für das Interview und wünschen Euch eine gute Reise!

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